US-Wahlkampf mobilisiert auch Rassisten McCain-Fans: «Tötet Obama!»

  • Publiziert: 09.10.2008, Aktualisiert: 03.01.2012
play «NoBama!» Dieser Mann wählt McCain – nur weil dieser ein Weisser ist? (AP)

WASHINGTON – Je näher der Wahltermin für die US-Präsidentschaft rückt, desto schärfer wird geschossen. Selbst Rassisten sitzen nicht mehr aufs Maul.

Trotz aller Attacken des McCain-Lagers gegen die Demokraten: Barack Obama hat realistische Chancen auf einen Wahlsieg – könnte aber über seine eigene Haut stolpern!

Nachdem Republikaner an McCains Auftritten beim Stichwort Obama noch «Landesverräter» und «Betrüger» riefen, heisst es mittlerweise schon «Tötet ihn!» Das brüllte ein Zuhörer laut der «Washington Post», als Sarah Palin auf der Bühne in Clearwater, Florida referierte. Die Kandidatin fürs Vizepräsidium hatte Obama gerade mit dem Extremisten Bill Ayers in Verbindung gebracht.

Hau(p)tsache Politiker

Interessant: Nur wenige US-Bürger geben heutzutage noch offen zu, dass die Hautfarbe eines Politikers für sie eine Rolle spielt. Dennoch gibt es Weisse, die nie für einen Schwarzen stimmen würden. Das sagt Gary Weaver, Uni-Professor und Direktor des Instituts für interkulturelles Management in Washington.

«Sehr wenige Amerikaner gestehen ein, dass sie rassistisch denken, es sei denn, sie gehören zu den paar tausend Neonazis oder zum Ku-Klux-Klan, der nicht mehr als 1000 bis 2000 Anhänger im Süden hat», sagt Weaver. Öffentlich würden rassistische Vorbehalte verschwiegen, «weil es gesellschaftlich nicht akzeptabel ist. Aber in der Wahlkabine werden sie vermutlich gegen Obama stimmen.»

Weiteres Opfer des «Bradley-Effekts»?

Eine Umfrage der kalifornischen Stanford Universität hat ergeben, dass Obama wegen seines dunklen Teints bis zu sechs Prozentpunkte verlieren könnte. In den USA wird dieses Phänomen «Bradley-Effekt» genannt, nach Tom Bradley, dem ehemaligen schwarzen Bürgermeister von Los Angeles. Dieser unterlag 1982 bei den Gouverneurswahlen in Kalifornien, obwohl alle Umfragen ihm einen Sieg prophezeiten. (SDA/dip)

Jackson: Obama kann Türen öffnen

Jesse Jackson, ein Anführer der afroamerikanischen Gemeinschaft, war der erste schwarze Bewerber fürs Weisse Haus. Er glaubt, dass eine Wahl Obamas nicht das Ende der Rassentrennung bedeuten würde: Zu stark habe die Trennung nach Hautfarbe die amerikanische Kultur geprägt.

Eine allfällige Wahl Obamas sollte dazu genutzt werden, andere wichtige Türen zu öffnen. Jackson denkt dabei zum Beispiel an die Besetzung von Gouverneurs- und Senatorenposten durch Schwarze. Neben Obama sind nur die Demokraten Patrick Deval und David Paterson Senatoren mit dunkler Hautfarbe.
play Er wählt Obama und trägt Martin Luther Kings «Dream» auf der Brust. (AP)

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