Wirt erhängt sich – wegen Rauchverbot

  • Aktualisiert am 03.01.2012

STUTTGART – Er kämpfte vergeblich gegen das Rauchergesetz und den Umsatzrückgang in seiner Kneipe. Nun sah «Bären»-Wirt Uli S.* keinen Ausweg mehr.

30 Jahre lang war er Wirt der Szenekneipe «Bären» in Balingen. Und Uli S. liebte seine Gäste. Gerne trank er mal einen mit, kümmerte sich um seine Kunden. Nun ist er tot. Er erhängte sich auf dem Dachboden. Wegen dem Rauchverbot!

Er schrieb seitenweise Leserbriefe in den Lokalzeitungen, verteilte gelbe Armbinden für Raucher. Uli S. wehrte sich gegen das in Baden-Württemberg herrschende Rauchverbot.

«Ich will mich nicht zum Büttel oder Blockwart machen lassen, der seine liebgewonnenen Gäste aus dem Lokal in den Regen und Kälte schicken oder bei der Polizei denunzieren soll», sagt Uli S. in einem Brief.

«Ich persönlich stehe seit über 40 Jahren im Rauch», schreibt er in einem seiner unzähligen Leserbriefe. Und schickt zynisch hinterher: «Das Leben endet meistens tödlich.»

Seine Kneipe ist ein Treffpunkt für jede Art, Schicht und Rasse. Die Bilder von der Bären-Beiz zeigen fröhliche Menschen, ausgelassen, feiernd. Die Bilder sind aus besseren Tagen – als in der verqualmten Beiz das Leben pulsierte.

Um 20 Prozent ging sein Umsatz wegen dem Verbot zurück, doch wie der Schwager von Uli S.* der Bild-Zeitung erzählt, sei seine Existenz noch nicht bedroht gewesen.

Doch eines Tages gibt Uli S. auf. Er erscheint nicht zum Abendessen. Seine Verwandten finden ihn schliesslich auf dem Dachboden.

Die Behörden entdecken auf einem Fenstersims den Abschiedsbrief. Sein Schwager sagt gegenüber «Bild»: «Ich habe den Brief gelesen. Darin ging es ausschliesslich um Ulis Verbitterung über das Rauchverbot. Der Abschied war nicht an Angehörige, sondern lediglich an die Politik gerichtet.»

Uli S. hinterlässt seine Frau und fünf Kinder. Unglaublich: Er war überzeugter Nichtraucher. (num)

* Name der Redaktion bekannt

Die Raucherbinde, die Uli S. aus Protest verteilte.- baeren-balingen.de

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