«Wie ein Schlachthaus» Erneut Spitäler in Aleppo bombardiert

ALEPPO - Die Lage in Aleppo ist prekär: Zwei Spitäler im Rebellengebiet der syrischen Stadt Aleppo haben nach Angriffen ihren Betrieb eingestellt, Verwundete können kaum noch versorgt werden. UNO-Chef Ban Ki Moon verurteilt die Bombardements als Kriegsverbrechen - und die USA drohen mit dem Abbruch der Syrien-Gespräche.

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Wieder werden in Aleppo gezielt Spitäler bombardiert play
Ein verwundetet Mann wird in Aleppo in ein Spital gebracht. Doch dort stehen kaum mehr Ärzte parat, um die Patienten zu betreuen. AP

Sollte Russland die Angriffe auf Aleppo nicht stoppen, werde die USA die Syrien-Gespräche abbrechen, drohte US-Aussenminister John Kerry in einem Telefonat seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow. Kerry unterstrich, dass die USA Russland für die Situation in Aleppo verantwortlich machen.

Die russische Seite hatte noch am Vormittag erklärt, man setze die Verhandlungen mit den USA fort. In Aleppo mischten sich Kämpfer der gemässigten Opposition mit terroristischen Gruppen, sagte Lawrow nach Moskauer Angaben. Russland unterstützt den syrischen Machthaber Baschar al-Assad, die USA die moderaten Rebellen im Land.

Die heftigsten Attacken auf Rebellen seit Beginn des Kriegs

Die Rebellengebiete im Osten Aleppos waren in den vergangenen Tagen den heftigsten Luftangriffen seit Beginn des Bürgerkriegs 2011 ausgesetzt. Mehr als 260 Menschen wurden bei den Bombardements getötet. Laut der UNO-Kinderhilfsorganisation UNICEF kamen allein seit Freitag mindestens 96 Kinder ums Leben.

Geflogen werden die Angriffe von syrischen und russischen Kampfjets. Syrien und Russland stufen die überwiegend islamistischen Aufständischen in Aleppo als Terroristen ein.

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Ein Bub konnte aus IS-Gebiete in eine Stadt in der Nähe von Aleppo flüchten. Doch auch dort wird die Situation immer prekärer. Reuters

Zwei Spitäler in den Rebellengebieten stellten nach Angriffen am Mittwoch den Betrieb ein. Mindestens eine der Notfallkliniken sei von einem Luftangriff getroffen worden, sagte Adham Sahlul, Sprecher der Syrisch-Amerikanischen Medizinischen Gesellschaft (Sams). Die Hilfsorganisation unterstützt die Spitäler. «Durch solche Angriffe werden Menschen zum Tode verurteilt«, erklärte Sahlul.

Spitäler überfüllt – kaum mehr Ärzte in Aleppo

Nach dem Bombenhagel sind die Spitäler im Osten Aleppos mit Verletzten überfüllt. UNICEF beklagte, das Gesundheitssystem stehe vor dem Zusammenbruch. Nur noch rund 30 Ärzte seien verblieben und so gut wie keine Ausrüstung oder Medizin. «Die Kinder in Aleppo sind in einem lebendigen Alptraum gefangen», sagte Vizechef Justin Forsyth.

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Weisshelme bringen in Aleppo Verletzte ins Spital. Doch dort können sie kaum mehr behandelt werden. AP

Die Rebellengebiete im Osten Aleppos sind wegen einer Blockade seit Wochen von der Aussenwelt abgeschnitten. Dort sind bis zu 300'000 Menschen eingeschlossen. Wegen der Blockade fehlt es ihnen akut an Nahrungsmitteln, Trinkwasser und medizinischer Versorgung.

Der Chef der syrischen Hilfsorganisation Weisshelme warnte vor dem völligen Zusammenbruch der Versorgung der Stadt. Die «zivilen Einrichtungen werden nicht in der Lage sein, noch länger als einen Monat die Versorgung sicherzustellen«, sagte Raed Saleh der Nachrichtenagentur AFP.

«Sogar ein Schlachthaus ist humaner»

»Wenn es so weitergeht, rechne ich mit einem Völkermord«, sagte Saleh. Die Menschen in Aleppo würden jede Gelegenheit zur Flucht nutzen, aber es gebe keinerlei sichere Zuflucht und keinerlei Schutz. Auch die Weisshelme, die sich aus der Bevölkerung rekrutierten und den zivilen Opfern im Krieg helfen, seien durch die Truppen von Präsident Baschar al-Assad tödlich bedroht.

Hilfsorganisationen werfen dem Regime und seinen Verbündeten vor, die Bombardierungen von Spitälern hätten sich zu einer Kriegstaktik entwickelt. Das humanitäre Völkerrecht verbietet derartige Taten, die als Kriegsverbrechen eingestuft werden.

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imago/Pacific Press Agency

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz forderten am Mittwoch von den Vereinten Nationen, solche Angriffe zu unterbinden - bisher habe der UNO-Sicherheitsrat dabei versagt.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Angriffe auf Spitäler als Kriegsverbrechen. «Stellen Sie sich ein Schlachthaus vor. Das hier ist schlimmer. Sogar ein Schlachthaus ist humaner», sagte Ban vor dem UNO-Sicherheitsrat in New York. «Diejenigen, die immer zerstörerische Waffen benutzen, wissen genau, was sie tun."

Publiziert am 28.09.2016 | Aktualisiert am 29.09.2016
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4 Kommentare
  • Ludwig  Chrösius aus Ort
    29.09.2016
    Gemässigte Rebellen. Ich kann es nicht mehr hören. Es sind Terroristen, aus und Amen. Da gibts keinen Unterschied. Im übrigen ist es normal dass bei einem Krieg auch Zivilisten umkommen. In Vietnam hat es doch nie solch ein Aufschrei gegeben wenn tausende Zivilisten im Napalm umkamen. Im Irakkrieg der unter Lügen von den Amis angezettelt wurde auch nie.
  • Klaus  Müller 28.09.2016
    Haben wir nur noch US-Medien? Liest man hier, dann scheint es, als ob nur Assad Kriegsverbrechen begehe. Dabei feuert der IS und seine Verbündeten aus allen Rohren zurück. Dank westlicher Hilfe geht auch die Munition nicht aus. Selbst die den Rebellen nahestehende Beobachtungsstelle für Menschenrechte sagt offen, dass die Regierungsseite seit Kriegsbeginn mehr Tote zu verzeichnen hatte. Aber scheinbar ist Assad der einzige Schlächter.
  • Peter  Müller aus Zürich
    28.09.2016
    Ja, was denn nun: Soll Aleppo schnell eingenommen werden oder nicht?
    Die Alternative ist, dass sich die russischen Truppen zurückziehen und der IS weiter vordringt.
  • Christian  Müller aus Tuggen
    28.09.2016
    Ist wirklich eine Schande das die Weltgemeinschaft hier einfach zuschaut. Jedoch sind auch die sogenannten Rebellen sehr fragwürdig. Sie können Assad militärisch nicht mehr bezwingen, diesen Krieg haben sie verloren. Wenn ihnen an der syrischen Bevölkerung was liegen würde, würden sie die Waffen niederlegen. Jedoch geht es ihnen wohl mehr um Märtyrertum als um die Befreiung Syriens.