Zivilschutz ignorierte Erdbeben-Warnung!

ROM – Ein Physiker sagte vor einem Monat ein schweres Erdbeben in der Region L’Aquila voraus. Bei den Behörden fand er damit kein Gehör. Leider sollte er recht behalten.

  • Publiziert: 06.04.2009, Aktualisiert: 14.01.2012
play Viele der Gebäude in LAquila sind alt und baufällig. (AP)

Gioacchino Giuliani schlug vor einem Monat Alarm. Laut «repubblica.it» beobachtete der Seismologe die Freisetzung von Radon aus Erdrissen, was auf ein bevorstehendes Erdbeben schliessen lässt. Laut seinen Berechnungen sollte am 29. März ein schweres Beben die Region erschüttern.

Giuliani ist Forschungsmitglied der «Laboratori Nazionali del Gran Sasso», dem grössten unterirdischen Versuchslabor für Elementarteilchenphysik der Welt. Doch weil er mit seiner Prognose Panik auslöste und das Erdbeben vorerst nicht eintraf, leiteten die Behörden eine Strafuntersuchung ein.

Nun muss sich der Zivilschutz harte Vorwürfe gefallen lassen. Da es in den letzten Wochen mehrere kleinere Beben gab, hätte man öffentliche Gebäude schliessen müssen. Vor allem die extrem gefährdeten alten und baufälligen Gebäude hätten geräumt werden müssen.

«Jetzt verlange ich eine Entschuldigung für alle Toten, die es in LAquila gegeben hat. Man hätte viele Menschenleben retten können, wenn man auf meine Worte gehört hätte. Die Erdbebenserie ist noch nicht zu Ende. Auch morgen wird es Nachbeben von einer Stärke bis zu vier nach Richter geben», sagt Giuliani heute.

Der EU-Parlamentarier Vittorio Agnoletto verlangt den Rücktritt von Zivilschutzchef Guido Bertolaso. «Das Drama hätte vermieden werden können, wenn man auf Giulianis Worte gehört hätte. Viele Menschenleben hätten gerettet werden können», so der EU- Parlamentarier.

Das Geophysik-Institut bekräftigt erneut, dass das Erdbeben in LAquila nicht vorhersehbar war. «Kein Mensch auf der Welt hätte dieses vorhersehen können. Niemand hätte aufgrund vager Prognosen Massnahmen für den Zivilschutz ergreifen können», meint Alberto Basili, Erdbeben-Experte des Geophysik-Institut.
(gca/SDA)

Erdbeben in Italien

Italien wurde schon oft von heftigen Erdstössen erschüttert. Beim folgenschwersten Beben seit Menschengedenken in Europa starben 1908 in Messina (Sizilien) und Süd-Kalabrien mehr als 100000 Menschen.

Einige schwere Erdbeben der vergangenen Jahre:

31. Oktober 2002: Unter Erdstössen der Stärke 5,4 bricht das Gebäude der Grundschule in der Kleinstadt San Giuliano di Puglia zusammen. Unter den 30 Toten sind 27 Erstklässler und eine Lehrerin, die unter Beton begraben werden.

26. September 1997: Ein Beben der Stärke 5,7 in den Apenninen-Regionen Umbrien und Marken beschädigt in 77 Orten etwa 9000 Gebäude. Betroffen ist auch die Basilika von Assisi. Zwölf Menschen sterben in den Trümmern oder bei Herzinfarkten.

13. Dezember 1990: Erdstösse der Stärke 5,9 reissen 19 Einwohner in Ost-Sizilien in den Tod und machen 500 obdachlos. Besonders stark betroffen sind Syrakus und Carlentini.

11. Mai 1984: LAquila und benachbarte Provinzen werden von einem Erdbeben der Stärke 5,2 heimgesucht. Drei Menschen kommen ums Leben, und 27000 werden obdachlos. Rund 150 Kirchen und andere historische Baudenkmäler werden schwer beschädigt.

23. November 1980: Mindestens 3000 Menschen sterben, als in Neapel und 100 weiteren Orten der Region Kampanien die Erde bebt. Die Erdstösse erreichen die Stärke 6,5.

6. Mai 1976: Ein verheerendes Beben mit der Stärke 6,5 erschüttert die Region Friaul im Nordosten des Landes. Etwa 980 Menschen werden getötet. Unter den rund 30 verwüsteten Orten ist besonders Valneria betroffen.

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