So hetzt Hannibal Gaddafi Verfluchte Schweiz!

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Lorenz Honegger

Seit 14 Tagen hetzt Libyen im Internet auf tiefstem Niveau gegen die Schweiz. SonntagsBlick weiss: Hinter www.hannibal.ly steckt der Gaddafi-Clan.

Eine zerfetzte Schweizer Flagge mit Hakenkreuz erwartet den Besucher bereits auf der Startseite von hannibal.ly. Unmissverständlich auch der arabische Schriftzug neben der Flagge: «Wir akzeptieren deine Entschuldigung nicht, verfluchte Schweiz!» Eine Anspielung auf den Libyen-Besuch von Hans-Rudolf Merz (66) am 20. August. Der Bundespräsident hatte sich in Tripolis für die Verhaftung von Dikatorensohn Hannibal Gaddafi (33) im Juli 2008 in Genf entschuldigt. Merz wollte damit die beiden seither festgehaltenen Schweizer freibekommen. Ohne Erfolg.

Die Urheber des professionell aufgemachten Internetauftritts geben sich als «junge libysche Leute» aus, die zur «Unterstützung Hannibal Gaddafis» einen Verein gegründet haben. Gemeinsam wollten sie gegen den «Terrorstaat Schweiz» kämpfen. Jeder, der Hannibal die Treue schwört und seine Personalien angibt, darf mittels Formular beitreten. Die «jungen Leute» rufen zum Boykott von Schweizer Produkten auf.

SonntagsBlick-Recherchen haben ergeben: Hinter der Website steckt keineswegs eine Jugendorganisation, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit die libysche Regierung selbst. Die Internetadresse wurde am 13. September registriert. Guido Rudolphi (47), Experte für Netzkriminalität, hat die libysche Propagandaseite mit seiner selbst entwickelten Software durchleutet.

«Es liegt auf der Hand, aus welcher Küche die Seite kommt», sagt er zu SonntagsBlick. Hannibal.ly sei auf einem Server des IT-Unternehmens The Planet in Houston, Texas, gespeichert. «Auf dem gleichen Rechner verwaltet der libysche Staat die Internetseiten des Finanz- und Justizministeriums», so Rudolphi.

Der neuste Streich der Libyer im Propagandakrieg gegen die Schweiz lässt keine Zweifel offen: Der Gaddafi-Clan will die Affäre bis zum letzten Tag auskosten. Die festgehaltenen Schweizer, Max Göldi (54) und Rachid Hamdani (68), sitzen inzwischen wieder in libyschem Gewahrsam – Gaddafis Leute hatten die Geiseln unter dem Vorwand eines Gesundheitschecks aus der Schweizer Botschaft gelockt. Zurzeit weiss weder das EDA noch Göldis Arbeitgeber ABB, wo sie sich aufhalten.

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