Ich habe nun gelernt, so unmissverständlich wie möglich zu formulieren, wenn es um die Schweiz geht.» (Peer Steinbrück, 65) Seit gestern ist offiziell, was das Magazin «Cicero» schon vor einigen Tagen exklusiv meldete: Die deutschen Sozialdemokraten wollen in genau einem Jahr die bürgerliche Merkel-Regierung mit einem Kanzlerkandidaten stürzen, der vor allem Finanzpolitiker ist und einen Lieblingsfeind hat – die Schweiz!

Was bedeutet die Nomina­tion Steinbrücks für die Schweiz? Das umstrittene Steuerabkommen ist faktisch tot. Erst vergangene Woche hat Steinbrück im Hotel Dolder Grand in Zürich vor Gästen aus der Finanzwelt noch einmal klar gemacht, dass die SPD das Abkommen in der Länderkammer, dem Bunderat, scheitern lässt.

Steinbrück hatte die Schweizer im Streit um Schwarzgelder 2009 als Indianer bezeichnet und gedroht: «Die von der OECD erarbeitete schwarze Liste mit Steueroasen ist die siebte Kavallerie von Yuma, die man auch ausreiten lassen kann.»

Klar ist: Würde Steinbrück Kanzler, würde er den Druck auf die Schweiz in Sachen Schwarzgeld erhöhen – wie die Amerikaner. «Die USA erhalten mehr», sagte Steinbrück letzte Woche im Dolder. Und er will mehr, mehr als die Abgeltungssteuer mit Anonymität für die Bankkunden. Der Druck auf die Schweiz, hatte Steinbrück vor Bankern wie Ex-UBS-Chef Oswald Grübel orakelt, werde so lange anhalten, bis sie nachgebe. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Steinbrück künftig den Ankauf von geklauten Daten-CDs von Schweizer Banken ablehnt.

Steinbrück will dieGrossbanken zerschlagen, Investment-  und normales Einlagengeschäft trennen. Ausserdem sollen die Banken einen Rettungsschirm ausschliesslich aus eigenen Mitteln finanzieren.

Kann Steinbrück überhaupt Kanzler werden? Durchaus, aktuell liegen CDU-FDP und Rot-Grün in Umfragen praktisch gleichauf. Da sind aber auch noch die Linke und die Piraten, beide im Moment über der Fünf-Prozent-Hürde. Eine Fortsetzung der bürgerlichen Regierung unter Kanzlerin Merkel scheint fast ausgeschlossen.

Eine Neuauflage der Gros­sen Koalition mit der SPD als Juniorpartner gilt als denkbar unwahrscheinlich. Verheerend waren die Erfahrungen der SPD dabei von 2005 bis 2009. Damals war Steinbrück Merkels Finanzminister. Spitzname: Peitschen-Peer.

Hat Steinbrück gegen Merkel eine Chance?»

Beliebteste Kommentare

  • Hans-Joachim  Schulz , Zürich
    Wenns Steinbrück wird, dann gute Nacht, was nachbarliche Beziehungen anbetrifft.
    Werde dann nach 13 Jahren in der Schweiz meinen DE Pass in die Tonne kloppen.
    Ein schönes Wochenende allen Schweizern und Gast-Deutschen, wie ich........,

    Schulz, H.-J.
  • Peter  Zillner , via Facebook
    Immer wenn Neuwahlen anstehen haben alle ein Politiker ein viel zu
    grosses Maul ! Was sie wert sind sieht man dann hinterher und dann
    meistens nicht besonderes ! Merkel hat bis heute einen sehr guten
    Job gemacht und ob der Steinbrück auch so gut ist und alles DAS
    was sie hergebracht hat auch her bingt, ist noch fraglich !!!

Alle Kommentare (57)

  • Rainer  Lauer , El Medano
    Also die beiden letzten SPD-Bundeskanzler hat die eigene Partei letztlich zu Fall gebracht. Bei Steinbrück sind die SPD-Linken schon einen Tag nach der Nominierung fleissig dabei
    Mein Tipp: Sollte er Bundeskanzler werden was ich noch nicht sehe, wird ihm gar nix anderes übrig bleiben, als seine eigenen Scherben und die der SPD was die Beziehung zur Schweiz angeht aufzukehren
    • 29.09.2012
    • 13
    • 3
  • Kurt  Berchtold , Hallwil
    für die Schweizer keine Katastrophe schon eher für die deutschen! es wird wie immer sein die roten reiten die karre in den Dreck und die schwarzen dürfen sie dann wieder rausziehen!
    • 29.09.2012
    • 20
    • 3
  • Yves  Polin , via Facebook
    Eine Katastrophe für die Schweiz?
    . . . eine Katastrophe für Deutschland.
  • Urs  Gersbach , Möhlin
    Rot ist immer eine Katastrophe gleich wo!
    • 29.09.2012
    • 30
    • 6
  • Peter  Inder Schroten
    Steinbrück wäre für mich der Grund wieder SPD zu wählen. Sozialer als die CDU und trotzdem wirtschaftlich orientiert. Für die Schweiz würde sich nicht viel ändern, denn - auch wenn mancher hier das kaum glauben mag - die Schweiz ist dem Grossteil der Deutschen herzlich egal. Wir mögen es nur nicht wenn Banken mithilfe staatlicher Protektion zur Steuerhinterziehung einladen. Das Argument der hohen Steuern zählt hier übrigens wenig, denn es ist leider davon auszugehen die entsprechende Klientel auch bei deutlich niedrigeren Steuersätzen immer versucht wäre das Geld im Ausland zu verstecken. Einziger Ausweg: Steueroasen austrocknen. Und noch ein kleiner Kommentar zu der undezenten Art, die ja so gern in der Schweiz als typisch deutsch betrachtet wird. Als Münchner habe ich gerade das zweifelhafte Vergnügen in der Stadt und auf der Wiesn regelmässig Horden von Eidgenossen begegnen zu dürfen. Von helvetischer Zurückhaltung oder Freundlichkeit kann ich leider nichts bemerken. Im Gegenteil, Besucher dieser Provenienz führen sich besonders undezent und rustikal um proletenhaftes Geschrei mal freundlich zu formulieren auf und wissen allenfalls durch karnevaleske Trachteninterpretationen zu beeindrucken. Das mal so als "Blick" von aussen.
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