Zensur für Forster-Film

  • Publiziert: 16.01.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

KABUL – Die Taliban sind zwar nicht mehr am Ruder – dennoch darf Marc Forsters Film «Drachenläufer» in Afghanistan nicht in die Kinos. Wegen einer Vergewaltigungs-Szene.

Als die islamistischen Taliban die afghanische Bevölkerung noch in ihrem Hass auf alles Westliche knebelten, waren Hollywood-Steifen natürlich verpönt. Die Gotteskrieger wurden vor sechs Jahren von der Macht verdrängt – doch nun kriegts auch der Schweizer Regisseur Marc Forster mit der Zensur am Hindukusch zu tun.

Seine Verfilmung des Weltbestsellers «Drachenläufer» kommt in Afghanistan nicht in die Kinos. Begründung des Kulturministeriums: Eine Vergewaltigungsszene habe einen ethnischen Hintergrund.

In der umstrittenen Szene wird ein Junge, der der Minderheit der Hasara angehört, von einem Paschtunen-Jungen vergewaltigt. «Wenn ein Mitglied einer ethnischen Gruppe von jemandem einer anderen Gruppe angegriffen wird, sieht das so aus, als wäre die Herkunft der Grund dafür», sagte Kulturminister Nadschib Malalai der Nachrichtenagentur AFP. «Das kann nicht hingenommen werden».

Die vier Kinder, die in dem Film die Hauptrollen spielen, mussten Afghanistan verlassen. Ihre Familien fürchteten gewaltsame Reaktionen auf die umstrittene Szene.

Der Film, der morgen in den Schweizer Kinos anläuft, erzählt die Geschichte einer Jungenfreundschaft in Afghanistan vor dem Hintergrund der Geschichte des Landes. Er basiert auf dem Buch des in Afghanistan geborenen Arztes und Schriftstellers Khaled Hosseini, der in den USA lebt. (SDA/hhs)

Mia Farrow darf nicht gegen China demonstrieren

PHNOM PENH – Auch in Kambodscha bekommt eine Hollywood-Akteurin Probleme mit dem politischen Establishment: Das südostasiatische Land verweigert der US-Schauspielerin Mia Farrow einen Auftritt im einstigen Foltergefängnis Toul Sleng.

Farrow wollte dort symbolisch eine olympische Fackel entzünden, um gegen China als Ausrichter der Olympischen Spiele zu protestieren. Sie wirft China vor, seinen Einfluss im Sudan nicht geltend zu machen, um die Grausamkeiten in der Provinz Darfur zu beenden.

Ein solcher Auftritt werde nicht erlaubt», sagte heute der Direktor des heutigen Museums Toul Sleng, Chey Sopheara. «Nach Toul Sleng kommt man leise und mit Weihrauch, um der Toten zu gedenken, nicht mit Fackeln und politischen Anliegen.»

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