«Wir brauchen einen Neger, der den Rollstuhl schiebt»

  • Aktualisiert am 03.01.2012

BERLIN – Deutsche Urlauber in fremden Ländern. Oft als ungehobelt verschrien. Die deutschen Politiker dagegen eigentlich nicht. Eigentlich.

Was sich ein Grüppchen Parlamentarier auf einer Dienstreise in die USA erlaubte, ist an Peinlichkeit fast nicht zu überbieten. Der geforderte Standard sei nicht eingehalten worden, monierten die sechs Mitglieder des Gesundheitsausschusses. Und es sind übrigens beileibe keine Angela Merkels oder Gerhard Schröders. Es sind Namen, die über ihre Wahlkreise hinaus kaum bekannt sind.

Und doch: Auf Augenhöhe behandelt zu werden, verlangten sie. Genug Zeit zur freien Verfügung, verlangten sie. Und einen Neger, den verlangten sie auch.

Doch von vorne: Dem «Spiegel» liegt ein Dokument des Generalkonsuls in San Francisco vor, in dem er sich über einen «Besuch der besonderen Art» beim Auswärtigen Amt beschwert. Auf der elftägigen Reise – Dienstreise wohlgemerkt – reisten die sechs Hinterbänkler in den Pfingstferien nach San Francisco, eine von ihnen, CDU-Abgeordnete Annette Widmann-Mauz, sogar mit einem gebrochenen Fuss.

Daher forderte Randolph Krüger, Sekretär des Ausschusses, einen Rollstuhl für ihren Aufenthalt an. Den bekamen sie auch – doch: «Es war ein Krankenstuhl mit kleinen Rädern, wie aus alten US-Filmen», sagte Widmann-Mauz gemäss dem «Spiegel». Bewegen konnte sie ihn nicht alleine.

Neger gesucht

Und so fuhr Randolph Krüger den Generalkonsul an: «Wir brauchen einen Neger, der den Rollstuhl schiebt!» Krüger bestreitet den skandalösen Satz nicht einmal: Er könne «nicht ausschliessen, dass ich das gesagt habe. Wenn die so ein famoses Gerät angeschleppt hatten, dann sollten sie wenigstens mit anfassen.»

Dann sollten die Deutschen zum kalifornischen Parlament fahren, Gespräche mit Mitarbeitern von Abgeordneten im US-Parlament führen. Eigentlich war ein Treffen mit Nancy Pelosi, der ranghöchsten US-Politikerin, geplant. Doch diese hatte keine Zeit.

Also beschlossen die Berliner beim Frühstück und «bereits in Freizeitkleidung», wie der Generalkonsul berichtet, die Gespräche abzusagen. «Wir legen schon Wert auf Augenhöhe», so Widmann-Mauz. Für die Absage musste der Generalkonsul eine «Notlüge» erfinden.

Nun, der nächste Präsident der USA ist vielleicht ein «Neger». Vielleicht bringen ihn die deutschen Politiker beim nächsten Besuch dazu, ihren Rollstuhl… pardon, Karren aus dem Dreck zu ziehen. (num)

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