Warum sich Russland nicht gegen Obamas Diplomaten-Rausschmiss wehrt «Putin will es sich mit Trump nicht verscherzen»

WASHINGTON (USA) - Nach dem überraschend harten Schlag der USA gegen Russland als Reaktion auf die Hackerangriffe im US-Wahlkampf gibt sich Putin ausgesprochen milde. Daniel Hamilton, ehemaliger US-Diplomat und Polit-Experte, erklärt die Taktik dahinter.

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Daniel Hamilton (61) hat eine Professur der österreichischen Marshallplan-Jubiläumsstiftung am Zentrum für transatlantische Beziehungen der Uni John Hopkins in Washington. Er arbeitete in verschiedenen Positionen im US-Aussenministerium und war als politischer Berater des US-Botschafters in Deutschland tätig. play
Daniel Hamilton (61) hat eine Professur der österreichischen Marshallplan-Jubiläumsstiftung am Zentrum für transatlantische Beziehungen der Uni John Hopkins in Washington. Er arbeitete in verschiedenen Positionen im US-Aussenministerium und war als politischer Berater des US-Botschafters in Deutschland tätig. ZVG

Das Dementi kam vom russischen Präsidenten höchstpersönlich. Russland werde als Reaktion auf die von den USA verhängten Sanktionen vorerst keine US-Diplomaten des Landes verweisen, liess Wladimir Putin (64) gestern Nachmittag verlauten. Zuvor hatte Aussenminister Sergej Lawrow (66) angekündigt, ebenfalls 35 Diplomaten die Aufenthaltserlaubnis zu entziehen. Ganz nach dem Motto: Wie du mir, so ich dir.  

Ein taktisches Tauziehen, mit dem laut Daniel Hamilton (61), Direktor des Zentrums für transatlantische Beziehungen der John-Hopkins-Universität in Washington, zu rechnen war. «Putin will es sich mit den USA keinesfalls verscherzen», sagt der ehemalige US-Diplomat zu BLICK. Denn am 20. Januar wird mit Donald Trump (70) ein Hoffnungsträger Russlands zum US-Präsidenten. Er könnte den «Executive Order» Obamas dann im Alleingang wieder aufheben – eine Option nach russischem Geschmack.

Der künftige US-Präsident Donald Trump hat Putin nach dem Verzicht auf Gegensanktionen überschwänglich gelobt. Das sei ein grossartiger Zug, schrieb der Republikaner auf Twitter: «Ich wusste schon immer, dass er sehr schlau ist.»

Russische Botschaft spottet via Twitter

Russland reagiert lieber mit Spott statt Sanktionen auf den Entscheid Obamas. Die russische Botschaft in London twitterte, das Handeln der «lahmen Ente» wecke Erinnerungen an den Kalten Krieg. Man freue sich darauf, die letzten Schritte der «unglückseligen Administration» mitzuverfolgen. Bei den überraschend verhängten Sanktionen und angeordneten Ausweisungen von russischen Diplomaten handelte es sich um eine Antwort Obamas auf die Erkenntnisse der US-Geheimdienste, dass Russland hinter den Hackerangriffen im US-Wahlkampf steckt, die Trump mit zum Sieg verholfen haben dürften.

 

Putin gibt sich zurückhaltend – um Trump keine Steine in den Weg zu legen.  play
Putin gibt sich zurückhaltend – um Trump keine Steine in den Weg zu legen.  AP

Hinter der Aktion Obamas stecke denn auch eine «doppelte Botschaft», ist US-Hamilton überzeugt – an Russland, aber insbesondere auch in Richtung des umstrittenen Obama-Nachfolgers: «Trump steht in Sachen Beziehungen zu Russland derzeit ziemlich isoliert da.» So stellt sich der Kongress mehrheitlich hinter Obamas rigoroser Russland-Politik, prominente Republikaner eingeschlossen. 

