Wegen Finanzkrise: Milliardär wirft sich vor Zug

  • Publiziert: 06.01.2009, Aktualisiert: 03.01.2012

ULM – Adolf Merckle war einer der reichsten Deutschen. Jetzt ist er tot. Seine Familie erklärte, die Finanzkrise hätte den Unternehmer gebrochen.

Gestern Abend, gegen 17.30 Uhr: Südwestlich von Ulm wird ein Mann von einem Zug erfasst. Ganz in der Nähe seines Wohnortes in Blaubeuren. Der 74-Jährige ist sofort tot. Und der Tote ist kein Unbekannter: Es handelt sich um den Grossindustriellen Adolf Merckle. Der Unternehmer hat Selbstmord begangen. Dies bestätigte seine Familie.

Durch Aktienspekulationen Milliardenverlust

Merckle, der fünftreichste Deutsche, war geschätzte 10 Milliarden Euro schwer. Doch dann verzockte er sich an der Börse und führte sein Imperium mit 100000 Mitarbeitern an den Rand des Zusammenbruchs. Durch Fehlspekulationen mit VW-Aktien verlor er fast eine Milliarde Euro. Fast zeitgleich vermieste die Finanz- und Börsenkrise Merckle die Geschäfte.

Er stand bei den Banken tief in der Kreide. Diese forderten zusätzliche Sicherheiten für hohe Kredite. Nach früheren Informationen aus Finanzkreisen beläuft sich der Finanzierungsbedarf auf 700 Millionen bis 1 Milliarde Euro. Weitere Quellen sprechen davon, dass auf Merckles Holding VEM mindestens Schulden in Höhe von drei bis fünf Milliarden Euro lasten.

Kurz vor dem tragischen Tod war bekannt geworden, dass der Firmenbesitzer einen Überbrückungskredit von 400 Millionen Euro erhalten sollte. Merckle hatte zudem erreicht, dass rund 30 Banken eine Kreditstundung für die nächsten Monate unterzeichneten. Und nach Gewährung des Überbrückungskredites sollte über die Schulden des Merckle-Firmenimperiums neu verhandelt werden und der 74-Jährige mehr Zeit erhalten, um sein Imperium zu sanieren.

«Er hat sein Leben beendet»

Doch dies alles scheint dem Unternehmer keinen Rückhalt mehr gegeben zu haben. Merckle hinterliess einen Abschiedsbrief. In einer Erklärung der Familie heisst es: «Die durch die Finanzkrise verursachte wirtschaftliche Notlage seiner Firmen und die damit verbundenen Unsicherheiten der letzten Wochen sowie die Ohnmacht, nicht mehr handeln zu können, haben den leidenschaftlichen Familienunternehmer gebrochen.» Und weiter schreiben die Angehörigen: «Er hat sein Leben beendet.»

Merckle besass verschiedene Firmen wie die HeidelbergCement, Generikahersteller Ratiopharm, Pharmahändler Phoenix und Pistenraupenhersteller Kässbohrer. Er hinterlässt eine Frau und vier Töchter. (SDA/spj)

play Er verkrafte seine finanzielle Notlage nicht: Adolf Merckle beging Selbstmord. (Keystone)

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