Twitter wirft Wiki-Hacker raus «Was die tun ist illegal»

LONDON - Voller Stolz prahlen selbst ernannte Wikileaks-Rächer mit ihren Angriffen auf Webseiten. Twitter und Facebook versuchen sie rauszuwerfen. Zu Recht, sagt Internet-Rechtsexperte David Rosenthal.

  • Publiziert: 10.12.2010, Aktualisiert: 13.01.2012
  • Von Christian Bischoff
play Treten immer in einer Maske aus dem Film «V für Vendetta» (Rache) auf: «Anonymous»-Aktivisten. (zvg)

Eigentlich sei es wie bei einem Online-Verkauf von AC/DC-Tickets, erklärte Postfinance-Sprecher Alex Josty am Dienstag die DoS-Attacke auf sein Unternehmen. Die Webseite war lahmgelegt, ebenso wie in der Folge diejenigen von Mastercard und Visa: Zu viele Aufrufe in kurzer Zeit brachten sie zum Erliegen.

Tönt einfach, ist aber trotzdem illegal, wie David Rosenthal (41), ETH-Dozent Informations- und Telekommunikationsrecht, gegenüber Blick.ch erklärt: «Solche Attacken sind nach Schweizer Recht verboten. Es gibt verschiedene Tatbestände wie Datenbeschädigung oder unlauterer Wettbewerb.»

Provider können gegen Hacker vorgehen

Ausserdem würden die Angriffe oft mit in fremden PCs eingepflanzten Wurmprogrammen ausgeführt, so Rosenthal. Was ebenfalls illegal sei. Hinter den DoS-Angriffen stecken lose organisierte Aktivisten aus aller Welt.

«Wir haben mit etwa 50 Nutzern angefangen», erklärte ein Sprecher der Gruppe. Jetzt sei die Gruppe auf über 4000 Internet-Cracks angewachsen.

Obwohl sie illegale Taten verübt, wird die «Anon»-Meute aber wohl davonkommen: Man werde sie kaum finden, sagt David Rosenthal. Provider können aber Konten sperren, wenn sie rausfinden, dass jemand gegen die Nutzungsbedingungen oder geltendes Recht verstösst.

Zensurieren Twitter und Facebook das Internet?

Zumindest die «Social Network»-Portale Twitter und Facebook haben jetzt reagiert: Sie sperrten die Accounts und Profile von «Anonymous»/«Operation Payback». Beide verwiesen auf ihre Nutzungsbedingungen, auf beiden wurden die Attacken organisiert und angekündigt.

«Zensur!», schrien zahlreiche Blogger und Internet-Benutzer sofort auf. Ausgerechnet die grössten und wichtigsten Verbreiter von Informnationen auf dem Netz klemmen ihre User ab. Für David Rosenthal zielt dieser Vorwurf allerdings daneben: «Zensur ist nicht per se negativ» sagt Rosenthal. «Es kommt darauf an, was gesperrt wird. Sind es Kinderpornos, ist die Sache klar. Ich verstehe aber auch, wenn Facebook eine Seite sperrt, auf welcher Leute zu Straftaten aufrufen. Wollen wir das?»

play David Rosenthal, Jurist und Dozent für Informations- und Telekommunikationsrecht. (zvg)

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