Vergessen Sie Botellón, jetzt kommt Bier-Pong!

  • Publiziert: 06.09.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Johannes von Dohnányi
play Lukrativ: An der Bier-Pong-Weltmeisterschaft winken den ­Siegern 50´000 Dollar. (ZVG)

Saufen als Kampfsport: «Bier-Pong» wird in den USA zum Sozialproblem.

Mitten in der Nacht klingelte bei Familie Coben aus Denver im US-Bundesstaat Colorado das Telefon. «Wir haben 10000 Dollar beim Bier-Pong gewonnen», hörte Mutter Coben ihren Sohn Jason (23) lallen, bevor er sich erbrach.

Der vor 20 Jahren unter dem Namen «Beirut» entstandene Kampfsaufsport Bier-Pong ist mittlerweile zur Gesellschaftsplage geworden. Amerikas Bier-Ponger messen sich in lokalen, regionalen und landesweiten Meisterschaften. Wer die Weltmeisterschaft gewinnt, wankt mit 50000 Dollar nach Hause.

Das einzig nötige Talent für eine Partie Bier-Pong ist gute Kontrolle über die Blase. Ansonsten sind die Spielregeln denkbar einfach. Jeweils am Ende eines Tisches stehen zwei Spieler und sechs halb gefüllte Biergläser. Es geht darum, Ping-Pong-Bälle in die Gläser der gegnerischen Mannschaft zu werfen. Wessen Glas getroffen wird, muss es austrinken. Wer als Erster alle Gläser geleert hat, hat verloren. Weltmeisterschafts-Organisator Billy Gaines behauptet jedoch allen Ernstes, dass es gar nicht ums Trinken geht: «Beer Pong ist ein Geschicklichkeitsspiel. Wir wollen als Sportler ernst genommen werden.»

Über mangelnde Aufmerksamkeit kann sich Gaines jedenfalls nicht mehr beklagen. Elite-Universitäten wie Yale und Georgetown nehmen die Bier-Ponger so ernst, dass sie den «Sport» auf ihrem Gelände bereits verboten haben. Andere Hochschulen sind diesem Beispiel gefolgt. Einige Bundesstaaten erwägen ein absolutes Bier-Pong-Verbot.

Und als der Saufwettbewerb als Spiel für die Nintendo-Wii-Konsole auf den Markt kam, protestierten Eltern und Lehrer so lange, bis die digitalen Gläser mit Wasser gefüllt und das Wort Bier aus dem Namen des Spiels gestrichen wurde.

Internet-Plattformen wie You-Tube haben dafür gesorgt, dass der Saufsport inzwischen auch in Europa wahrgenommen wird. Es ist daher wohl nur eine Frage der Zeit, bis der erste Bier-Pong-Wettkampf in der Schweiz ausgetragen wird. Der einzige Vorteil gegenüber den aus Spanien importierten Botellones: Nach dem grossen Saufen bleiben keine Scherben in den öffentlichen Parkanlagen zurück.

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