Al-Ahly-Ultras stürzten vor einem Jahr Mubarak War das die Rache für die Revolution?

KAIRO - Ultras von al-Ahly demonstrierten vor einem Jahr an vorderster Front gegen Hosni Mubarak. Steckt hinter dem Blutbad ein Racheakt des gestürzten Regimes?

  • Publiziert: 02.02.2012

Es war auf den Tag genau vor einem Jahr, als am 2. Februar 2011 Schergen des Mubarak-Regimes auf Kamelen den Tahrir-Platz in Kairo stürmten. Als der Aufstand der ägyptischen Massen blutig wurde, waren es Ultras, welche mit Steinen und Barrikaden die Demonstranten vor Mubaraks Schlägern schützte.

Wenige Tage später, am 11. Februar, hatte die Revolution den Sieg errungen. Anhängern des gestürzten Regimes haben sich diese Tage als Schande ins Gedächtnis gebrannt.

Warum sahen Sicherheitskräfte tatenlos zu?

«Al-Ahly Ultras waren mit die aktivsten und lautesten Revolutionäre», schreibt «Al-Dschasira»-Reporterin Dima Khatip in ihrem Blog. «Jetzt sind viele Ultras tot. Überraschender weise – oder auch nicht – jene von al-Ahly.» Wie sie fragen sich heute viele in Ägypten, ob das Blutbad von Port Said nicht etwa politisch motiviert war.

Auf Youtube machen Videos die Runde, die zeigen, wie Sicherheitskräfte tatenlos zusehen, als  der Fussballplatz gestürmt wird. Auf dem Feld wurde regelrecht Jagd auf Fans von al-Ahly gemacht. Als die Fans das Stadion verlassen wollten, standen sie vor verschlossenen Tore. Dort sollen laut dem «Guardian» die meisten Menschen ums Leben gekommen sein.

Militärrat in der Kritik

Was sich da abspielte sei «ein Krieg gewesen, der geplant worden ist», meinte später ein Mannschaftsarzt im Klub-TV von al-Ahly. Im ägyptischen Staats-TV machte ein Parlamentarier der Muslimbruderschaft direkt die militärische Führung des Landes für die Tragödie verantwortlich: «Die Männer Mubaraks regieren immer noch. Der Kopf des Regimes ist gefallen, aber alle seine Männer sind noch in ihren Ämtern.»

Der regierende Militärrat, so der Vorwurf, habe kein Interesse an den Zielen der Revolution und wolle den Prozess der Demokratisierungen abbremsen. «Heute Abend hat jemand Rache an der Revolution geübt», wird ein ägyptischer Journalist bei «Spiegel.de» zitiert. Er macht indirekt den Militärrat für die Tragödie verantwortlich.

«Nieder mit der Macht des Militärs», schrien gestern die Massen, als der Sonderzug aus Port Said in Kairo einfuhr. Dann marschierten sie gemeinsam mit den zurückgekehrten Ultras Richtung Tahrir-Platz. Dem Ort, wo die Ägypter bereits vor einem Jahr für Demokratie und Freiheit kämpften.(rrt)

Kommentare (24)

  • Alfred  Meier , Binningen
    Verbietet diesen Idiotensport und löst die Verbände, die eh nur das Geld interessiert, auf!! Was in letzter Zeit alles durch dieses "Bällelen" passierte, ist nicht mehr zu verantworten!
    • 02.02.2012
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  • Emmanuel  Mindanao
    solche politischen Ausschreitungen wirds immer mehr geben auf dieser Welt solange die Reichen immer mehr für sich beanspruchen und der Anteil der "Armen" immer weiter wächst. Das hat nichts mit Fussball zu tun. Das ist Dampf der die Gesellschaft irgendwie ablassen muss. Vorboten eines Bürgerkrieges. Wenn das Elend sich genügend gestaut hat und man nicht mehr viel zu verlieren hat wird der Mensch zur Bestie. Auch die Reichen in der Schweiz werden in Zukunft vermehrt den Zorn des Volkes zu spüren bekommen. Die Frage ist nur wann es uns aushängt.
    • 02.02.2012
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  • Fritz  Bergdorfer
    Bin kein Fussballfan und schaue das auch nie. Ich verstehe aber diese "Fans" nicht, was soll denn das Ganze? Da geht es doch nur noch drum Kravall zu machen. Würde Fussball abgeschafft würde das Pack sich anderswo austoben. Traurig für den ansich interessanten Sport Fussball, aber viel trauriger für das gehirnlose Pack dem es nur um Kravall geht, das sowas in unserer Gesellschaft lebt. Sucht euch einen Job und tut was für die Gesellschaft.
    • 02.02.2012
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  • peter  bauscher , schweiz
    Also für mich sieht das eher für einen politisch motivierten ausbruch der gewalt aus..
    • 02.02.2012
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  • Ramon  Palau
    Herr Keller, die tragischen Ausschreitungen in diesem Bericht sind wohl kaum des selben Ursprungs wie diese in der Schweiz und somit nicht zu vergleichen. In Ägypten ist wohl die Rivalität und der Hass auch noch politisch getrieben. Was in der Schweiz wohl eher nicht der Fall ist. Also vergleichen Sie nicht Äpfel mit Birnen
    • 02.02.2012
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