Wahlkampf-Experte erklärt den Erfolg des Grossmaul-Republikaners «Trump tritt jedem ans Schienbein»

Wie kann ein Politiker alle vor den Kopf stossen und gleichzeitig immer beliebter werden? Wahlkampf-Experte Frank Esser von der Uni Zürich geht im BLICK-Interview dem Erfolg des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump auf den Grund.

Donald Trump auf einer Wahlkampfveranstaltung in Reno im US-Bundesstaat Nevada. play
Donald Trump auf einer Wahlkampfveranstaltung in Reno im US-Bundesstaat Nevada. KEYSTONE/AP/MARCIO JOSE SANCHEZ

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BLICK: Herr Esser, noch ist Donald Trump nicht der offizielle Kandidat der Republikaner für das US-Präsidentenamt. Doch der Immobilienmogul ist seinen innerparteilichen Konkurrenten in den meisten Umfragen haushoch überlegen. Zudem hat er die Vorwahlen in drei von vier Bundesstaaten für sich entschieden. Wie erklären Sie diesen deutlichen Vorsprung?

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Frank Esser, Wahlkampf-Experte und Publizistikwissenschaftler an der Uni Zürich. unizh.ch

Frank Esser: Trump setzt sehr stark auf einen Anti-Establishment-Ton. Der scheint bei vielen republikanischen Wählern auf fruchtbaren Boden zu fallen, die während Präsident Barack Obamas Amtszeit das Gefühl entwickelt haben, ohnehin keinen Einfluss auf die Politik zu haben. Es scheint aber auch viele Republikaner zu geben, die mit der eigenen Führung unzufrieden sind. Trump sagt, was andere vielleicht in der Magengrube fühlen, aber nicht aussprechen. Sein kraftmeierischer Stil gegen illegale Einwanderer, Terrorverdächtige und politische Gegner, der teilweise an Pausenplatz-Mobbing erinnert, wird von vielen als lang vermisste Stärke wahrgenommen. Zudem bedient er die Sehnsucht der Wähler nach Nationalstolz.

Zu Beginn seines Wahlkampfs brandmarkte Trump mexikanische Einwanderer kollektiv als Drogendealer, ja sogar Vergewaltiger. Laut neusten Zahlen hat er nun bei den gestrigen Vorwahlen im Bundesstaat Nevada bei Latino-Wählern trotzdem am meisten gepunktet – und dies, obwohl seine Konkurrenten Ted Cruz und Marco Rubio kubanische Wurzeln haben. Wie macht er das?

Das Interessante an Trump ist, dass er durch alle Schichten hinweg Zuspruch findet. Er kommt beispielsweise bei Frauen und Männern gleichermassen gut an. Das Gleiche gilt für Arm und Reich. Oder eben für weisse und latinamerikanische Gemeinschaften in der Bevölkerung.

Trump hat neben mexikanischen Einwanderern schon so gut wie alles beleidigt, was sich beleidigen lässt. Frauen, Muslime, Journalisten, demokratische und republikanische Politiker gleichermassen, ja sogar mit dem Papst geht er nicht eben zimperlich um. Obwohl einige dieser Attacken deutlich unter der Gürtellinie waren, prallt jede Kritik an Trump ab. Wie ist das möglich, dass er trotzdem diesen Erfolg hat?

Trump tritt in der Tat jedem ans Schienbein. Warum sein Zuspruch dennoch nicht nachlässt, macht sogar Politikwissenschaftler etwas ratlos. Man versucht immer noch eine stichhaltige Erklärung dafür zu finden. Bei Umfragen hat sich trotz der demografischen Vielfältigkeit seiner Unterstützer ein gemeinsamer Faktor herauskristallisiert. Und das ist die Neigung zum Autoritarismus. Das geht zwar nicht soweit, dass man die Demokratie aushebeln will. Aber es gibt unter den Trump-Anhängern eine starke Sehnsucht nach Sicherheit und Ordnung, Aufräumen und Stärke. Um dies zu gewährleisten, braucht es eine unkonventionelle, rigorose Persönlichkeit. Trump gibt ihnen das Gefühl, dass er sich für sie einsetzt – und zwar ohne Rücksichtnahme auf politische Korrektheit.

