Energie-Krise in den USA Weg vom Öl?

  • Publiziert: 18.06.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Daniel Meier

Nach der Ölkrise in den 70er-Jahren wollten die USA ihren Verbrauch senken. Jetzt denken sie wieder darüber nach.

Das Oval Office im Weissen Haus. Nur nach aussergewöhnlichen Ereignissen richtet der Präsident von hier aus das Wort ans Volk. Kennedy während der Kuba-Krise, Nixon zum Rücktritt, Reagan nach dem Challenger-Unglück, Bush am 11. September.

Und jetzt Barack Obama (48) zur Ölpest im Golf von Mexico. 18 Minuten dauert seine erste Oval-Office-Rede. Erneut kritisiert er BP in aller Schärfe. Doch dann spricht er darüber, dass die Katastrophe einmal mehr aufzeigt, wie abhängig Amerika vom Öl ist. «Wir können es uns nicht leisten, die Art und Weise, wie wir Energie konsumieren und verbrauchen, nicht zu ändern.»

Carter dachte schon 1977 über Alternativen nach

Die Geschichte wiederholt sich. Vor fast genau 33 Jahren hielt Jimmy Carter (85) eine ähnliche Rede, ebenfalls im Oval Office. Als die Welt von einer Ölkrise zur nächsten schlidderte, spürten die USA, dass sie den Ölimporten aus dem Ausland ausgeliefert waren. Und deshalb dachte Carter schon 1977 über Alternativen nach.

Wer heute seine Rede nachliest, staunt. Der Demokrat hat vor über drei Jahrzehnten schon alles gesagt. Dass die Amerikaner zu viel Öl verbrauchen. Dass ihre Autos zu gross sind und die Häuser schlecht isoliert. Und: Carter forderte sein Land dazu auf, massiv in alternative Energien zu investieren!

«Amerika ist süchtig nach Öl»

Auf dem Weissen Haus wurde zwei Jahre später eine Solaranlage installiert (*). Doch Carters Nachfolger Ronald Reagan liess sie wieder abbauen. Zwar klagte auch Reagan über die Abhängigkeit. Genauso wie später Clinton, und sogar George W. Bush sagte: «Amerika ist süchtig nach Öl.» Deshalb wollte auch er den Verbrauch senken. Das war 2006, als man kurz daran glaubte, das Problem mit Ethanol lösen zu können.

Geändert hat sich über all die Jahre nichts. Die USA verbrauchen aktuell über 20 Millionen Fass Öl – jeden Tag. Das sind 3,2 Milliarden Liter. Beim Verbrauch pro Kopf sind sie mit grossem Abstand an der Spitze.

Es fehlt der politische Mut

Und Obama? Leitet er jetzt die Energiewende ein? Seine Rede im Oval Office war zu wenig konkret.Zum Beispiel hätte er vorschlagen können, dass die USA künftig einen Fünftel ihres Verbrauchs mit erneuerbaren Energien decken sollen. Schon Carter hat das gefordert – für das Jahr 2000!

Immerhin sagte Obama, man müsse jetzt «eine saubere Energiezukunft in Angriff nehmen». Und, wohl auch zu sich selber: «Seit Jahrzehnten fehlt uns der politische Mut, diese Herausforderung anzugehen.»

* Über Carters Solaranlage haben die Schweizer Künstler Christina Hemauer und Roman Keller den Doku-Film «A Road Not Taken» gedreht. Er läuft ab morgen in Kinos in Zürich und Luzern.

play Carter (Mitte) weiht 1979 eine Solaranlage auf den Weissen Haus ein. (ZVG)

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