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Während sich Politiker in den USA eine heftige Diskussion um die Gesundheitsreform liefern, werden die Medien im Lande nicht müde, das Schweizer Krankenkassen-Modell als mögliche Lösung anzupreisen. Artikel, Kolumnen und sogar Reportagen über die Schweiz belegen das rege Interesse.
So veröffentlichte zum Beispiel die «Los Angeles Times» auf ihrer Meinungsseite einen Beitrag von Ex-Bundesrätin und Gesundheitsministerin Ruth Dreyfuss. Diese erläuterte darin die Reform des Schweizer Gesundheitswesens. Es habe sich um eine spontane Einsendung gehandelt, hiess es beim renommierten Blatt auf Anfrage.
Auch die «New York Times» publizierte eine lange Reportage über das Schweizer Modell – der Journalist war dafür extra nach Zürich gereist. Die Zeitung führt folgende Vorteile an: allgemeine Abdeckung, private Versicherer, freie Kassen- und Arztwahl und ein Staat, der sich mit der Überwachung begnügt.
Letzten August widmete Nobelpreisträger Paul Krugman seine bekannte wöchentliche Kolumne dem Schweizer Gesundheitssystem. Obwohl Krugman bei der Reform in den USA eine staatliche Versicherung vorziehen würde, wäre für ihn das Schweizer Modell mit obligatorischer Grundversicherung bereits ein riesiger Fortschritt.
Und bereits in den Monaten zuvor war das Schweizer Beispiel in verschiedenen Medien diskutiert worden – meistens in einer bewundernden Art und Weise. Auch wenn sich die Beobachter bewusst sind, dass das Modell nicht einfach kopiert werden kann, so könnten die USA doch viel von der Schweiz lernen, heisst es.
Sogar der bekannte Moderator des konservativen Fernsehsenders Fox, Bill OReilly, sprach sich für das Schweizer Modell aus. Das führte zu einer regen Debatte in der Blogosphäre, vor allem auf dem progressiven Polit-Blog «Daily Kos».
Dort stellt man sich nun die Frage, ob «Swiss Made» als Referenz gelten kann, wenn sich sogar die Konservativen dafür einsetzen. In anderen nicht weniger seriösen Blogs wird das Schweizer Gesundheitssystem mitunter sogar als «das beste der Welt» gepriesen.
In der «Huffington Post», dem meistgelesenen Polit-Blog der USA, setzte sich auch Caitlin Kraft Buchman, die Präsidentin der Demokraten in der Schweiz und Mitglied der Direktion der Demokraten in den USA, für das Schweizer Modell ein.
Das Interesse in den USA für das Schweizer Gesundheitssystem sei nichts Neues, sagte Stephan Schmid, Verantwortlicher für das Dossier in der Schweizer Botschaft in Washington gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Seit einigen Monaten werde die Botschaft jedoch öfter zu dem Thema befragt.
Letzten August reiste eine Delegation des US-Kongresses in die Schweiz, um sich von Experten des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) persönlich informieren zu lassen. Auch der Chef des BAG, Thomas Zeltner, hatte Kontakte mit der US-Regierung. Anfang November wird er in Washington eine Konferenz zu diesem Thema abhalten.
Das politische und mediale Interesse an der Schweiz wird noch verstärkt durch die Tatsache, dass eine der heftigsten Kritikerinnen des aktuellen amerikanischen Gesundheitssystems, Harvard-Professorin Regina Herzlinger, das Schweizer Modell vertieft studiert hat.
Sie erklärt in ihrem Beststeller «Who killed Health Care?» und in diversen Artikeln, dass das Schweizer Gesundheitssystem ein «ausgezeichnetes Modell für die USA» wäre. (SDA)
Alt Bundesrätin und Ex-Gesundheitsministerin Ruth Dreifuss schreibt in der «Los Angeles Times» über die Reform des Schweizer Gesundheitssystems.