Sex, Trump and Schock'n'Roll Die krassesten Momente einer krassen Wahl

Die Schlammschlacht zwischen Hillary Clinton und Donald Trump steht kurz vor dem Showdown. Was bleibt uns von der «hässlichsten Wahl in der Geschichte Amerikas» in Erinnerung?

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Der? Wirklich?

1. März: Die Welt reibt sich die Augen. Allen Prognosen im Vorfeld der Vorwahlen zum Trotz holt Donald Trump an diesem Super Tuesday die für das absolute Mehr benötigten Delegiertenstimmen seiner Partei und sichert sich so praktisch die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten.

Am Ende kommt er auf sagenhafte 1725 von insgesamt 2472 Stimmen. Parteiinterne Gegner wie Ted Cruz und Marco Rubio haben gegen den politischen Quereinsteiger keine Chance. 

Am Parteikonvent der US-Republikaner im Juli wird Trump schliesslich offiziell zum Kandidaten ernannt. Damit steht fest: Nur noch Hillary Clinton kann verhindern, dass der New Yorker Milliardär 45. Präsident der USA wird. 

Melania kupfert bei Michelle ab

19. Juli: Donald Trumps Ehefrau Melania hält am Parteitag der Republikaner eine flammende Rede über Erziehung. Es ist der erste grosse Auftritt des ehemaligen Models im Wahlkampf-Rampenlicht. Und er geht sogleich in die Hose. Denn kurz danach stellt sich heraus, dass Michelle Obama dieselbe Rede bereits acht Jahren zuvor gehalten hatte – zum Teil Wort für Wort. 

Auch sonst ist der Parteitag der Republikaner mehr Schein als Sein. Es fehlen zahlreiche wichtige Partei-Exponenten wie die Familie Bush oder der frühere Präsidentschaftskandidat Mitt Romney. Mit ihrer Abwesenheit demonstrieren sie ihren Unmut über die Nominierung Trumps.  

Hillary Clinton lästert derweil bei einer Gewerkschaftsveranstaltung in Las Vegas, die Veranstaltung der Republikaner erinnere sie an den Fantasy-Klassiker «Der Zauberer von Oz». «Viel Sound und Wildheit – sogar eine Nebelmaschine. Aber wenn man den Vorhang zurückzieht, war da nur Donald Trump, der dem amerikanischen Volk nichts zu bieten hatte.» 

Khans Ohrfeige für Trump

***US-Wahl*** Die krassesten des hässlichsten Wahlkampfes aller Zeiten play
Erhob seine Stimme gegen Trump: Ghazala Khan mit seiner Frau Khizr. AP Photo/J. Scott Applewhite

28. Juli: Es ist der letzte Tag des Parteitags der Demokraten. Eigentlich sollte die Rede von Hillary Clinton alles überstrahlen. Aber dann reden alle über sie: Khizr und Ghazala Khan, die Eltern eines toten muslimischen US-Soldaten.

Khans Rede ist ein Tribut an den gefallenen Sohn und eine mächtige Anklage gegen Trump. Er fragt den Republikaner von der Bühne aus, ob er die Verfassung gelesen habe, hält sein eigenes Exemplar in die Höhe.

«Donald Trump verunglimpft den Charakter von Muslimen ständig», sagt er. Der Republikaner solle nur mal nach Arlington gehen, sich auf dem Friedhof die Grabsteine der Soldaten anschauen – es seien die Gräber von Menschen aller Ethnien und Glaubensrichtungen. Trump habe «bisher nichts und niemanden geopfert».

Der Milliardär reagiert wie erwartet dünnhäutig und beleidigt das Ehepaar in Interviews. Demokraten, Veteranen und selbst Republikaner zeigten sich entsetzt von seinen Attacken.

Clintons Schwächeanfall

11. September: Über Wochen streuen Trump und andere Republikaner Gerüchte, Clinton sei in Wirklichkeit zu krank für das mächtigste Amt der Welt. Als bei der Demokratin dann an einem September-Wochenende eine Lungenentzündung diagnostiziert wird, ist das mediale Echo verheerend.

Amateuraufnahmen zeigen, wie Clinton von einer Frau gestützt werden muss. Sie kann sich offensichtlich nicht mehr selbst halten und sackt weg. Weitere Mitarbeiter eilen ihr zu Hilfe und setzen sie in einen schwarzen Van – ein Moment der Schwäche, der ihr in der Folge schwer angelastet wird.

Das schreiende Baby

2. August: Trump improvisiert bekanntlich in Reden gerne. Er fügt hinzu, was ihm gerade in den Sinn kommt. Das führt nicht selten zu skurrilen Momenten. Der vielleicht bizarrste ereignet sich in Asheville.

Trump spricht gerade über China, als im Publikum ein Kleinkind zu weinen beginnt. «Ich liebe Babys», sagt er zunächst. Das Kind schreit jedoch unentwegt weiter, woraufhin Trump seine Meinung ändert und erklärt: «Ich habe eigentlich nur Spass gemacht. Schafft das Baby raus.»

Innerhalb weniger Stunden verbreitet sich ein Video des Vorfalls weltweit. Die Empörung ist gross. Wie sich später aber herausstellt, hat Trump die Mutter und ihr Kind in Wirklichkeit gar nicht rauswerfen lassen.

