Libyen-Affäre Was bedeutet dieser Handschlag?

TRIPOLIS – Hannibal Gaddafi besucht die Schweizer Geisel Max Göldi im Gefängnis. Was bezweckt Libyen damit?

  • Publiziert: 02.03.2010, Aktualisiert: 19.01.2012
play Hannibal Gaddafi der Staatsmann (l.), Max Göldi, der kleine Schweizer. (Blick.ch)

Draussen vor der Schweizer Botschaft toben Demonstranten, drinnen im Gefängnis gibt sich Hannibal Gaddafi weltmännisch und – vor allem – gütig. Alles ist hergerichtet, perfekt inszeniert, als er Max Göldi in das Zimmer holen lässt.

Göldi, der Schweizer mit Bart, Brille und kariertem Hemd. Er tritt ein, wirkt klein neben dem Sohn von Muammar al-Gaddafi. Ganz anders kommt Hannibal daher. Blitzblanke Schuhe, sauberes Jackett, die Haare mit Gel nach hinten gekämmt, coole Sonnenbrille, ein gnädiges Lächeln auf den Lippen.

Was wurde Göldi vor dem Treffen von der libyschen Regierung befohlen? Bevor er seine Hand Hannibal zum Grusse reicht, wischt er sie an der Hose ab, sitzt später fast demütig mit gefalteten Händen auf dem Bänklein – als wäre er ein Sünder. Vor ihm ein Blumensträusschen, Mineralwasser in Pet-Flaschen steht bereit.

Und Hannibal versichert Göldi seine Solidarität, lässt ihn gar mit seiner Mutter in der Schweiz telefonieren, da diese just an jenem Tag Geburtstag hat.

Propaganda-Farce

Die Inszenierung von Libyen ist perfekt orchestriert. Drinnen lässt das libysche Regime Göldi sagen, wie «inakzeptabel» die Veröffentlichung der Polizeifotos von Hannibal gewesen sei und wie er sich über das Treffen mit Hannibal freue.

Draussen werden Demonstranten aufgeboten, vor der Schweizer Botschaft lautstark zu protestieren. Demonstrationen sind in Libyen verboten – es sei denn, das Regime will es so. Und erst letzte Woche rief Muammar al-Gaddafi den Dschihad gegen die Schweiz aus.

Was bezweckt Libyen mit der Propaganda-Farce? Libyen-Kenner Hasni Abidi zu «Le Matin»: «Alles ist orchestriert, sie machen weiter mit dem Heiss-Kalt-Spiel.» Dieser Ansicht ist auch Libyenexperte Erich Gysling: «Die Gaddafis wollen vor allem eins: Verwirrung und Unsicherheit stiften.»

Was kommt als nächstes?

Hasni Abidi warnt vor neuen Schachzügen des Regimes. «Sie sind sich bewusst, dass sie ihr Ziel nicht erreicht haben. Man muss noch weitere Züge erwarten.» Jean Ziegler ist gar beunruhigt über die neuste Entwicklung. Gegenüber «10vor10» sagt er: «Da zeichnet sich ein Machtkampf um die Nachfolge von Muammar al-Gaddafi ab.»

Darunter muss nun Max Göldi leiden. Sein Anwalt wird ein Begnadigungsgesuch einreichen, das vom Obersten Rat bewilligt werden muss. Wird das abgelehnt, kann Göldi ein Gesuch um Reduktion der Haftstrafe einreichen. (num)

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