Kachelmann und seine Ex-Geliebte Wiedersehen vor Gericht

  • Publiziert: 06.09.2010, Aktualisiert: 20.01.2012

MANNHEIM - Prozessauftakt. Eine blonde Frau sitzt mit angespanntem Gesicht am Pult in der ersten Reihe. Es ist das mutmassliche Vergewaltigungs-Opfer im Prozess gegen Jörg Kachelmann.

Eine riesige Überraschung heute Morgen am ersten Prozesstag: Zum ersten Mal seit der verhängnisvollen Nacht auf den 9. Februar treffen die Radiomoderatorin Petra S.(37)* und Jörg Kachelmann (52) wieder aufeinander. Sie sitzt als Nebenklägerin und mutmassliches Opfer neben ihrem Anwalt Thomas Franz. Kachelmann betritt nach ihr den Saal, als Angeklagter.

Der 52-jährige Wettermann trägt einen Anzug mit silbergrauen Krawatte. Die Haare sind kürzer als früher, er ist frisch rasiert. Der Angeklagte steht vor seinem Stuhl, macht eine ernste Miene. Kein Lächeln wie bei der Anklage-Erhebung im Mai. Dann nimmt er Platz neben seinem Anwalt Reinhard Birkenstock.

Petra wollte von Anfang an dabei sein

Petra ist nervös. Die blonde Frau versucht ihre Mimik unter Kontrolle zu halten, schaut in die Runde. Sie trägt einen eng geknüpften violetten Schal um den Hals, ein dunkles Jackett. Kameras sind auf sie gerichtet, vor dem Beginn der Verhandlungen hatten die Medien noch Zugang zum Gerichtssaal.

Angesetzt war ihre Befragung erst auf den 13. Oktober. Doch Petra S. hat mit dem Gerichtspräsidenten abgesprochen, dass sie dem Prozess von Anfang an beiwohnen kann. Auf eigenen Wunsch. Damit sie hört, was alles über sie geredet wird. Ein eher ungewöhnlicher Schritt. Dafür nahm sie in Kauf, ihrem angeblichen Peiniger schon jetzt entgegenzutreten.

Richter ist im gleichen Sportverein wie Vater des mutmasslichen Opfers

Lange mussten mutmassliches Opfer und Angeklagter sich nicht ertragen: auf Antrag der Verteidigung. Eine Begründung der Befangenheitsanträge wurde nicht genannt. Kachelmanns Verteidiger Reinhard Birkenstock sagte zum Inhalt seines 67-seitigen Ablehnungsgesuchs nur, dass die beiden von ihm angegriffenen Richter «Herrn Kachelmann gegenüber nicht völlig unbefangen» seien.

Er habe den Antrag auf der Geschäftsstelle abgegeben und nicht öffentlich in der Hauptverhandlung verlesen, weil es um die Sache gehe und nicht darum, «die Richterpersönlichkeiten dieser Kammer öffentlich herabzusetzen».

Laut der «SonntagsZeitung» ist der Vorsitzende Richter Michael Seidling Vizepräsident des Sportvereins TSV Oftersheim bei Heidelberg; der Vater des mutmasslichen Opfers leitete jahrelang den benachbarten Sportverein TV Schwetzingen. (bih)

*Name der Redaktion bekannt

play Im Gerichtssaal sass laut Medienberichten auch das mutmassliche Opfer Petra*. (Screenshot n-tv)

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