US-Experte über den Wahlerfolg der Republikaner Wieso Trump?

WASHINGTON (USA) - Warum haben die Amerikaner Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt und was bedeutet die Wahl für das Land, insbesondere für Minderheiten? Politikwissenschaftler Florian Foos liefert erste Antworten.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Um Punkt 12 Uhr übernimmt Trump Die 10 wichtigsten Fakten zur Amtsübergabe
2 Das meint BLICK zum Amtsantritt Enttäuschen Sie uns, Mr. President!
3 Trump schockierte Experten «Die radikalste Antrittsrede aller Zeiten!»

Ausland

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
1 shares
64 Kommentare
Fehler
Melden
Donald Trump: Politiloge erklärt die Gründe warum er Präsident wurde play
Dr. Florian Foos vom Politikwissenschaftlichen Institut der Uni Zürich hat sich intensiv mit dem US-Wahlkampf befasst. ZVG

Herr Foos, der Sieger der US-Präsidentschaftswahlen heisst Donald Trump. Haben Sie damit gerechnet?
Nein, ich bin total überrascht. Ich kenne sehr wenige Leute, die mit diesem Resultat gerechnet haben. Nun müssen wir die Frage stellen: Wie konnte es dazu kommen?

Was glauben Sie? 
Um darauf eine genaue Antwort parat zu haben, ist es viel zu früh. Es sieht aber schon so aus, als hätte die Wählergruppe der weissen Arbeiter, die traditionelle Arbeiterklasse, den entscheidenden Ausschlag gegeben. Sie, die bisher weniger an die Urne gingen, hat Trump mobilisieren können. Latinos hingegen scheinen nicht in diesem Mass Clinton unterstützt zu haben, wie vorhergesehen wurde. Dies gilt auch für die afroamerikanische Bevölkerung, was eher vorhersehbar war.

Grosse Verlierer der Wahlen sind nebst Clinton auch die Umfrage-Institute. Sie haben einen Sieg der Demokraten, wenn auch einen knappen, einhellig prognostiziert. Wie konnte es zu dieser Fehleinschätzung kommen?
Hier muss es eine gründliche Aufarbeitung geben. An die Möglichkeit, dass sich viele Leute in letzter Sekunde noch umentschieden haben, glaube ich eher nicht. Der Grund ist eher, dass es systematische Probleme mit Wahlumfragen gibt – nicht nur in den USA. Immer weniger Bürger beantworten Umfragen, was die Institute vor grosse Probleme stellt. Ausserdem scheint es so, dass einige Annahmen in dieser Wahl falsch waren, vor allem wenn es darum ging, die Wahlbeteiligung vorherzusagen. Das kam in den Umfragen Clinton zugute. 

Während Trump vor allem Politikmüde ins Visier nahm, hat Hillary Clinton in ihrem Wahlkampf einen Fokus auf die Mobilisierung von Frauen gesetzt. Wurde ihr das zum Verhängnis?
Das würde ich nicht sagen. Aber der Wahlkampf hat offensichtlich weniger gebildete Männer zu wenig angesprochen. Sexismus spielt hier sicher – noch immer – eine Rolle. Zudem war Clintons Problem, dass sie schon lange im politischen Geschäft ist. Sie wurde als Teil der politischen und wirtschaftlichen Elite gesehen.

Die Republikaner konnten nicht nur das Weisse Haus erobern, sondern auch ihre Mehrheit in Repräsentantenhaus und Senat sichern. Was bedeutet das für das Land?
Die Übermacht der Republikaner stellt eine grosse Gefahr dar. Das Prinzip der Checks und Balances, wichtig für jede Demokratie, existiert kaum noch. Trump kann tun und lassen, was er will – wahrscheinlich vier Jahre lang. Die Demokraten sind so dezimiert, dass eine effektive parlamentarische Opposition schwer vorstellbar ist. Zudem regieren die Republikaner nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch in einer Mehrheit der Bundesstaaten.

Was heisst das für die USA?
Viele Amerikaner heute haben Angst – und das zu Recht. Rechte von Minderheiten wie Immigranten, Schwulen, aber auch Frauen sind in Gefahr. Sie können nur hoffen, dass Trump seine Ankündigungen nicht wahrmachen wird.

Eine falsche Hoffnung?
Teilweise vielleicht schon. Trump hat sich zwar schon oft neu erfunden. Doch bestimmten Worten wird Trump Taten folgen lassen. So steht das Recht auf Abtreibung plötzlich zur Disposition. Zudem wird es bestimmt zu einer Begrenzung der Migration kommen. Die angekündigte Mauer an der Grenze zu Mexiko könnte tatsächlich gebaut werden.

