Wollte er Elisabeth freilassen?

  • Aktualisiert am 30.04.2008

AMSTETTEN – Im Vernehmungsprotokoll hat Josef Fritzl seine Angaben bestätigt. Für die Ermittler ist klar: Josef Fritzl war ein Einzeltäter. Und das Sex-Monster wollte seine Tochter wohl bald freilassen.

Heute nahmen Ermittler – Ärzte, Polizisten, Kriminologen – Stellung zu den neusten Untersuchungsergebnissen im Inzest-Fall von Amstetten.Dabei zeigen sich folgendes:Fritzl hat per Protokoll zugegeben, seine Tochter jahrelang missbraucht und sie 24 Jahre im Keller eingesperrt zu haben. Eine DNA-Analyse hat nachgewiesen, dass er auch der Vater ihrer sechs Kinder ist.Josef Fritzl gilt als Einzeltäter. Es gibt keine Hinweise auf einen Mittäter.Das Sex-Monster von Amstetten wurde aufgrund eines Hinweises geschnappt. Bei der Polizei ging ein Anruf ein. Kripochef Franz Polzer wollte nicht sagen, woher der vertrauliche Anruf kam. Er meinte allerdings: «Irgendjemand aus dem Umfeld des Täters musste das wissen». Bisher gibt es keine Hinweise, dass Josef Fritzl auch eines der sechs Kinder von Elisabeth missbraucht hat. Bei der 19-jährigen Kerstin, die im Koma liegt, ist dies schon sichergestellt.Der 73-Jährige habe seiner Tochter zur Jahreswende 2007/08 einen Brief diktiert, in dem er sie ankündigen liess, sie wolle in diesem Sommer mit ihren Kinder nach Amstetten zurückkehren.Ausser der 19-jährigen Kerstin geht es gemäss den Ärzten allen Familienmitgliedern «relativ gut». Die Familienmitglieder würden sehr viel miteinander reden und ihre Raum-Orientierungsstörung nach den 24 Jahren im dunklen, niedrigen Verlies konnte ausgeglichen werden. Geburtstagsfeier für eines der KinderDer fünfjährige Felix wolle nicht von seiner Mutter weichen. Und für den 12-jährigen Alexander habe gestern eine improvisierte Geburtstagsfeier stattgefunden. Elisabeth Fritzl und ihre Kinder leben zurzeit in einem abgeschotteten Teil der Nervenklinik Amstetten-Mauer, der rund 80 Quadratmeter gross ist. «Sie werden sicher in naher Zukunft keine Interviews geben», sagte der Anwalt der Familie, Christoph Herbst.Nun soll überprüft werden, ob Josef Fritzl für weitere Straftaten in Frage kommt. Denn die Ermittler beschäftigen sich auch mit einem ungelösten Mord an einem 17-jährigen Mädchen, der mehr als 20 Jahre zurückliegt. Am Ort des Verbrechens, am Mondsee an der Kienbergwand in Österreich, hatten Josef Fritzl und seine Frau Rosemarie von 1973 bis 1996 eine Pension. (spj)

Regierung verteidigt Österreich

Der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer nimmt sein Land gegen Kritik in ausländischen Medien in Schutz. Er betonte: «Es ist sicher nichts Abgründig-Österreichisches an diesem Fall». Auch Bundeskanzler Alfred Gusenbauer verwehrte sich gegen Verallgemeinerungen. «Nicht Österreich ist der Täter, sondern das ist ein unfassbarer Kriminalfall – aber ein Einzelfall». «Wir werden nicht zulassen, dass das ganze Land in Geiselhaft eines einzelnen Mannes ist», sagte Gusenbauer.

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