Trump muss zittern

Kaum im Amt, wird Donald Trumps Support durch die Republikanische Partei im US-Kongress weiter auf die Probe gestellt werden. Es stehen mehrere richtungsweisende Entscheidungen an, die die US-amerikanischen Beziehungen zu Putin betreffen, darunter die weitere Sanktionspolitik im Hinblick auf die Ukraine-Krise und die Anhörung des Exxon-Mobile-Chefs und engen Putin-Freundes Rex Tillerson. Dessen Bestätigung als US-Aussenminister durch den Senat sei alles andere als sicher, meint Hamilton. Womit Trump eine erste Schmach bereits vor seinem offiziellen Amtsantritt droht.  

Publiziert am 31.12.2016 | Aktualisiert am 12.01.2017
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Russlands Präsident Putin gestern im Gespräch mit Aussenminister Sergej Lawrow und Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Dukas

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  • Dieter  Sprenger 01.01.2017
    Dass Russland für die Hackerangriffe angeblich verantwortlich sei, ist kein Zufall dient vielmehr nur als Grund D. Trump vor seinem Amtsantritt noch möglichst viele faule Eier in den Weg zu legen ! Selbst wenn es so wäre dass die Hackerangriffe von staatlichen russischen Stellen stammten, beeinflussten diese das US Wahlergebniss nicht. Zudem fanden von Seiten der USA auch Hackerangriffe gegen den Iran statt. Seltsamerweise wurde diese Vorgehensweise in den Medien als Notwendigkeit dargestellt .
  • Daniel  Leuenberger aus Chisinau
    31.12.2016
    So leid es mir tut, aber Obama hat komplett seine Klasse verloren und wirkt extrem arrogant. Hillary war bis zu den Knochen faul und wer auch immer ihre Emails geklaut hat (und ich glaube nicht, dass es die Russen waren...) war sie doch selbst schuld. Sie betrieb illegal einen privaten Email Server. Und statt sich um die Inhalte der Emails zu interessieren (da steht eine Menge Dreck drin), wird mit der erfundenen Hackergeschichte abgelenkt.
  • Boris  Kerzenmacher 31.12.2016
    B. Obama führt mit dieser Aktion eigentlich nur D. Trump vor. Hat dieser doch im Wahlkampf die russischen Hacker in seinen Tweets direkt aufgefordert, sich H. Clinton vorzuknöpfen. Doch B. Obama sitzt am kürzeren Hebel. Und er wird es bald zu spüren bekommen. Der Last-Minute-Aktionismus wird keine nachhaltigen Auswirkungen haben. Diese öVorführung wird D. Trump zum Anlass nehmen, B. Obamas historische Bedeutung für die USA komplett zu revidieren.
  • Beat  Schenker aus Lugano
    31.12.2016
    @Johannes von Manesse-Manegg hoffe Sie wissen zumindest das es ISIS noch gar nicht gab als der Krieg begann?

    Bin immer wieder Überrascht wie viele Putin Freunde wir haben (Russland Freund bin ich zwar schon) dann werden Sie sich sicherlich darauf Freuen wenn Freiwillige unsere Türen eintretten wie andern Orts geschehen.
    Was Trump dazu sagen würde? Gar nichts ein lukratives Geschäft geht eben vor.
    • Silvio  Valentino aus Winterthur
      31.12.2016
      Nein, die IS ist über Nacht entstanden, und die Waffen haben sie auf dem Bazar gekauft ... wie kann man heutzutage noch so uninformiert sein und trotzdem seinen Kommentar abgeben wollen. Diese Truppen gabs schon vorher, von USA und Vasallen aufgebaut, ausgebildet, ausgerüstet, trainiert und eingesetzt. Von Afghanistan bis Mali werden so USA (und westliche) Interessen geschützt. Al Qaida, Al Nusra usw.: eine neue Bezeichnung und es kann losgehen mit der Destabilisierung der nächsten Region.
  • Meyer  Roman aus Aarau
    31.12.2016
    Bravo Herr Präsident Putin.

    Was sich da im den USA abspielt kann man nicht erst nehmen.
    Obama ist ein ganz schlechter Präsident.

    Leider wird er viele Schulden hinterlassen, Krieg auf der Welt, Europa wieder mit dem Kalten Krieg, Schwarz und Weiss mögen sich auch nicht mehr in den USA usw.

    Wir sind sehr froh kommt jetzt Präsident Trump und mit Präsident Putin wieder normale Verhältnisse will,
    für uns in Europa kann das nur recht sein.