Wie sieht es bezüglich Amerikas Aussenpolitik aus?
Sie wird wahrscheinlich weniger interventionistisch. Die USA wird sich aus Krisengebieten eher zurückziehen, gerade im Nahen Osten. Weiter hat Trump bereits klargemacht, dass er die Unterstützung von Nato-Partnern an verschiedene Bedingungen knüpfen will. Eine Annäherung an Russland ist ausserdem wahrscheinlich.

Was ist mit dem Klima-Abkommen, das die USA erst kürzlich ratifiziert hat?
Es steht ganz klar in Frage – ebenso wie das Freihandelsabkommen TTIP. Das, was dort noch übrig war, kann man jetzt auch vergessen. Zudem ist die Gesundheitsreform Obamacare wahrscheinlich tot. 

Und welche Konsequenz hat das Resultat für Verliererin Clinton?
Ihre politische Karriere ist hiermit zu Ende, was unglaublich schmerzhaft für sie sein wird. Sie wird in ihrer Rede möglicherweise versuchen, die Lage zu beruhigen, um Unruhen im Land zu vermeiden. Es wird wahrscheinlich Demonstrationen geben. Man muss aufpassen, dass es dabei nicht zu Gewalt kommt.

Blick.ch berichtet rund um die Uhr live: Verfolgen Sie die Wahl im Live-Ticker zur US-Wahl.

Publiziert am 09.11.2016 | Aktualisiert am 11.11.2016
teilen
teilen
1 shares
64 Kommentare
Fehler
Melden

TOP-VIDEOS

64 Kommentare
  • Manfred  Obermeier , via Facebook 10.11.2016
    Darauf konnte Europa nur hoffen. Innerhalb eines gewissen Zeitfensters dürften die Europäer jetzt an der längeren Leine geführt werden. Das bietet die Gelegenheit, auch die europäische "Elite" in den Senkel zu stellen, Brexit war der erste Schritt. Donald J. Trump nannte die massenhafte Einreise von Personen aus anderen Kulturen auf europäisches Gebiet mehrfach eine Katastrophe. Jetzt könnte man die Dinge endlich in andere Bahnen lenken und die nötigen Maßnahmen ergreifen.
  • Guido  Falcone , via Facebook 09.11.2016
    Dr. Florian Foos vom Politikwissenschaftlichen Institut der Uni Zürich hat wohl den falschen Beruf. Wenn jemand so ueberrascht ist, dann hat er keine Ahnung von der Materie aber auch keinen Zugang zu den Menschen, ihren Beduerfnissen und Anliegen. Clinton hatte das auch nicht und hat darum massiv verloren.
  • Adrian   Lucas aus somewhere
    09.11.2016
    Hört doch bitte auf mit den sogenannten "Experten". Die ganze Wahlkampagne vollkommen daneben weil sozialisten und Republikaner-Gegner. Trumps Sieg kam nicht überraschend, zehntausende strömten mehrmals täglich an seine Veranstaltungen, ein paar hundert für HRC. Das selbe auf den social media, wo Trump ein X-faches an followers hatte. Daher war für mich das Resultat schon lange absehbar!
  • Herbert  Schonberger 09.11.2016
    Aus meiner Sicht gibt es eine Reihe von Gruenden fuer diese (Q)Wahl:
    a) die Politiker nicht nur in den USA haben sich voellig von den Landslaeuten abgesetzt. (siehe auch EU und Brexit etc.)
    b) fuer Hillary zu stimmen ist auch ein Kraftakt. Wer so verbissen Praesident(in) werden will, ist hoch verdaechtig.
    c) Die Clinton Dynastie hat nicht gerade mit Redlichkeit brilliert.
    d) vielleicht wird Trump z.B. Europa zu mehr Eigeninitiative zwingen. Waere auch gut, oder?
  • Samuel  Wüest , via Facebook 09.11.2016
    Schon lustig. Da kommt einer, der immer nur Andere für seine Fehler und seine Unzulänglichkeiten verantwortlich macht, damit in der ganzen Welt rumhausiert. Und dann wird er damit US-Präsident. Ist es wirklich das, was die Amerikaner wollen? Kann ich mir kaum vorstellen. Jetzt müssen sie damit leben, notfalls 8 Jahre! Und die Welt? Wohl nicht. Denn die weiss sich abzuschotten! Dem ist das Wohl des Landes und dieser Welt völlig egal. Na ja, vielleicht überdauert er nicht mal 4 Jahre.