Die verräterische Steuererklärung

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Dank dubioser Tricks musste Trump jahrelang keine Steuern zahlen. REUTERS/Andrew Kelly

1. Oktober: Die «New York Times» enthüllt ein gigantisches Steuer-Umgehungsmanöver von Trump. Die Zeitung stützt sich auf eine Steuererklärung des Immobilien-Tycoons aus dem Jahr 1995, aus der hervorgeht, dass dieser wegen eines deklarierten Verlusts von rund 900 Millionen Dollar nahezu zwanzig Jahre lang keine Einkommenssteuer zahlen musste. 

Sogar Trumps Steueranwälte sollen ihn vor diesem «höchst dubiosen» Vorgehen gewarnt haben, heisst es in dem Bericht. Mittlerweile hat der Kongress das Gebaren von Trump für illegal erklärt.

Dutzende Millionen Dollar an Steuern soll der Milliardär so gespart haben. Wie viele es tatsächlich sind, bleibt unbekannt – da Trump der erste Präsidentschaftskandidat ist, der seine Steuererklärung vor den Wahlen nicht offenlegt.

Trumps «Locker Room Talk»

7. Oktober: Ein von der «Washington Post» veröffentlichtes Video aus dem Jahr 2005 entlarvt Trump als Playboy und Sexisten. Sätze wie «Wenn du ein Star bist, kannst du alles tun, ihnen an die Pussy langen» lösen einen öffentlichen Proteststurm aus.

Trump sieht sich zu einer Entschuldigung gezwungen, spielt die Aufnahme als «Locker Room Talk» herunter. Es nützt nichts. Mitglieder seiner eigenen Partei distanzieren sich in Scharen von ihm. In den folgenden Tagen bezeugen mehrere Frauen, von Trump sexuell belästigt worden zu sein.

Schliesslich ist es die First Lady, die zum Sprachrohr der erzürnten Frauen wird. Bei einem Wahlkampfauftritt findet Michelle Obama klare Worte: «Unsere Mütter und Grossmütter waren oft machtlos, wenn sie ihre Lebensumstände verändern wollten. Heute haben wir Frauen alle Macht, das Ergebnis dieser Wahl zu bestimmen.»

Kommentatoren erklären sie daraufhin zu besseren Kandidatin. Medien spekulieren darüber, ob Obama 2020 oder 2024 möglicherweise selbst in den Wahlkampf ziehen will. 

Der Gentleman in Rot

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Heimlicher Star des dritten TV-Duells: Ken Bone in seinem knallroten Pulli. REUTERS/Rick Wilking

9. Oktober: Die zweite Fernsehdebatte zwischen Clinton und Trump wird zur Schlammschlacht. Vielleicht schafft es gerade deshalb ein Mann im Publikum, mit einer nüchternen, sachlichen Frage zum heimlichen Star des Abends zu werden.

Ken Bone will von den Kandidaten etwas zu ihrer Energiepolitik wissen, am nächsten Tag sprechen alle über den Mann im roten Pullover.

Unzählige Kommentare, Foto-Montagen und Videos feiern den 34-jährige Brillen- und Schnauzträger wegen seiner sanften Art und seines liebenswerten Aussehens.  

Allerdings lernt Amerika auch schnell eine andere Seite des vermeintlichen Gentleman kennen. Reporter graben alte Internet-Kommentare von Bone aus, in denen sich dieser über sein Sexleben ergeht und Bilder von spärlich bekleideten Frauen kommentiert.

US-Demokratie am Pranger

19. Oktober: Im dritten und letzten TV-Duell sorgt Trump mit beispiellosen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit des US-Wahlsystems für einen Eklat. 

Auf die Frage von Moderator Chris Wallace, ob er eine mögliche Wahlniederlage gegen Clinton anerkennen werde, entgegnet der Republikaner, er wolle «erst zum gegebenen Zeitpunkt» prüfen, ob er den Wahlausgang akzeptiere oder nicht. 

Die Äusserung löst auch in den Reihen der Republikaner Kritik aus. Rivalin Clinton reagiert prompt. Bei einem Wahlkampfauftritt in Ohio sagt sie: «Indem er das tut, gefährdet er unsere Demokratie.» Eine friedliche Machtübergabe gehöre zu den Dingen, die eine Demokratie von einer Diktatur unterscheiden, betont sie.

Clintons E-Mails

28. Oktober: Das FBI orientiert mehrere Mitglieder des Kongresses, dass es in der E-Mail-Affäre wieder gegen Clinton ermittelt. FBI-Direktor James Comey spricht von «möglichen neuen Beweisen» gegen die demokratische Kandidatin – und wirbelt so den Wahlkampf mächtig durcheinander.

Der Vorsprung auf Trump schrumpft in den folgenden Tagen dahin, bis Comey am vergangenen Sonntag wieder Entwarnung gibt. Clinton habe nichts Illegales getan, als sie als Aussenministerin ihre Mails über einen privaten Server abwickelte, sagt er. 

Somit ist klar: Gegen die 69-Jährige liegt nichts vor. Comey aber muss ein Verfahren wegen Beeinflussung der Wahlen befürchten, die wegen des Eingriffs des FBI wieder an Spannung gewann. (gr/hos/SDA)

Publiziert am 08.11.2016 | Aktualisiert am 13.11.2016
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  • Afrim  Brama aus Oerlikon
    08.11.2016
    Was für schlimme Kandidaten. Ein Armutszeugnis für Amerika.