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Muammar al-Gaddafi, hier bei einer TV-Rede, gewährte heute einer deutschen RTL-Reporterin ein Interview. (key)
Muammar al-Gaddafi feiert in Libyen ein militärisches Comeback. Heute griffen seine Leute die Stadt Adschdabija aus der Luft an. Hunderte Zivilisten und Aufständische seien heute nach Bengasi geflohen, berichtet die Agentur «AFP». Die Kleinstadt Suwara soll Gaddafi innert weniger Stunden zurückerobert haben. Auch um Brega werde noch gekämpft.
Die G8-Staaten diskutierten in Paris weiter über eine Flugverbotszone. Zu einer Einigung kam es aber nicht. Während Frankreich auf ein Flugverbot drängte, zögerten Russland und Deutschland. Deshalb wird in der Abschlusserklärung von heute nur «eine breite Palette von Massnahmen» erwähnt.
Der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle erklärte am Rande der Beratungen gegenüber «AFP», er sei nicht sicher, ob ein Flugverbot das Ziel erreiche. Als nächster Schritt wäre die Entsendung von Bodentruppen nötig und das gelte es auf jeden Fall zu verhindern: «Ich will nicht, dass Deutschland in einen Krieg in Nordafrika dauerhaft hineingezogen wird.»
Für seine Haltung kassierte Deutschland umgehend Lob von ungewollter Seite: Staatschef Gaddafi gewährte der RTL-Reporterin Antonia Rados ein Interview und setzte dabei zu einer Lobeshymne an: «Die Deutschen haben uns gegenüber eine sehr gute Position eingenommen, ganz anders als viele wichtige Länder im Westen.»
Zugleich kündigte Gaddafi an, diese Haltung könnte sich für Deutschland bald auch wirtschaftlich lohnen. Es sei gut möglich, dass Deutschland weiterhin libysche Aufträge bekomme. Zudem sprach sich der Diktator dafür aus, die Deutschen sollten einen permanenten Sitz im UN-Sicherheitsrat haben. Nicht die Franzosen.
Im RTL-Interview griff Gaddafi den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy erneut hart an. Er glaube, Sarkozy sei verrückt geworden. Er traue dem Westen nicht mehr. Künftig werde er sein Geld in Russland, Indien und China investieren. (sik)