Noch 2 Wochen bis zur Wahl Hillarys «Wir» siegt über Trumps «Ich»

Die Königsdisziplin des politischen Streits ist das TV-Duell. Die Kandidaten kämpfen vor Millionen Wählern. Wir haben zugehört – und Punkte gezählt.

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Viel ist gesagt und geschrieben worden über Trumps Amerika. Über die Supermacht, die der Demagoge mit komischem Haar und obszöner Zunge in ein dekadentes Reich verwandle: Gold-Fassaden und törichte Gesetzesvorschläge. Mit seiner Hetze umgarne er ein dummes Volk mit populistischem Gehabe. Sogar das F-Wort fiel: faschistoid.

Nun, es kommt wohl anders. Zwar schien für Donald Trump (70) das Weisse Haus vor wenigen Wochen greifbar nahe. Als Hillary Clinton (68) in die letzte Phase des Wahlkampfs strauchelte und am 11. September nicht mehr ohne Hilfe aufrecht gehen konnte.

Dann aber folgte der wahre Test: Dreimal neunzig Minuten lang standen sich die Kandidaten gegenüber, ihre Duelle weltweit live am Fernsehen und online übertragen. Mimik gegen Mimik. Verstand gegen Verstand. Charakter gegen Charakter. Charme gegen Charme. Es sind die olympischen Spiele der Politik. Nur wer da wirklich gut ist, kann bestehen.

Noch zwei Wochen bis zu den US-Wahlen: Donald Trump weit abgeschlagen play
Die Sprechblase zeigt, welche zwölf Wörter Hillary Clinton besonders häufig verwendete. Shannon Stapleton

 

Trump ging unter. Er hatte nicht den Hauch einer Chance. Scheiterte, wie vor ihm noch nie ein Spitzenkandidat gescheitert war. Ein kurzer, giftiger Kommentar von Hillary reicht – «Putin will eine Marionette als Präsidenten» –, und schon verliert er die Fassung. Rasch merkte Amerika: Dieser Mann mag vielleicht auf Twitter zu unterhalten. Aber am G-20-Gipfel mitreden? Eher nicht!

Zumal er sich auf die wohl wichtigsten 270 Minuten seiner Karriere nicht vorbereitete. Weder Gestik noch Temperament hatte er im Griff.

Das wenige, was er über den Gang der Wirtschaft oder die Konflikte im Nahen Osten weiss, konnte er nicht in einfache Sätze fassen. Als Trump im dritten Duell sagte, «niemand respektiert Frauen mehr als ich», lachte das Publikum. Er errötete kurz. Weil er sich zur Lachnummer gemacht hatte.

Endet Trumps Wahlkampf so, wie er einst begann? Menschen aus seinem Umfeld glauben, er kandidiere nur aus Trotz; weil Präsident Barack Obama (54) beim Korrespondenten-Dinner 2012 im Weissen Haus so bissig über ihn feixte.

Anders ging Hillary Clinton die TV-Duelle an: wie eine Streberin. Sie bereitete sich vor, studierte ihren Gegner, legte sich eine Strategie zurecht. Sicher, sie hatte schwache Momente. Etwa als sie zur Clinton-Stiftung befragt wurde.

Noch zwei Wochen bis zu den US-Wahlen: Donald Trump weit abgeschlagen play
Die Sprechblase zeigt, welche zwölf Wörter Donald Trump besonders häufig verwendete. Lucas Jackson

 

Insgesamt aber walzte sie über Trump hinweg – mit Humor, Intelligenz, gewinnender Selbstsicherheit, sogar mit Charme.

Sie sagt häufiger «wir» als er. Er gewinnt beim «ich». Gemeinsam sei Amerika stark, lautet ihr Slogan. Seiner: «Ich mache Amerika wieder grossartig.» Ich.

Bände erzählen einzelne Worte, die in den drei TV-Duellen fallen: Trump verspricht viel, sagt häufig «ich werde», redet vom «Land», das er umbaue. Was fehlt? Konkretes: Ideen, Vorschläge, Relevanz. Zwar startet Trump das erste und zweite Duell besonnen. Bis Clinton ihm eine Falle stellt. Er verliert die Nerven, taumelt.

Trumps wichtigste Aussage kommt im dritten TV-Duell. Nein, er könne nicht zusichern, dass er das Resultat der Wahlen annehmen werde. Das US-System aus seiner Sicht? «Betrügerisch!»

Ein Novum in Amerika: Der Kandidat einer staatstragenden Partei zieht eine Demokratie durch den Dreck, die seit 240 Jahren ein Vorbild für die Welt ist.

Sie wird es bleiben. Das System, das die amerikanischen Gründerväter 1776 ausgeheckt hatten, funktioniert. Explizit fürchteten sie sich vor einem Demagogen wie Trump. Vor einem, der Rassismus verbreitet, eine Religion ausgrenzen will, sich als König sieht. Sie bauten Sicherungen ein. Und sie setzten auf den Streit mit Worten. Nun greift beides. Nach den TV-Duellen führt Clinton klar. Trump dürfte eine Fuss-note der Geschichte sein.

Publiziert am 23.10.2016 | Aktualisiert am 06.11.2016
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9 Kommentare
  • Steve  Steiner aus Reinach
    25.10.2016
    Clinton wurden Fragen der 2. Debate VOR der Debate zugestellt - natürlich sieht site gut aus. Trump spricht täglich an mehreren Anlässen, erläutert seinen 100 Tageplan für Amerika - und die Medien berichten nur von 10 Sekunden über Frauen Anschuldigungen. Clintons Team spricht auf Tape wie sie dafür bezahlt haben um Leute anzustellen die bei Trump Events Leute reizen. In den Medien: kein Wort.
  • Othmar   Huber 23.10.2016
    Was wenn ? Haben die Experten und "Propheten" nichts gelernt? Diese Wahlen sind keine normalen Wahlen. Die Wähler haben zum grossen Teil die Polit-Elite satt. NIEMAND hat bei den Vorwahlen geglaubt, dass TRUMP zum Kandidaten der Republikaner wird! Diese Medienwelle ist eine klare Vorbereitung, dass Trump angeblich nicht gewinnen kann. Tatsache ist, wenn nicht an den Stimmenzähler mächtig gedreht wird und ein sauberes Ergebnis herauskommen würde, kann Hillary Clinton nicht gewinnen.
  • Schmutz  Fink 23.10.2016
    Wann merken die westlichen Massenmedien eigentlich,dass die ganze Wahl ein inzeniertes Theater ist, mit mehreren Akten.
    Das ganze ist eine öffentliche Täuschung der US-Öffentlichkeit.
    Der Präsident wird nähmlich an der Wall Street gekührt.
  • Argun  Aral aus Basel, Basel-Stadt
    23.10.2016
    Egal ob Trump oder Clinton. Für mich ist Clinton noch das kleinere Übel.
    Gewinnt Clinton, wird Sie Ihr Amt nicht antreten können, weil Trump Einsprache einlegen wird.
  • Thomas  Zürcher 23.10.2016
    Natürlich wird sich die Welt weiter drehen in den nächsten 4 Jahren egal ob Trump oder Clinton an der Macht ist, aber es wird einige "Erdbeben"geben die einen "Tsunami" auslösen könnten.