Vierfachmord in Annecy War Saddams Geld im Spiel?

GENF - Der Vater des massakrierten Saad al-Hilli hortete offenbar Geld des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein. Auch auf einer Schweizer Bank.

  • Publiziert: 29.10.2012

Neuer Verdacht im mysteriösen Vierfachmord in Annecy. Der deutsche Geheimdienst BND fand heraus, dass der Vater des getöteten Saad al-Hilli (†50), Kadhim al-Hilli, enge Beziehungen zu der Baath-Partei vom irakischen Ex-Diktator Saddam Hussein pflegte.

Ein Teil von Saddams Millionenvermögen soll auf den Konten des 2010 verstorbenen Kadhims liegen – auch in der Schweiz. Auf einem Bankkonto in Genf hinterliess Kadhim seinen Söhnen umgerechnet 1,2 Millionen Franken, wie «Daily Mail» berichtet.

Mit abgelaufener Kreditkarte versucht, in Genf Geld abzuheben

Bislang hielt sich der Verdacht hartnäckig, dass das Motiv für die Morde der Erbstreit zwischen Saad und seinem Bruder Zaid (53) war. Zaid dementiert das allerdings.

Brisant: Kurz vor dem Massaker versuchte jemand, mit einer abgelaufenen Schweizer Kreditkarte Geld vom Genfer Bankkonto zu holen.

Die französischen Ermittler glauben, dass Zaid diesen Versuch unternahm. Denn er hatte laut «bild.de» keinen Zugriff auf das Genfer Konto – Saad hingegen schon.

Stritt sich Kadhim mit Saddam oder half er ihm?

2003 begann Saddam Hussein, insgesamt 620 Millionen britische Pfund seines Vermögens ins Ausland auszulagern. Regimetreue Exil-Iraker verwalteten das Geld auf ihren Konten. Auch Kadhim al-Hilli? Die Ermittler schätzen, dass er seinen Söhnen insgesamt vier Millionen Pfund hinterliess.

Der frühere Fabrikeigentümer verliess den Irak angeblich 1971. Er soll sich mit Husseins Baath-Partei zerstritten haben und flüchtete nach London.

Eine andere Theorie besagt jetzt, dass Kadhim in London weiterhin für das irakische Regime arbeitete und dort einen Teil von Husseins Vermögen verwaltete.

Tatablauf rekonstruiert: Al-Hilli hat Velofahrer angefahren

In einem Untersuchungsbericht wurde ein Tatablauf des verhängnisvollen 5. Septembers präsentiert, wie «Le Monde» berichtet. Zuerst habe der Killer auf den Velofahrer Sylvain Mollier, Saad al-Hilli und dessen Tochter Zainab geschossen, die zusammen auf einem Waldweg standen.

Daraufhin habe Saad seine Tochter an der Hand ins Auto gerissen. Er habe in diesem Moment eine Kugel in den unteren Rückenbereich bekommen. Den Reifenspuren auf dem Parkplatz zufolge wendete Saad sein Auto um zu fliehen.

Dabei habe er Mollier angefahren und kurz darauf die Bodenhaftung verloren. Laut Bericht rutschte er in den Wald und blieb dort stecken. Danach war es dem Mörder wohl ein Einfaches, al-Hilli sowie die auf der Rückbank sitzende Ehefrau und die Schwiegermutter mit je zwei Kopfschüssen zu töten. Anschliessend habe er auch Mollier getötet.

Zainab hatte viel Glück

Aussagen der überlebenden Tochter Zainab waren eine wichtige Stütze für den Bericht. Dass sie überhaupt noch lebt, grenzt an ein Wunder. Sie ist wohl nur am Leben geblieben, weil der Schütze seine gesamte Munition verballert hatte. Darum habe er ihr mit der Waffe auf den Kopf geschlagen.

Dank den dabei abgesplitterten Waffenteilen gelang es den Ermittlern, die Tatwaffe, eine P06 Luger, zu rekonstruieren.

Das Spezielle an dieser Tatwaffe: Sie stammt aus der Schweiz. In den 1920er- und 30er-Jahren diente sie als Schweizer Armeewaffe. Heute ist sie ein Sammlerobjekt. In der Grenzregion Schweiz-Frankreich gibt Schätzungen der Gendarmerie zufolge mehrere mögliche Besitzer einer solchen Waffe. (whk)

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