Bohrer weit weg Verschüttete Kumpel: Zahnweh und Depressionen

  • Publiziert: 07.09.2010, Aktualisiert: 02.01.2012

COPIAPO (CHILE) - Eingeschlossen 700 Meter unter dem Boden wird jedes Wehwehchen zum Drama: Einer der Kumpel braucht Medikamente gegen Zahnweh, ein anderer gegen Depressionen.

700 Meter unter der Erde können sich selbst kleine Wehwechen zu massiven Problemen entwickeln: Damit die Zahnschmerzen von einem der eingeschlossenen Bergarbeiter nicht zu einer wirklichen Bedrohung werden, schicken ihm die Betreuer an der Erdoberfläche jetzt Antibiotika durch den Versorgungsstollen.

Ein zweiter braucht Psychopharmaka. Der ungenannte Kumpel leide unter Depressionen, gab die Notfall-Behörde Chiles bekannt. Das psychische Problem habe aber schon vor dem Einsturz der Mine bestanden, es sei durch das Eingeschlossen-Sein jetzt aber so stark geworden, dass es behandelt werden müsse.

Live-Fussball im Stollen

Um die Moral der 33 Eingeschlossenen zu stärken, werden keine Mühen gescheut: Die Helfer haben es fertiggebracht, ein TV-Übertragungssystem durch den 11 Zentimeter breite Versorgungsstollen zu schicken, das auch 700 Meter unter der Erde funktioniert.

Die Kumpel können heute Abend damit das Freundschaftsspiel zwischen Chile und der Ukraine live mitverfolgen. Ein spezieller Moment ist das besonders für den Kumpel Franklin Lobos (43), einen ehemaliger chilenischer Fussballprofi, der einst sogar kurze Zeit in der Nationalmannschaft spielte.

Rettungsstollen schon 100 Meter lang

Gut möglich, dass die Minenarbeiter noch einige Matches in ihrem Stollen schauen müssen: Die Grabungsarbeiten zu ihrer Rettung gehen zwar voran, die Distanzen sind aber noch gross. Am weisteste kam bisher der Bohrer Strata 950 voran. Er legte bis am späten Montagabend 100 von insgesamt 702 Meter zurück.

Die T-130-Maschine hat bisher 26 Metern (von 630 Metern) gebohrt, dann wurde sie vorübergehend von einem Defekt ausser Gefecht gesetzt. Eine dritte Bohrkaktion wird noch vorbereitet und sollte bald starten. (bih)

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