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Gerade mal fünf feste Mitarbeiter beschäftigt die Nachrichtenseite WikiLeaks – und doch, so scheint es derzeit, haben diese Leute derzeit die US-Regierung und -Armee fest im Schwitzkasten.
Der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Robert Gibbs, sah sich nach der Veröffentlichung des Killer-Videos heute gezwungen, vor die Presse zu treten und eine Erklärung abzugeben. Er sprach von «einem schockierenden Video». Die Bilder des Angriffs, bei dem zwei Zivilisten, darunter zwei Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters, ums Leben kamen, seien sehr tragisch.
Wie das Video in die Hände der WikiLeaks-Betreiber gelangte, konnte auch Gibbs nicht beantworten. Die Furcht geht um bei den Verantwortlichen: Wie viel geheimes Material hat WikiLeaks noch in der Hinterhand?
Nach eigenen Angaben erhielten die Betreiber das Bagdader Bildmaterial von «mehreren Zuträgern aus dem Militär». Julian Assange, Sprecher und Mitgründer von Wikileaks, sagte in einem Interview mit dem Fernsehsender «Russia Today», dass es an der Echtheit der Dokumente «keinen Zweifel» gibt.
«Das Material ist verschlüsselt zu uns gelangt», sagte Assange. Ein Team von Kryptologen hätte daraufhin etwa drei Monate lang daran gearbeitet. Es sei darum gegangen, unter ein paar Millionen Passwörtern das richtige zu finden.
Schon seit der Gründung im Jahr 2006 sorgt WikiLeaks mit investigem Journalismus immer wieder für Aufsehen. Ziel ist es, verdeckt gehaltene Informationen über Staaten oder international agierende Firmen ans Tageslicht zu fördern.
So berichtete die Seite bereits von der illegalen Giftmüllentsorgung in Afrika, über geheime Protokolle aus dem Gefangenenlager in Guantanamo Bay, bis hin zu Nachrichten von Sarah Palins persönlichem E-Mail-Account. Alle Angestellten von WikiLeaks arbeiten nach eigenen Angaben ehrenamtlich.
Das US-Magazin «The Atlantic» ging sogar soweit, die Video-Aufnahmen als «schlimmstes Dokument von Missbrauch seit den Folterfotos aus dem Gefängnis Abu Ghraib» zu bescheiben. Die Vertuschung durch das amerikanische Verteidigungsministerium sei schlimmer als das Verbrechen selbst, schreibt es weiter und findet: «So sieht das US-Militär aus wie der nächste Saddam.»
Ein grösseres Lob kann es für die WikiLeak-Betreiber wohl kaum geben.