Nach dem Triumph am Super Tuesday Wird Trump jetzt wirklich Präsident?

Der Tycoon aus New York hat gute Chancen, ins Weisse Haus einzuziehen. Das ist sein Weg.

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Donald Trump (69) triumphiert in Amerika. Sieben Staaten hat der Baulöwe am Super Tuesday gewonnen. Eine regelrechte Welle der Wut rollte durchs Land.

Trump gewann im aufgeschlossenen New England und im konservativen Süden. Er bringt Wähler an die Urne, die sich von Präsident Barack Obama (54) ausgegrenzt fühlen – weisse, eher ungebildete Männer, die um den Job fürchten. Die glauben, Globalisierung und Digitalisierung verweise sie auf die Strasse der Verlierer. Die Angst haben vor der Zukunft, vor Frauen und Fremden. Diese Angst trifft Trump. Gekonnt redet er Schuldige herbei: Latinos, Muslime, Eliten an der Wall Street und in Hollywood.

Trump gibt vor, sie zu verstehen

Wer ihm folgt, stört sich nicht an seiner Vulgarität, an Hass und Zorn. Sie fühlen sich davon angesprochen. Trump gibt vor, sie zu verstehen. Rühmt er sich am Fernsehen und auf Twitter als grossen Gewinner, degradiert er die anderen zu kleinen Verlierern. Daher fühlt sich als Gewinner, wer ihn wählt. Doch reicht das, um ins Weisse Haus einzuziehen? Vielleicht – gewählt ist Trump aber noch nicht.

-Zuerst muss er offizieller Kandidat der Republikaner werden. Trump gewann am Dienstag etliche Staaten, holte aber nur 36 Prozent der republikanischen Stimmen. Zusammen haben ihn seine Gegner demnach deutlich geschlagen. Cruz gewann in drei Staaten, Marco Rubio (44) in ­einem. Gebe es einen Pakt gegen Trump und schieden alle ausser einem Gegner aus – dann könnte es einem anderen Kandidaten rein rechnerisch noch reichen, Trump bei der Anzahl der Delegierten zu überholen. Das müsste vor dem 15. März passieren. Dann werden in bevölkerungsreichen Staaten wie Florida, Ohio und Illinois etliche Delegierte bestimmt. Da Cruz und Rubio (44) sich verachten, wird aber keiner verzichten.

Cruz und Rubio wollen Trump verhindern

-Sie bleiben wohl aus einem anderen Grund: Sie wollen so verhindern, dass Trump vor dem Parteikongress im Juli die Mehrheit der Delegierten erhält. Erzwingen könnten sie eine sogenannte «brokered convention» – einen Kongress, vor dem der Kandidat nicht feststeht. Ein Szenario, das es letztes Mal 1952 gab. Für die Republikaner wäre das ein Fiasko. Ein umkämpfter Kongress hinterliesse die Partei zerrissen. Ohne Einheit aber fehlt die Kraft, einen Kandidaten ins Weisse Haus zu tragen.

-Führt der Tycoon die Republikaner in die Wahl, braucht er eine Strategie, die am 8. November rechnerisch aufgeht. Achtung, jetzt wird es kniffelig. An jenem Dienstag im Herbst wird Präsident, wer 270 der 538 Wahlmänner gewinnt. Diese werden in allen 50 US-Bundesstaaten proportional zur Bevölkerung vergeben. Mehr als 270 Wahlmänner holt, wer in sogenannten Swing States gewinnt – also in Staaten, wo Mal ein Republikaner, Mal ein Demokrat triumphiert.

Trumps Plan ist der Rostgürtel

Trump hat einen klugen Plan. Der lässt sich mit einem Wort umschreiben: Rostgürtel. Das steht für die Industriestaaten im Norden der USA.

Bis anhin gingen die Republikaner davon aus, sie müssten Latinos umgarnen, um in Colorado, New Mexiko und Florida zu siegen. Diese Staaten gingen 2012 an Obama. Trump hingegen denkt an Pennsylvania,

Michigan und Ohio – an Staaten mit grosser weisser Bevölkerung im Rostgürtel. Von wo viele Jobs ins Ausland abwanderten. Deshalb will Trump hohe Zölle auf chinesische Maschinen und mexikanische Autos einführen. Eine Mauer soll günstige Arbeiter fernhalten. Glauben ihm das die Arbeiter, holt Trump den Rostgürtel. Und das reicht rein rechnerisch für das Weisse Haus.

