Waffenruhe «nur» neun mal gebrochen: Die Waffen schweigen in Syrien tatsächlich

Die internationale Taskforce zieht eine positive Zwischenbilanz zur Waffenruhe in Syrien. Doch die Erfolgsmeldung ist mit Vorsicht zu geniessen.

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Eine Syrische Flagge weht heute friedlich über Damaskus. AP
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Seit Freitagnacht, Punkt Mitternacht (Ortszeit), ist in Syrien die von den USA und Russland ausgehandelte zweiwöchige Feuerpause in Kraft – und bislang scheinen die Waffen tatsächlich in weiten Teilen des Landes zu schweigen. In den vergangenen 24 Stunden sei die Waffenruhe neun Mal gebrochen worden, teilte das russische Koordinationszentrum in Syrien mit, das die Feuerpause überwacht.  

Zuvor hatten sich bereits die Aussenminister Russlands und der USA, Sergej Lawrow und John Kerry, erfreut über die Waffenruhe gezeigt. Die internationale Taskforce unter Vorsitz der USA und Russlands zog eine positive Zwischenbilanz zu der Feuerpause.

Die Feuerpause ist von den USA und Russland vermittelt worden. Sie gilt nur für die Regierungstruppen und knapp hundert gemässigte und islamistische Rebellengruppen, nicht aber für die Terrorgruppen Islamischer Staat (IS) und Al-Nusra-Front. Diese Milizen kontrollieren zusammen allerdings mehr als die Hälfte des Staatsgebiets, wobei nicht immer eindeutig ist, welcher Ort in der Hand welcher Gruppe ist.

Kampfjets über Dörfern bei Aleppo

Doch die weitgehende Waffenruhe ist mit Vorsicht zu geniessen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldet, dass Kampfjets heute sechs Dörfer im Norden Aleppos angegriffen hätten. Rebellen zufolge handelte es sich um russische Maschinen, was die Beobachtungsstelle allerdings weder bestätigen noch dementieren konnte. Es sei zudem unklar, ob es sich um einen Bruch der Waffenruhe halte, weil nicht klar sei, ob diese für die betroffenen Dörfer gelte.

Weitere Angriffe wurden laut der Beobachtungsstelle, die sich auf Informationen eines Netzwerks von Aktivisten im Land beruft, auf Dörfer und Städte im Westen der Provinz Aleppo geflogen. Sie befänden sich unter Kontrolle der Freien Syrischen Armee, einem Verbund von Rebellengruppen, der von den USA unterstützt wird. 

Die Vereinigten Staaten werfen Russland vor, in den vergangenen Wochen ganz gezielt Angriffe gegen gemässigte Rebellen geführt zu haben. Dass Moskau die Attacken mit Beginn der Waffenruhe vollständig einstellt, war stets angezweifelt worden.

Waffenruhe gar 15 Mal gebrochen?

In verschiedenen Fällen ist die Waffenruhe tatsächlich gebrochen worden – das russische Zentrum für die Versöhnung der Konfliktparteien spricht von neun Vorfällen.

Je nach Lager gehen die Beobachter allerdings von anderen Zahlen aus. Das Hohe Verhandlungskomitee, in dem syrische Oppositions- und Rebellengruppen zusammengeschlossen sind, erklärte etwa, die Regierungstruppen und ihre Verbündeten hätten die Waffenruhe am Samstag 15 Mal verletzt. Der Sprecher Salem al-Meslet sagte, das Bündnis werde einen Beschwerdebrief an die Vereinten Nationen und die internationale Syrien-Unterstützergruppe schreiben.

Auch Saudi-Arabiens Aussenminister Adel al-Dschubeir warf der russischen Luftwaffe und den syrischen Regierungstruppen eine Verletzung der Waffenruhe vor. Russland greife die «moderate Opposition» unter dem Vorwand an, dass es sich um die Al-Nusra-Front oder den IS handle. (lha/SDA)

Publiziert am 28.02.2016 | Aktualisiert am 28.02.2016
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Hoffnung für Syrien Die Waffenruhe hält!

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1 Kommentare
  • Thomas  Zürcher 28.02.2016
    Die Feuerpause gibt einen kleinen Funken Hoffnung. Im Interesse der Menschen wäre es wichtig, wenn dadurch eine politisch-diplomatische Lösung auf den Weg gebracht werden könnte. Insofern stehen nicht nur Russland, sondern auch die USA mit der Türkei und Saudi-Arabien in einer besonderen Verantwortung und Verpflichtung.Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen ob der Frieden in Syrien eine Chance hat.