Revolution der Protestwähler Wie war Trump möglich?

ZÜRICH - Vetrauensverlust, Zukunftsängste und die Sehnsucht nach einem starken Mann: Das sind für Marco Steenbergen, Politikwissenschaftler an der Uni Zürich, Gründe für den Wahlsieg von Donald Trump.

US-Wahlen: Donald Trump profitiert von Unzufriedenheit der USA play
Trump verunglimpfte Latinos. Diese zwei Latinos haben ihn trotzdem gewählt. imago

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Ihre Fans protestierten Jennifer Holliday sagt Trump-Konzert ab
2 Flugticket bringt US-Republikaner Probleme Sein Chüngel reist mit...
3 Monica Crowley Trump-Beraterin unter Plagiatsverdacht

Ausland

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
0 shares
20 Kommentare
Fehler
Melden

Gestern wurde Donald Trump zum neuen US-Präsidenten gewählt. Was hat die Amerikaner dazu gebracht, einen umstrittenen Populisten zu wählen?
Dafür gibt es viele Faktoren. Primär lässt sich seine grosse Wählerschaft auf eine generelle Unzufriedenheit zurückführen. Die Menschen fühlen sich benachteiligt. Sie sehen, dass die Elite profitiert und sie selbst täglich mit finanziellen Problemen kämpfen. Deshalb sehnen sie sich nach einem politischen Richtungswechsel. Das ist paradox, denn Obama verlässt sein Amt mit dem besten Rating seit Ronald Reagan.

Eine Revolution der Protestwähler also?
So kann man das bezeichnen. Die Geschichte wiederholt sich immer wieder. Soziale Ungerechtigkeit ist das Vakuum für Populisten. Das ist nicht nur in den USA so. Es hat sich auch in England mit der Brexit-Abstimmung gezeigt. Oder zuletzt in Polen und Ungarn bei den Wahlen. Und ich denke, im nächsten Jahr werden wir dasselbe Phänomen wahrscheinlich auch in Frankreich, Holland und Deutschland sehen. In diesen Ländern machen die Populisten bereits grosse Schlagzeilen.

US-Wahlen: Donald Trump profitiert von Unzufriedenheit der USA play
Marco Steenbergen, Politikwissenschaftler an der Uni Zürich.

Woher genau kommt diese Unzufriedenheit?
In Amerika wie auch in Europa herrscht eine massive Ungleichheit zwischen Arm und Reich. Die Mittelschicht verschwindet langsam. Die Globalisierung fordert viele Verlierer. Ein grosser Teil der Bevölkerung sieht die Immigration als ein grosses Problem. Bildung wird immer teurer. Sprich, die Menschen haben grosse Zukunftsängste. Es herrscht das Gefühl, dass alles kaputtgeht.

Entsteht so die Faszination für Männer wie Trump?
Klar, das ist der Nährboden für Populisten wie Donald Trump. Er hat die richtigen Knöpfe bei den Wählern gedrückt. Mit dem Slogan «Make America great again» hat er alle Probleme der Amerikaner angesprochen. Die Menschen sehnen sich seit langem nach einer Leitfigur, die wieder alles in Ordnung bringt. Hier wiederholt sich die Geschichte. Ich will damit nicht behaupten, dass wir Verhältnisse haben wie in den Dreissiger- und Vierzigerjahren, aber es gibt Parallelen. Trotzdem: Wir leben in einer Zeit, in der die Leute das Vertrauen in politische Prozesse verloren haben. Deshalb hatte Trump, der keine politische Figur ist, so viel Unterstützung. Und Hillary Clinton, die aus dem Politfilz stammt, hatte keine Chance bei diesen Wählern.

Werden diese Protestwähler denn überhaupt von Trumps Wahl profitieren?
Ich denke, hier kommt bald die grosse Ernüchterung. Trump wird die Steuern senken. Davon profitieren wird einmal mehr die Oberschicht. Zudem wird er voraussichtlich Obamacare abschaffen. Diese hat das Leben der sozialen Unterschicht zum Teil verbessert.

