Video-Post vom Amok-Killer

  • Aktualisiert am 17.01.2012

BLACKSBURG – (USA) «Ihr hattet eine hundert Milliarde Chancen, das hier zu vermeiden», sagt der Amokschütze von Virginia, Cho Seung-Hui, auf einem Video. Die Aufnahme verschickte er während seiner Tat an einen TV-Sender.

Ein Zeitstempel auf dem Paket beweist es: Cho gab am Montag um 09.01 Uhr (Ortszeit) in einem Postamt ein Paket mit auf DVD gespeicherten Videoaufnahmen, 23 ausgedruckte Seiten mit Botschaften sowie 43 Fotos ab. Das war eine Stunde und 45 Minuten nachdem er die ersten zwei Studenten erschossen hatte. Wieder zurück auf dem Uni-Campus setzte er seine grausame Bluttat fort: Er tötete 30 weitere Menschen und sich selbst.

Das Multimedia-Paket schickte Cho per Eilpost an den US-Fernsehsender «NBC». Auf dem Umschlag war die falsche Postleitzahl angegeben, so dass das Paket erst gestern Mittwoch ankam. Am Abend sendete «NBC» schliesslich Ausschnitte aus dem Video. Darin teilt Cho mit, dass er mit genusssüchtigen Reichen eine Rechnung begleichen werde.

«Ihr hattet eine hundert Milliarde Chancen, das hier zu vermeiden», sagte Cho. «Aber ihr habt entschieden, mein Blut zu vergiessen. Ihr habt mich in die Ecke getrieben und mir nur eine Option gelassen. Das war eure Entscheidung. Jetzt habt ihr Blut an euren Händen, das sich nie mehr abwaschen lässt.» Cho erwähnte auch «Märtyrer wie Eric und Dylan» – die Amokläufer des Massakers an der Columbine Highschool vor fast genau acht Jahren, die 13 Menschen und sich selbst töteten.

Chos Stellungnahme ist 1800 Wörter lang. Auf elf Bildern hält er Handfeuerwaffen in die Kamera (siehe Diashow). Etliche Passagen seiner Rede seien zusammenhanglos und vulgär. «All eure Ausschweifungen waren nicht genug. Sie reichten nicht, eure hedonistischen Bedürfnisse zu befriedigen. Ihr hattet alles.» Sich selbst stellt er als einen Jungen dar, dessen Herz mutwillig zerstört, dessen Seele vergewaltigt und dessen Bewusstsein ausgelöscht worden sei. «Dank euch sterbe ich wie Jesus Christus, um Generationen schwacher und schutzloser Menschen zu inspirieren.»

Vor der TV-Sendung sei das Material von der Bundespolizei FBI geprüft worden. Chos Manifest fügte weitere Elemente einer stetig wachsenden Liste hinzu, nach der es schon seit mindestens einem Jahr Hinweise dafür gab, dass der Einzelgänger schwere psychische Probleme und Gewaltfantasien hatte. So hatten die Behörden kurz zuvor erklärt, Cho sei vor gut einem Jahr beschuldigt worden, zwei Studentinnen mit Botschaften belästigt zu haben.

Er sei daraufhin in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht worden, wo Ärzte ihn zu einer Gefahr für sich selbst erklärt hätten. Cho wurde jedoch entlassen mit der Aufforderung, sich in Therapie zu begeben.

Auch Dozenten der Universität war Chos Benehmen aufgefallen. Die Literaturprofessorin und Autorin Nikki Giovanni warf ihn aus dem Unterricht, nachdem Studentinnen beklagt hatten, Cho fotografiere unter den Tischen ihre Beine und Knie.

Chos Video

Ein Toter, viele Morddrohungen

WASHINGTON – Nach dem folgenschwersten Amoklauf in der US-Geschichte gingen bis heute bei zahlreichen Schulen Drohungen ein. In mindestens zehn Staaten wurden Universitäten, Ober- und Mittelschulen evakuiert oder geschlossen. Ein 16-jähriger Oberschüler erschoss sich im US-Staat North Carolina, nachdem er zuvor zwei Mitschüler mit seiner Handfeuerwaffe bedroht hatte. Das teilte die Polizei in Huntersville mit.
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