«Mauerspecht» oder Lügner War Sarkozy am 9. November gar nicht in Berlin?

  • Publiziert: 09.11.2009, Aktualisiert: 02.01.2012
play Der Eintrag auf der Facebook-Seite des französichen Präsidenten. Er will live dabei gewesen sein, an dem Tag, der die Welt veränderte. (facebook)

BERLIN – Ein junger Sarkozy steht an der Berliner Mauer und hämmert auf den Beton ein. 20 Jahre danach stellt er dieses auf Facebook. Doch war er wirklich an diesem geschichtsträchtigen Datum in Berlin?

Heute ist der 20. Jahrestag des Mauerfalls – und alle erinnern sich. Es gibt fast keinen, der nicht mehr weiss, wo er an diesem geschichtsträchtigen Tag war. Auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy will es noch ganz genau wissen – nämlich direkt am Ort des Geschehens.

Und ein Foto, dass er heute auf seine Facebook-Seite gestellt hat, solls beweisen. Es zeigt einen jungen Sarkozy, der mit Hammer und Meissel bewaffnet auf die Berliner Mauer eindrischt. Neben ihm sein Parteifreund Alain Juppé. Doch ist dieses Foto wirklich am 9. Nevember entstanden? Zweifel kommen auf.

Verdacht der Geschichtsklitterei

Dies sei lediglich von der PR-Abteilung des Präsidenten so hingebogen worden, bloggt die Zeitung «Libération». Tatsächlich sei Sarkozy erst später in Berlin gewesen.

Am 9. November 1989 sei er wie jedes Jahr bei einer Gedenkfeier zum Todestag von General de Gaulle gewesen. Der Élysée Palast konnte heute mehrere widersprüchliche Informationen nicht ausräumen, hält aber an der Version fest, dass Sarkozy am Tag des Mauerfalls in Berlin gewesen sei.

Sarkozy hält an seiner Version fest

Er sei gemeinsam mit seinem Parteifreund Alain Juppé am 9. November nach Berlin gereist, «um bei dem Ereignis dabeizusein, das sich ankündigte.» Doch wie konnte Sarkozy davon wissen?

Das der SED-Mann Günter Schabowski auf der entscheidungsträchtigen Pressekonferenz am 9. November die Lockerung der Ausreiseregelungen verlas – und der Journalist Riccardo Ehrmann um 18:57 Uhr dann die bedeutende Frage stellte: «ab wann gilt das?», worauf die stockende Antwort «sofort, unverzüglich» lautete (Blick.ch berichtete), war nicht abzushehen.

In diesem Moment fiel die Mauer. Tausende Menschen pilgerten spontan zu den Grenzübergängen – und ein paar Stunden später war der Eiserne Vohang Geschichte.

«Wir sind dann zum Checkpoint Charlie gezogen, um auf die Ostseite der Stadt zu wechseln und endlich diese Mauer zu sehen, auf die wir einige Pickelhiebe geben konnten. Um uns versammelten sich Familien, um gegen den Beton zu schlagen», schreibt Sarkozy weiter auf seiner Facebook-Seite.

Sakozys Begleiter sprach von anderen Daten

In einem Interview sagte Juppé kürzlich, dass er «am 10. oder 11. November» nach Berlin gereist sei. In seiner Biografie heisst es dagegen, es sei erst der 16. November gewesen.

Auf seinem Blog betont Alain Juppé jetzt aber, er sei doch mit Sarkozy am historischen 9. November in Berlin gewesen. Auf die Frage, welches Datum denn nun stimme, sagte sein Sprecher: «Eines davon.»

Menschen sind erzürnt

Auf Sarkozys Facebook-Profil mehren sich unterdessen bissige Kommentare. «Lügner», schimpft einer. «Was fällt Ihnen ein, die Geschichte umzuschreiben?», meint ein anderer.

Vertreter der Schweiz nicht eingeladen

Heute, zum 20. Jubiläum des Mauerfalls, ist Sarkozy in Berlin live dabei. Ob zum ersten oder zum zweiten Mal sei dahin gestellt.

Sowie viele seiner Politkollegen ebenfalls: Eingeladen sind US-Aussenministerin Hillary Clinton, der russische Präsident Dmitrij Medwedew, der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow und zahlreiche europäische Staats- und Regierungschefs. Vertreter der Schweiz wurden nicht nach Berlin gebeten.

Aber auch eine der wichtigsten Person, wenn es um die Wiedervereinigung geht, fehlt. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (79) wird an den heutigen Feierlichkeiten aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen können. (s5j)

play 9. November 1989 – der Tag an dem Deutschland wieder eins wurde. (Keystone)

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