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Vorher – nachher: Tarok Kalache ist nur noch Schutt und Staub. (zvg/Paula Broadwell)
Ein hübsches Bauern-Dorf mit weiss gestrichenen Häusern inmitten von gepflegten Hainen und Plantagen. Wenig später: Schutt und Asche, ein staubiger Platz in grauer Vegetation. Erkennen lassen sich einzig noch ein paar halbhohe Grundmauern.
Die von einem Militärfotografen aufgenommenen Bilder zeigen in aller Deutlichkeit, was mit dem kleinen Dorf im Arghandab-Tal in Kandahar passiert ist, nachdem es ins Visier der US-Armee geraten war – und diese ihren Job mit aller Gründlichkeit verrichtete.
War das nötig?
Doch warum hat die US-Armee Tarok Kolache pulverisiert? In einem Blog hat die Militär-Journalistin Paula Broadwell erklärt, was passiert ist: Die Taliban hätten die Dorfbewohner zuvor so lange verängstigt, bis viele von ihnen flüchteten.
Kurz danach nahmen die Islamisten dann die US-Armee von Tarok Kolache aus mit selbstgebastelten Bomben unter unablässigen Beschuss. Zwei Versuche der US-Streitkräfte, das Dorf mit konventionellen Mitteln zurückzuerobern scheiterten – es gab Tote auf beiden Seiten.
Dann hatte der Kommandant Lt. Col. David Flynn genug. Er bestellte am 8. Oktober letzten Jahres einen Kampfjet-Angriff, Raketenbeschuss – einfach alles, was er aufbieten konnte. Insgesamt seien, so Broadwell, 25 Tonnen Bomben und Raketen über dem Flecken niedergeprasselt. «Ohne Verluste in der Zivilbevölkerung», wie die US-Armee behauptet.
Wiederaufbau geplant
Laut Broadwell hat die USA bereits eine Million Dollar bereitgestellt, um das Dorf wieder aufzubauen. Sogar die Armee-Einheit, welche das Dorf zerstörte, soll wieder am Aufbau beteiligt sein.
Die Bilder von Tarok Kolache zeigen aber noch mehr als die Gewalt, welche die mächtigste Armee der Welt in kurzer Zeit entfesseln kann: Sie zeigen gemäss verschiedenen Kommentoren in US-Medien auch, warum der Krieg in Afghanistan für die USA fast unmöglich zu gewinnen ist.
Wie soll man das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen, wenn man ihre Dörfer dem Erdboden gleichmacht? Woher will die Armee wissen, dass bei der Aktion keine Zivilisten getötet wurden, wenn nur noch Asche vom Dorf übrigblieb? Und wie will die Armee in ihrem Kampf vorwärtskommen, wenn sie Geld und Kampfkraft für den Wiederaufbau eines Dorfes aufwenden muss, dass sie kurz zuvor platt gemacht hatte?