Weisses Haus beleidigt Berlusconi

  • Publiziert: 08.07.2008, Aktualisiert: 14.01.2012

TOYAKO/ROM – Hoppla! Da wird George W. Bush seinem Kollegen Silvio Berlusconi ein paar Flaschen Rotwein spendieren müssen – denn der wird vom Weissen Haus als «politischer Dilettant» bezeichnet.

Silvio Berlusconi sei ein «politischer Dilettant». Er vertrete ein Land, «das bekannt ist für Korruption und Lasterhaftigkeit». Ausserdem werde er von vielen in seinem Land gehasst. Das steht nicht etwa in einer anonymen Schmährede, sondern in der offiziellen Pressemappe, die die USA ihren mitreisenden Journalisten für den G8-Gipfel in Japan mitgegeben hat.

Italiens Gazetten laufen und drucken Sturm! Das sei der zweite Ausrutscher des Weissen Hauses in weniger als einem Monat, notierte die Turiner «La Stampa». Beim jüngsten Besuch Bushs in Rom hatte es in der Pressemappe geheissen, Italien Regierungschef sei noch Romano Prodi.

Sorry!

Das Weisse Haus entschuldigte sich reumütig. Die Sichtweise entspreche natürlich nicht «der Sichtweise von Präsident Bush» und sei ein «unglücklicher Fehler».

Die Biographie von Silvio Berlusconi, die die Journalisten als Vorbereitung lesen durften, enthielt noch einige andere pikante Details: So wird seine «Leidenschaft fürs Geld» beschrieben, die er schon als Kind entwickelt habe. Ebenfalls ausführlich wird Berlusconis Verwicklung in Korruptionsprozesse geschildert.

Nachlässigkeit des White House Press Office?

Was jetzt zum «diplomatischen Fall» zwischen Italien und den USA geführt habe, gehe vor allem auf Nachlässigkeit und Leichtfertigkeit eines Mitarbeiters des White House Press Office zurück, meinte der Mailänder «Corriere della Sera».

Denn der Text zu Berlusconis lasterhaftem Italien sei wortwörtlich der «Encyclopedia of World Biography» entnommen. Offen sei nur, ob der Verantwortliche gewusst habe, dass der Ton nicht in ein offizielles Dokument passte. (SDA/num)

play 2003 waren sie noch dicke Freunde: Berlusconi und Bush. (Keystone)

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