WASHINGTON/BENGASI - Nach dem Angriff auf die US-Botschaft in Bengasi ist Aussenministerin Hillary Clinton fassungslos.
Der Schock sitzt tief in den USA. «Wie konnte das geschehen? In einem Land, das wir mitgeholfen haben zu befreien. In einer Stadt, die wir vor der Zerstörung bewahrt haben», sagte Hillary Clinton als Reaktion auf den Anschlag.
Doch nach ersten Erkenntnissen passierte der Angriff nicht spontan in Zusammenhang mit Protesten gegen ein Anti-Islam-Video. Geheimdienste gehen von einem geplanten Angriff aus, hiess es gestern aus aus US-Regierungskreisen.
Die Attacke trage «klar» die Handschrift des Terrornetzwerks Al- Kaida, sagte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im US-Repräsentantenhaus, Mike Rogers, dem Nachrichtensender CNN. Dass es sich um einen geplanten Angriff handeln könnte, sei «derzeit die Arbeitshypothese», sagte zudem ein ranghoher Regierungsvertreter. Demnach könnten sich extremistische Angreifer die wütende Menge in Bengasi zu Nutze gemacht haben.
Das Konsulat war am Dienstag mit Raketen und Granaten angegriffen worden. Der US-Botschafter Chris Stevens und drei Mitarbeiter wurden getötet, auch mehrere libysche Sicherheitskräfte starben. Der Angriff ereignete sich am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001, ein für islamistische Terroristen symbolisches Datum.
Zunächst hatte es geheissen, dass es sich um einen spontanen Angriff gehandelt habe. Seit Dienstag gibt es in zahlreichen Ländern Proteste gegen einen US-Film, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird. Auch in Kairo hatten militante Islamisten die US- Botschaft gestürmt.
Laut Rogers deutet aber viel auf einen Terroranschlag hin. «Seit Monaten haben wir beobachtet, wie Al-Kaida nach westlichen Zielen Ausschau gehalten hat», sagte der US-Abgeordnete. «Das fand überall in Nordafrika statt. Wir haben bestimmte Aktivitäten beobachtet, die einen glauben lassen können, dass es eine mit Al-Kaida verbündete Gruppe war.»
Das US-Konsulatspersonal in Bengasi wurde nach Deutschland ausgeflogen, das Personal der Botschaft in Tripolis wurde reduziert, wie ein US-Vertreter mitteilte. Die US-Marine schickte ausserdem als «Präventivmassnahme» zwei Kriegsschiffe an die Küste Libyens. (SDA)
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