Wie schafft er das?

Das eingangs erwähnte Gefühl von Einflusslosigkeit auf die Politik, das viele republikanischen Wähler verinnerlicht haben, hilft ihm dabei. Ihnen imponiert der breitbeinig daherpolternde Trump, der nicht nur gegen Gegner austeilt, sondern auch heilige Kühe der eigenen Partei schlachtet: So hat er den republikanischen Ex-Präsidenten George W. Bush für den Irakkrieg und seine Falschaussage zu den Massenvernichtungswaffen kritisiert. Er hat ihm auch vorgeworfen, Geheimdiensthinweise im Vorfeld der 9/11-Terroranschläge nicht ernst genommen zu haben. Zudem widerspricht er der republikanischen Parteilinie mit seiner Unterstützung für Sozialhilfe und Krankenversicherung. Er gibt Wählern das Gefühl, durch seinen Aussenseiterstatus und seinen Reichtum auf niemanden Rücksicht nehmen zu müssen. Er präsentiert sich als unbestechlicher Volksversteher, der das Land wirtschaftlich und militärisch auf Vordermann bringen kann und für konservative Werte einsteht, ohne ideologisch verblendet zu sein.

Wie schätzen Sie Trumps Chancen ein, das innerparteiliche Rennen für sich zu entscheiden? Und wie gross sind seine Chancen, tatsächlich ins Weisse Haus einzuziehen?

Man muss klar sehen, dass er bisher noch bei keiner der Vorwahlen über 50 Prozent der republikanischen Stimmen geholt hat. Wenn sich das Lager der parteiinternen Mitstreiter in den nächsten Wochen weiter lichtet, könnte sein Vorsprung schmelzen. Das grosse Blutbad steht mit dem Super Tuesday am 1. März bevor, wenn in zehn Bundesstaaten Vorwahlen beider Parteien stattfinden. Man darf ausserdem gespannt sein, wie es für Trump am Nominierungsparteitag im Sommer läuft. Wenn keiner der republikanischen Anwärter die erforderlichen 1200 Delegiertenstimmen in den Vorwahlen holt (Trump hat erst 79), ist der Parteitag relativ frei bei der Kandidatenkrönung. Laut den aktuellsten Statistiken liegt die Wahrscheinlichkeit einer Trump-Nominierung bei 50 Prozent und die einer Nominierung von Marco Rubio bei 40 Prozent. Die übrigen Kandidaten teilen sich die restlichen zehn Prozent. Ob Trumps impulsiver, rüpelhafter Stil bis zu den Präsidentschaftswahlen im November ein Erfolgsrezept bleibt, muss sich erst noch zeigen.

Publiziert am 24.02.2016 | Aktualisiert am 11.03.2016
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Chaos bei Republikanern in Nevada Trump gewinnt Skandal-Wahl!