Publiziert am 10.11.2016 | Aktualisiert am 11.11.2016
teilen
teilen
0 shares
20 Kommentare
Fehler
Melden

TOP-VIDEOS

20 Kommentare
  • Peter  Beutler aus Beatenberg
    11.11.2016
    Unsere Presse sei "links". Was heisst den eigentlich "links"? Für viele ein negativ besetztes Schlagwort, von dem die wenigsten, die davon Gebrauch machen, wirklich wissen, was dahinter steckt. Mehrmals habe ich gelesen, die Mehrheit der Amerikaner hätten Trump gewählt. Stimmt nicht, Hillary Clinton erhielt gut 300000 Stimmen mehr! Ein Präsident, der von einer Minderheit gegen die Mehrheit ins Amt kam, sollte sich dessen bewusst sein und nicht derart polarisieren wie Trump das jetzt tut.
  • Daniel  Grob 11.11.2016
    Politik, Finanzwelt und Wirtschaftsführer sind heute dermassen mit sich selbst beschäftigt und in ihren eigenen Zirkeln gefangen, dass sie gar nicht merken, wie weit sie sich vom Bürger entfernt haben. Deshalb das Erstaunen. Jene, welche diesen klaffenden Graben erkennen und ansprechen, werden verächtlich Populisten genannt. In Wirklichkeit ist es eine riesige Klatsche ins Gesicht der Oligarchie und der ihr hörigen Mainstream-Medien, welche mittlerweile jegliche Glaubwürdigkeit verloren haben.
  • Verena  Mueller aus Manassas
    11.11.2016
    Manche Kommentare sind schlicht laecherlich. Da aeussern sich Leute, die keine Ahnung von Amerika per se haben, die vielleicht mal hier in den Ferien waren, aber ansonsten....Ich habe keine Zukunftsangst, sehe mich nicht benachteiligt, und trotzalledem habe ich DT gewaehlt.Und ich freue mich auf ihn als Praesidenten, da ich mich die letzten 8 Jahre hier mit der gemachten Politik nicht vertreten gefuehlt habe. So einfach ist das....
  • Heinrich  Zimmermann aus Fulenbach
    10.11.2016
    Am 6. August habe ich diesen Kommentar geschrieben: Blick hat ihn nicht veröffentlich jedoch Focus.
    Trump wird der 45. Präsident. Er verkörpert Amerika wie es ist. Zuerst Amerika und lange nachher die Andern. Mit seiner plumpen Art wird er es schaffen. Trump ist ein Amerikaner, wie wir in uns vorstellen. Grossmäulig, erfolgreich, egoistisch, egozentrisch. Ganz einfach Amerikanisch.
    Meine nächste Prognose, einfach super für die Schweiz.

  • Roland  Kopp 10.11.2016
    Warum kann man es nicht akzeptieren und einfach wieder zur Tagesortung übergehen? Der Mist wurde geführt und liegt jetzt dort wo er liegt! Man könnte meinen das Ganze sei ein Versicherungsfall. Wie, wann, wo, wieso, warum, bringt ja jetzt nichts mehr! Nur noch so viel, vielleicht ist Donald Trump der unmöglichste Unglücksglücksfall im Land der unbegrenzten Möglichkeiten oder begrenzten Unmöglichkeiten!
    • News  Man 10.11.2016
      Sie gehören wohl nicht zu den Menschen, die analysieren, was schief gelaufen ist und aus Fehlern lernen. Oder wie kommen Sie auf die Idee, dass das nichts mehr bringt?
    • Dracomir  Pires aus Bern
      11.11.2016
      Vielleicht ist Trump ja auch der beste Glücksfall, man wird sehen. Aber es ist schon in Ordnung, dass die Politiker und vor allem die Medien über die eigenen Bücher gehen. Schliesslich haben sie Trump nach allen Kräften schlechtgeredet und er hats trotzdem geschafft.