Wurde Flug AF-447 von einem Blitz getroffen?

  • Publiziert: 01.06.2009, Aktualisiert: 19.01.2012

PARIS – Die von den Radarschirmen verschwundene Air-France-Maschine ist nach ersten Erkentnissen durch ein Gewitter geflogen und womöglich vom Blitz getroffen worden. Eine Entführung wird ausgeschlossen.

«Das Flugzeug ist in eine Gewitterzone mit starken Turbulenzen geflogen, die Funktionsstörungen verursacht haben», sagte Air-France- Sprecher François Brousse in Paris.

Eine automatisch abgesetzte Botschaft habe um 4.14 Uhr eine Panne im Stromkreis gemeldet. Die wahrscheinlichste Ursache sei ein Blitzeinschlag. Um 8.00 Uhr verschwand das Flugzeug über dem Atlantik plötzlich von den Radarschirmen.

Schicksal der Passagiere ungewiss

«Wir stehen zweifellos vor einer Luftfahrtkatastrophe», sagte der Chef der Fluggesellschaft Air France, Pierre-Henri Gourgeon.

An Bord der A330-220 mit der Flugnummer AF 447 waren laut dem Unternehmen 216 Passagiere und 12 Besatzungsmitglieder. Das im brasilianischen Rio de Janeiro gestartete Flugzeug hätte um 11.10 Uhr auf dem Pariser Flughafen Roissy-Charles de Gaulle eintreffen sollen.

Am Flughafen wurde ein Krisenstab eingesetzt und eine Betreuung für Angehörige eingerichtet. «Wir müssen ernsthaft mit dem Schlimmsten rechnen», sagte der für Verkehr zuständige Umweltminister Jean-Louis Borloo. Die Lage spreche für «die Hypothese eines Unfalls». Die Möglichkeit einer Entführung schloss Borloo «klar» aus.

Zerstörung im Flug?

Blitzeinschläge in Flugzeuge gibt es häufig. Sie richten in der Regel keine grossen Schäden an. Ein totaler Stromausfall nach Blitztreffern könnte nach Angaben der Pilotenvereinigungen aber erklären, warum die sehr erfahrenen Piloten kein Notsignal gaben.

Am wahrscheinlichsten sei die Hypothese einer «Zerstörung im Flug», sagte der Luftfahrt-Gerichtsexperte Francois Granquier.

Wenn die Maschine mitten in den Atlantik gestürzt sei, werde man sie kaum wiederfinden. Die Mittel dazu seien sehr begrenzt. Die Flugschreiber geben nach einem Absturz Signale ab, die es ermöglichen sie aufzuspüren. Allerdings hängt das von der Wassertiefe ab.

Die Pilotengesellschaft SMPM erklärte dagegen, sie behalte «ein Fünkchen Hoffnung.» Wenn es einen Triebwerkschaden oder ein Feuer an Bord gab, habe das Flugzeug vielleicht auf dem Wasser notlanden können.

Suche nach dem Wrack im Atlantik

Staatspräsident Nicolas Sarkozy erklärte seine «sehr grosse Besorgnis». Regierung und Behörden müssten alles in Bewegung setzen, «um eine Spur des Flugzeuges zu finden und schnellstmöglich Licht in die Umstände seines Verschwindens zu bringen».

Die brasilianische Luftwaffe startete Suchflüge über dem Atlantik. Maschinen suchten dabei jenseits der weit im Ozean liegenden Insel Fernando do Noronha. Ein französisches Aufklärungsflugzeug nahm von Senegal aus die Suche nach dem Wrack vor der afrikanischen Küste auf.

Die Maschine wurde von der marokkanischen Luftraumüberwachung nicht mehr erfasst, wie die dortige Regierung mitteilte. Marokkanische Luftfahrtkreise erklärten, die Maschine sei auch nicht über den Kanarischen Inseln erfasst worden, was für einen früheren Absturz sprechen würde. (sda/dct)

Über Schweizer Opfer bisher nichts bekannt

Im Airbus A330 der Air France sassen mindestens 40 französische Staatsbürger und 20 Deutsche. Die Mehrheit der Passagiere waren nach französischen Regierungsangaben Brasilianer.

Über Schweizer Opfer ist bisher nichts bekannt. Das EDA ist jedoch dabei, abzuklären, ob sich Schweizer in der Maschine befanden.

Laut Air France waren unter den Passagieren 126 Männer, 82 Frauen, sieben Kinder und ein Baby. Die Gesellschaft richtete eine Telefonhotline ein, die vom Ausland aus unter +33 157 02 10 55 erreicht werden kann.

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