750-Mio.-Strafe Weil er einen Richter bestochen hat

  • Aktualisiert am 03.01.2012

ROM – Berlusconis Medienholding «Fininvest» wurde im Jahr 1991 die Kontrolle über das Mailänder Verlagshaus «Mondadori» zugesprochen. Jetzt urteilte ein Gericht: Der Richterspruch war «gekauft».

Ein neuer Fleck auf Berlusconis mittlerweile nicht mehr weisser Weste: Der italienische Richter Raimondo Mesiano hat Berlusconis Medienholdung «Fininvest» jetzt zu einer 750 Millionen Dollar Strafe (775 Millionen Franken) verurteilt. Grund: Bestechung eines Richters. Zu zahlen an die Holding seines Erz-Rivalen Carlo de Benedetti. Als Besitzer von «Fininvest» sei der italienische Ministerpräsident für die Bestechung mitverantwortlich, entschied der Richter.

Der Streitpunkt: Die Übernahme des Mailänder Verlagshauses «Mondadori». Die Bieter: Berlusconi und sein Erz-Feind Carlo de Benedetti, dem die wenigen regierungskritischen Zeitungen wie «La Repubblica» und «LEspresso» gehören.

Entscheidung machte ihn zum Medien-Mogul

Durch die Entscheidung im Jahre 1991 erhielt Berlusconi die Kontrolle über das Mailänder Verlagshaus «Mondadori» und so über eine Reihe von einflussreichen Zeitungen und Wochenmagazinen. Das damalige Urteil vergrösserte die Medienmacht des späteren italienischen Ministerpräsidenten immens.

Die Tochter Berlusconis, Marina Berlusconi, ist die Konzern-Chefin von «Fininvest». Sie kündigte sofortige Berufung gegen das zivilrechtliche Urteil an. Gleichzeitig will sie mit einer einstweiligen Verfügung verhindern, dass der Schadensersatz sofort zu zahlen ist. Das ist nach italienischem Recht so üblich.

Marina Berlusconi bezeichnete die Entscheidung als «zutiefst ungerecht». «Fininvest» habe sich immer «korrekt» verhalten. Für Carlo de Benedetti dagegen ist das Urteil schon lange fällig: «Fast 20 Jahre nachdem unser Konzern durch Betrug um die Kontrolle von «Mondadori» gebracht wurde, wird uns wenigstens zivilrechtlich Gerechtigkeit zuteil», erklärte er in seiner Zeitung «La Repubblica». Die Entscheidung von 1991 wird allerdings wegen Verjährung nicht rückgängig gemacht. (s5j)

Berlsuconi ist über das Urteil und die 750-Millionen-Strafe nicht besonders erquickt.- AP

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