Trump begeistert - Vernunft ist ein Hindernis

Tritt Michael Bloomberg (74) an? Der Milliardär und einstige New Yorker Bürgermeister hat durchblicken lassen, er werde einen Präsident Trump nie zulassen. Bei Umfragen schneidet er aber schlecht ab. Weil Bloomberg vernünftig ist. US-Wähler folgen aber nicht der Vernunft, sie wollen sich begeistern lassen. Wie 1960, als John F. Kennedy (1917–1963) mit seiner Jugendlichkeit die Herzen der Amerikaner eroberte. Wie 1980, als sich Ronald Reagan (1911–2004) ins Weisse Haus schauspielerte. Oder wie 2008, als der kaum bekannte Senator Barack Obama (54) eine einzige Botschaft hatte: Ich begeistere. Wie jetzt Trump.

Trump verhaspelt sich bei Bibelversen

Was machen die Frommen? Für einen Republikaner ist es schwierig, ohne die Stimmen der Evangelikalen ins Weisse Haus einzuziehen. Bleiben sie am Wahltag daheim, gewinnt der Demokrat. Sie wählen nur Kandidaten, die partout gegen Abtreibung sind. Trump bezeichnet sich zwar als Christ. Bei Bibelversen verhaspelt er sich oft. Mehrfach hat er seine Position zu Abtreibung gewechselt. Künftig wird er daher reichlich Zeit in Mega­kirchen verbringen. Immerhin: Bibel- und Rostgürtel sind an manchen Orten identisch.

Trump muss Hillary Clinton (68) schlagen. Die ehemalige First Lady will zurück ins Weisse Haus. Nie war eine Kandidatin erfahrener als sie. Gerade deshalb ist Clinton verletzlich. Sie verkörpert das Establishment, konnte bisher nicht begeistern. Ihre Strategie? Anti-Trump. Und das ist zu wenig.

Trump ist noch nicht Präsident. Aber er weiss, wie er es dorthin schafft.

Publiziert am 03.03.2016 | Aktualisiert am 03.03.2016
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BLICK-Chefautor Peter Hossli zum Super Tuesday «Donald Trump hat gute Chancen, Präsident zu werden»

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  • Gian  Scotton 04.03.2016
    Es ist völlig egal welche Marionette dort gewählt wird. Die Schattenregierung hat ihre Pläne und die werden auch ausgeführt egal, wer da kommt. Das amerikanische Volk wird noch brutaler zum Narren gehalten als wir. In den USA ging die Mittelschicht in den letzten Jahren und vor Allem seit der Kriese 07/08 dramatisch zurück. Die Superreichen besitzen jetzt noch mehr als vorher. Das Volk muss nur beschäftigt und abgelenkt werden, damit man nicht sieht, wo die wahren Schurken die Fäden ziehen.
  • Bernd  Matzgen 04.03.2016
    Ich bin klar für die Republikaner, aber nicht für Trump. Kann mir nicht helfen, aber der Mann ist mir unsympathisch und unheimlich. Dem würde ich keinen Millimeter weit trauen. Ich halte den für einen Politclown, aber einen aktiven, währen Bush Jun. ein passiver war. Bush hätte den "Knopf" nie gedrückt, weil er ihn gar nie gefunden hätte. Während Trump alle Freude hätte ihn mal zu probieren, nur weils gerade so geil ist und schön Bumm macht.
  • Werner  Schlumpf 03.03.2016
    Wenn Ende 2016 Donald Trump in den USA zum Präsident gewählt würde, dann frag ich mich ernsthaft, in was für einer Zeit leben wir? Bleibt zu hoffen, dass dieser Despot nicht gewählt wird. Wie ist es möglich, dass in einem Land mit 320 Millionen Einwohner nicht ein geeigneter Kandidat ihm die Stirn bieten kann? - unglaublich! Mein Urgrossvater, Leonhard Schlumpf, welcher im US-Bürgerkrieg (1861-1865) bei den Nordstaaten für die Abschaffung der Sklaverei gekämpft hat, würde sich im Grab umdrehen.
  • Duri  Candrian , via Facebook 03.03.2016
    Nicht einmal die Republikaner wollen Trump als Präsidenten. Er mag ein guter Unterhalter sein, aber als Politiker oder Präsident taugt er nichts.

    Wahrscheinlich ist ihm sein vieles Geld zu Kopf gestiegen. Wenn es wirklich soweit kommt, dass er als Kandidat der Republikaner nominiert wird, spielt dies Hillary Clinton zu. Dann wird sie garantiert gewählt.
    • Ernst  Ruetimann aus Trang
      04.03.2016
      Ja , als Moeglichkeit des kleineren Uebels ! Die Amis sind sicher nicht zu Beneiden um diese Wahl .-
  • Markus  Graf 03.03.2016
    Wenn Trump gewählt wird, dann haben die Amerikaner seit Bush nichts dazu gelernt, und somit auch so einen Präsidenten wie ihn verdient.