91'000 geheime Dokumente auf WikiLeaks veröffentlicht Website fällt Kriegern in den Rücken

  • Publiziert: 26.07.2010, Aktualisiert: 03.01.2012

WASHINGTON – WikiLeaks ist auf Enthüllungen spezialisiert. Mit über 91'000 teils geheimen Dokumenten zum Afghanistan-Krieg greift die Website die USA und ihre Verbündeten an.

Die brisanten Dokumente aus dem Zeitraum von 2004 bis 2010 wurden WikiLeaks von unbekannter Seite zugespielt. Wikileaks-Gründer Julian Assange erklärte, das Material sei vor der Veröffentlichung daraufhin überprüft worden sei, ob durch Details Soldaten im Afghanistan-Einsatz oder deren Verbündete in Gefahr geraten könnten.

WikiLeaks gab das Material an die Medien weiter. Laut dem «Spiegel» zeichnen die Einsatzberichte und Dokumente aus dem US-Verteidigungsministerium aus unmittelbarer Sicht der Soldaten ein «ungefiltertes Bild des Krieges» – und ein düsteres von der Lage am Hindukusch. Gestern Abend stellte der «Spiegel» die Dokumente ins Internet, zeitgleich mit der «New York Times» und dem britischen «Guardian».

Es geht beispielsweise um Einsätze der Task Force 373, einer US-Eliteeinheit, die Top-Taliban gezielt ausschalten soll. Oder um Opfer unter Zivilisten. Weitere Themen: die Naivität der Deutschen, Pannen mit Drohnen, Probleme mit dem vermeintlichen Partner Pakistan oder die Schwächen der US-Geheimdienste.

Besser informiert als im Bundestag

Für den Norden Afghanistans gibt es zahlreiche «Threat Reports», Bedrohungsszenarien und konkrete Warnungen vor bevorstehenden Anschlägen. Aus den Meldungen gehe anschaulicher als aus den Informationen der Bundesregierung an den Bundestag hervor, dass die Sicherheitslage in der Region immer schlechter werde, berichtete der «Spiegel».

Die Dokumente offenbaren demnach auch, dass der pakistanische Geheimdienst der «vermutlich wichtigste ausserafghanische Helfer der Taliban» ist. Abgesandte des pakistanischen Geheimdienstes sind dem Bericht zufolge dabei, wenn sich Aufständische zum Kriegsrat treffen und sollen auch präzise Mordbefehle erteilen, etwa gegen den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai.

Washington verärgert

Das Weisse Haus reagierte verärgert auf die Enthüllungen. Diese könnten «das Leben der Amerikaner und ihrer Partner gefährden und unsere nationale Sicherheit bedrohen», sagte der Nationale Sicherheitsberater James Jones.

Der pakistanische Botschafter in den USA, Husain Haqqani, bezeichnete die Veröffentlichung der Geheimdokumente als «unverantwortlich», da sie nicht die «tatsächlichen Gegebenheiten» widerspiegelten.

Problematische Verbindungen

Die US-Regierung räumte ein, dass ihr die Verbindungen des pakistanischen Geheimdienstes zu Aufständischen seit geraumer Zeit «echte Sorgen» bereiten, was sie Pakistan auch mitgeteilt habe. Das Weisse Haus veröffentlichte als Beleg dafür mehrere Dokumente, unter anderem ein Schreiben von Verteidigungsminister Robert Gates vom 31. März 2009. (SDA/dip)

play Britische Soldaten machen sich bereit für den Sturm auf die Taliban-Hochburg in der Provinz Helmand. (Reuters)

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