«Wir haben unseren Engel verloren»

  • Publiziert: 21.03.2009, Aktualisiert: 14.01.2012

DUBLIN – Die irischen Geschworenen haben Gerald Barry des Mordes an Manuela Riedo schuldig gesprochen. Seine Strafe: lebenslange Haft. Die Eltern der Berner Schülerin verlasen vor Gericht ein bewegende Erklärung.

Endlich hört das Lügen auf. Endlich hat das Gericht in Dublin ausgesprochen, was die ganze Welt schon wusste: Gerald Barry (29) hat am Abend des 8 Oktobers 2007 die damals 17-jährige Berner Sprachschülerin Manuela Riedo brutal vergewaltigt und ermordet. Barry kriegt nach dem Schulspruch der Geschworenen die Höchststrafe: lebenslange Haft.

Noch gestern hatte Anklägerin Isobel Kennedy in ihrem Schlussplädoyer die unfassbaren Lügengeschichten des Angeklagte weggefegt, die Geschworenen angefleht, ihren gesunden Menschenverstand zu benutzen. Denn Barry hatte während der Untersuchung des Falles und im Prozess immer wieder neue Versionen aufgetischt.

Erst wollte er mit der Tat nicht das Geringste zu tun haben, obwohl Handy und Fotokamera von Manuela bei ihm gefunden worden waren. Auch das Kondom, das die Polizei am Tatort fand, stamme nicht von ihm, behauptete Barry. Doch die Polizei fand seine und Manuelas DNA-Spuren an dem Präservativ.

Barry: Ihr Tod war ein Versehen

Barry blieb bei der Unwahrheit: Manuela sie freiwillig mit ihm mitgegangen, erklärte er während des Prozesses plötzlich: «Wir haben rumgefummelt, wir breiteten die Jacken aus und dann hatten wir Sex», sagte er. Am Schluss habe er Manuela am Hals zurückgehalten, dann sei sie gestorben. Ein Versehen, so Barry.

Die Geschworenen glaubten ihm kein Wort: Nachdem sie sich lange beraten hatten, folgten sie dem Antrag der Anklage. Die Verteidigung hatte auf Totschlag plädiert.

Manuelas Mörder ist überführt, sein Lügen hat ein Ende. Für Manuelas Eltern Arlette und Hanspeter Riedo, die den Prozess vor Ort verfogten, geht damit eine schwierige Zeit zu Ende. Ihr Wunsch hat sich erfüllt: Manuela verdiene es, dass ihr Mörder die gerechte Strafe bekommt, hatten sie zu Beginn des Prozesses zu BLICK gesagt. Nach dem heutigen Urteil hoffen sie, dass Barry den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen wird.

Berührende Erklärung von Manuelas Eltern

Zum Abschluss verlas Hanspeter Riedo vor Gericht eine Erklärung. Er und seine Frau hätten «ihren Engel verloren», sagte er. «Ich werde nie meine Tochter als Brautvater an den Altar führen, meine Frau wird nie Babykleider für ihre Enkelkinder stricken und niemand wird sich um uns kümmern, wenn wir alt sind.»

Worte könnten nicht ausdrücken, was sie verloren hätten, sagte Riedo. Ihre Tochter sei vor ihrem 18. Geburtstag gestanden und habe ihre erste Reise ohne die Eltern unternommen. «Wir wollten sie allmählich die Welt selbst entdecken lassen», sagte er.

Die Worte bewegten auch den Richter Barry White: «Jeder aufrichtige Mensch muss damit übereinstimmen», gratulierte er den Geschworenen zum Urteil. Er sprach den Eltern sein Beileid aus und sagte: «Ich hoffe, dass Sie in ihrem Herzen Vergebung für das irische Volk finden können.» (bih)

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