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«Der Tag, den wir alle befürchtet haben, ist heute eingetreten», sagte der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, im Fischereihafen von Venice in der Nähe von New Orleans. An einigen Stellen sei die Ölschicht mehrere Zentimeter dick. Es sei zu erwarten, dass noch mehr Schweröl an die Küste geschwemmt werde.
Bislang waren an den Küsten der Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama nur einzelne Ölklumpen aus dem Bohrloch der gesunkenen Plattform «Deepwater Horizon» angeschwemmt worden. Der Ölteppich breitet sich durch starke Strömungen im Golf von Mexiko jedoch ungehindert aus.
Satellitenbilder der europäische Raumfahrtbehörde ESA zeigten, dass das Öl inzwischen durch den sogenannten «Loop Current» Richtung Florida getrieben wird.
Das schlimmste Szenario ist nach Angaben von Wissenschaftlern, dass das Öl Florida schon in sechs Tagen erreichen könnte. Anschliessend könnte die gewaltige Meeresströmung den Ölfilm weiter bis zur Inselgruppe der Florida Keys, an die Ostküste der USA, nach Kuba und sogar in den Golfstrom spülen.
Angesichts der zunehmenden Gefahr informierten die USA inzwischen auch Kuba über die sich ausbreitende Ölpest. Nach Angaben des Aussenministeriums in Washington gab es bereits erste Gespräche über die neuesten Entwicklungen. Seit 1961 gibt es keine diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Kuba.
BP meldet Teilerfolg
Der britische Ölkonzern BP, der die gesunkene Ölplattform betrieben hatte, meldete unterdessen weitere Teilerfolge im Kampf gegen die Ölpest. Seit Donnerstag könnten rund 5000 Barrel Öl pro Tag direkt von dem defekten Bohrloch in 1500 Meter Tiefe abgepumpt werden, sagte ein Firmensprecher.
Das entspricht der Ölmenge, die laut früheren BP-Angaben pro Tag austritt. Der BP-Sprecher räumte jedoch ein, dass auch am Donnerstag noch weiteres Öl ins Meer austrat.
Laut Experten könnte zehnmal mehr Öl aus den Lecks austreten. «Es wirkt verblüffend, dass wir nicht wissen, wie viel Öl wirklich ausfliesst», sagte eine Meereskundlerin bei einer Anhörung vor dem Kongress in Washington.
BP-Ingenieure des Konzerns wollen am Sonntag einen ersten Versuch starten, das Bohrloch zu schliessen. Bei der geplanten Methode, die Experten als «Top kill» bezeichnen, werden grosse Mengen schweren Schlamms unter hohem Druck in die Quelle gepresst. Anschliessend soll sie mit Zement endgültig abgedichtet und «versiegelt» werden.
Umbau der US-Rohstoffbehörde
Um derartige Katastrophen künftig zu verhindern, wird die US- Kontrollbehörde für Tiefsee-Bohrungen zerschlagen: Künftig sollen drei gesonderte Stellen für die Erteilung von Bohrgenehmigungen, die Sicherheitskontrollen und die Verwaltung der Finanzmittel zuständig sein.
Mit der Entscheidung reagierte die US-Regierung auf die Vorwürfe vorschnell erteilter Bohrgenehmigungen und zu laxer Sicherheitskontrollen durch die Behörde für Rohstoffverwaltung (MMS). Der MMS war vorgeworfen worden, BP und anderen Mineralölkonzernen Bohrgenehmigungen erteilt zu haben, obwohl diese die gesetzlichen Auflagen nicht erfüllten. (SDA/gux)