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Die katholische Kirche in der Krise: Seit der Aufhebung der Exkommunizierung von Holocaust-Leugner Richard Williamson steht der Papst in der Kritik. Katholiken treten aus der Kirche aus (im BLICK), die ganze Welt blickt auf den Vatikan. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel schaltet sich ein und fordert eine unmissverständliche Äusserung vom Vatikan.
Gestern dann endlich eine Mitteilung des Vatikans: Richard Williamson soll seine volksverhetzenden Äusserungen widerrufen – ansonsten gibts den Bischofshut nicht zurück.
Ein erstes Lebenszeichen zur Bewältigung der Krise – mit dem zusätzlichen Hinweis, der Papst habe jede Form von Holocaust-Leugnung bereits verurteilt. Trotzdem wurde ein Kommentar von ihm an seiner wöchentlichen Generalaudienz erwartet. Doch der kam nicht. Statt alle Zweifel aus dem Weg zu räumen, sprach er über andere Glaubensfragen.
Man sei «geradezu entsetzt» über die Diskussion die derzeit in Deutschland und der Welt herrsche, sagte der CDU-Politiker Georg Brunnhuber gegenüber der «Financial Times». Er konnte ein persönliches Gespräch mit dem Papst führen.
Langsam steht sogar die Frage nach einem Rücktritt des Papstes im Raum. Der deutschsprachige Leiter von Radio Vatikan, Pater Eberhard sagte: «So wie ich den Papst kenne, hat er in seinem Herzen möglicherweise schon daran gedacht.» Allerdings werde er nicht zurücktreten, nur um einem Problem aus dem Weg zu gehen, sagte Eberhard im Interview mit dem NDR.
Auch von einem Komplott des Schwedischen Senders SVT wird gesprochen. Der Sender veröffentlichte wenige Tage vor der Aufhebung der Exkommunizierung des Bischofs das hochbrisante Interview mit der Leugnung von Richard Williamson.
Das «sei eine bewusst gestellte Falle für seine Heiligkeit Benedigt XVI.» gewesen, zitiert der «Svenska Dagbladet» religiöse Kreise in Rom.
Vergeblich versuchte man, die Ausstrahlung des Interviews zu verhindern: Drei Stunden vor der Ausstrahlung erreichte die schwedische Redaktion ein Fax von Weihbischof Bernhard Fellay, wie «Spiegel Online» berichtet. Darin empört sich der Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Pius X. über das Interview. Es habe «das Ziel, die Tätigkeit unserer religiösen Gemeinschaft zu verleumden.»
Die Justiz ermittelt seit des Skandals um die Holocaust-Leugnung gegen Williamson. Wegen Verdachts auf Volksverhetzung drohen ihm nach deutschem Recht eine Geld- oder Haftstrafe.
Da er nicht vorbestraft sei, müsse er gemäss «Spiegel Online» wohl das Portemonnaie zücken, meinte der Leitende Oberstaatsanwalt Günther Ruckdäschel. (num)
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Tief in der Krise: Der Papst und seine Kirche. (Keystone)