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34 Kommentare
  • Dieter  Schmid 24.02.2016
    Liebe Amis. Habt ihr in eurem Riesenvolk wirklich wieder keine valablen Kandidaten fürs Präsidium? Carter und Clinton waren zwar nette Leute, aber mehr nicht. Über Bush muss man kein Wort verlieren. Obama hat die Erwartungen nicht erfüllt. Frau Clinton oder Trump? Bitte nicht. Armes Amerika!
    • Silvia  Geiger aus Santa Fe
      24.02.2016
      Ja sie haben sie. Aber die qualifizierten Leute wollen diesen Job nicht. Es ist eine sehr undankbare Rolle.
    • Marion   Jost aus Schönenwerd
      25.02.2016
      Obama konnte vor allem in den letzten Jahren viel gute Dinge nicht umsetzen weil er eine Mehrheit der Republikaner hat die ihm alles verbauen!!! Ich finde es daneben ihm alles in die Schuhe schieben zu wollen denn er ist nicht allmächtig, wenn der Senat etc. nicht mitmacht hat er keine Chance! Wie letztens das Bundesgericht einen Vorstoss von ihm gleich blockiert hat, das Bundesgericht ist übrigens mehrheitlich republikanisch! Also bitte auch mal hinter die Kulissen schauen!
  • Philipp  Bloecker 24.02.2016
    Disclaimer:
    Ähnlichkeiten Trumps mit einigen gewissen SVP-Polterern sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.
    • Marion   Jost aus Schönenwerd
      25.02.2016
      Genau... das Prinzip funktioniert halt weltweit!!!
  • Klaus  Müller 24.02.2016
    Auch wenn im linken Europa Trump perfekt in das Bild des Bösen passt: Niemand hier müsste vor Trump Angst haben. Gerade weil er sich wieder stärke auf die USA konzentriert, wäre er wohl weniger ein Kriegstreiber als Obama oder Clinton. Die stehen hinter dem Drohnenkrieg und Kriegen wie in Libyen, Syrien und der Ukraine.
    • Antonio  Cacioppo , via Facebook 25.02.2016
      Das Proplem ist, dass auch er eine Marionette ist und wird auch bleiben. Angst sollen wir nicht von ihm haben sondern von denen die das Federal Reserve komandieren.
    • Marion   Jost aus Schönenwerd
      25.02.2016
      Unter Obama und Clinton wurde kein Krieg angefangen! Es war Georg W. Bush der im Osten mit dem Einmarsch in den Irak das ganze wieder anzettelt hat! Wenn mal sowas läuft ist es schwierig einfach so raus zu kommen. Obama hat von Bush so viele Hypotheken geerbt, ein fast unmögliches Unterfangen das mit einer Rep. Gegnerschaft aus zu bügeln!!!
  • Markus  Kessler 24.02.2016
    Es ist also wieder die Zeit in der sich das "Volk" nach einem starken Führer sehnt. Einer der stolz verbreitet, keine Rücksicht nimmt und den verunsicherten Menschen das blaue vom Himmel verspricht. In den vergangenen Jahrtausenden konnte man sehen, wo das endet. Diesmal wirds wohl nicht besser werden.
    • Ines Maria  Giezendanner aus Viganello
      24.02.2016
      Ist noch gar nicht so lange her, hatten wir schon einmal genau so einen "Führer". Nur dank der Ignoranz und Dekadenz der Amerikaner hat der Mann eine Chance, (die er nutzen wird mit seiner riesigen Selbstüberschätzung,) die Welt in einen neuen, vielleicht letzten Weltkrieg zu stürzen. Es ist nur zu hoffen, dass er noch vorher in eine geschlossene Anstalt oder ins Gefängnis gesteckt wird.
    • Harry  Bessenich , via Facebook 24.02.2016
      Schwarzmaler, keiner kann nur schlecht sein, die Führer Mentalitäten haben und hatten immer große Fähigkeiten , und nicht nur politische , so ist doch da immer noch der Senat , und Demokraten, also nicht nur ein Fuehrer ??
    • Urs   Weiermann 25.02.2016
      Vermutlich leider nicht, und er hat Atomwaffen, das grösste Militärbudget der Welt, inkl. der stärksten Armee und sagt u.a.:
      wir haben 19 Billionen Schulden, beschützen Euch (D, Saudi Arabien, Südkorea, Japan). Was bekommen wir von Euch zurück? Peanuts! I will change that. Worauf läuft sowas hinaus? Trump ist m. E. ein erznationalistischer Quadratkapitalist. Für Amerika und nur diesem ist er verpflichtet, kann und wird er grosses bewirken. Armer Rest der Welt.
    • Andreas  Huber 25.02.2016
      Genau das tut Putin auch schon lange, deshalb ist er so beliebt in Russland.
  • rolf  sulzer 24.02.2016
    Trump hat es als einziger Präsidentschaftskandidat geschafft. bis heute das Amerikanische Volk zu "entlarven". Er versteht es, sich mit seinen Wahlkampfreden auf eine noch nie dagewesene Art an die Menschen zu wenden die ihn bewundern. Es kann durchaus sein, dass er sich, je näher er als potentieller Präsident die Wahl gewinnen könnte, sich als gemässigt, anständig und Präsidenten like benimmt und gewinnt.