First Lady, Senatorin, Ministerin. War da noch was? Die unbekannte Hillary

Hillary Clinton kennt jeder, weltweit. Einiges im Leben dieser Frau liegt dennoch im Verborgenen.

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Noch zehn Tage und die USA wählen den neuen Präsidenten. Wie die Umfragen derzeit zeigen, könnte es zum ersten Mal eine Präsidentin werden. Sofern ihr nicht noch ein kolossaler Fehler unterläuft, wird Hillary Clinton Geschichte schreiben. Eine Premiere wäre nicht nur ihr Geschlecht, sondern noch etwas anderes: Nie vor ihr war eine Person bei Amtsantritt bekannter als Hillary. Und zwar weltweit.

Sie war die First Lady der Neunziger, sie war die New Yorker Senatorin am 11. September, sie war die Frau, die Barack Obama 2008 nur knapp unterlag und danach doch seine Aussenministerin wurde.

Obama, die Bushs, Bill Clinton, selbst Ronald Reagan waren vor ihrer Kandidatur nur Insidern ein Begriff. Hillary? Die kennt jeder. Oder doch nicht? Vieles im Leben dieser Frau ist, wenn auch nicht ein Geheimnis, so doch erstaunlich unbekannt. Oder wussten Sie, dass Hillary ihr politisches Feuer als Republikanerin entdeckte?

BLICK zeigt Stationen und Bilder aus dem Leben einer unbekannten Weltbekannten.

Elternhaus
Am 26. Oktober 1947 kommt Hillary Rodham in Chicago zur Welt. Vater Hugh führt ein kleines Textil- unternehmen, Mutter Dorothy zieht Hillary und deren zwei Brüder (im Bild der kleine Hugh Jr.) auf. Dorothy hatte während der Grossen Depression eine traurige Kindheit: im Stich gelassen von den Eltern, tyrannisiert von den Grosseltern, nur unterstützt von zwei Lehrerinnen. Hillary kennt die Geschichte der Mutter gut. Dass der Schutz und die Ausbildung von Kindern bis heute ihre Dauerthemen sind, kommt nicht von ungefähr.

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Vater Hugh führt ein kleines Textil-unternehmen, Mutter Dorothy zieht Hillary und deren zwei Brüder (im Bild der kleine Hugh Jr.) auf. Credit via Hillary for America

Der Kennedy-Artikel
Eine Anekdote aus dem Oktober 1956: Die Wiederwahl des republikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower steht an – und die neunjährige Hillary aus dem republikanischen Haushalt der Rodhams ist ein grosser Fan. Da drückt ihr Mutter Dorothy einen Artikel im «Everywoman’s Magazine» in die Hand. Titel: «Möchten Sie, dass Ihre Tochter einmal Präsidentin wird?» Verfasst vom jungen demokratischen Senator John F. Kennedy. Es werde nicht mehr lange dauern, bis eine Frau nominiert werde, schreibt er: «Wenn sie eine Demokratin ist, hat sie meine Stimme.» Die kleine Republikanerin Hillary ist, so erzählt ihre Mutter später, trotzdem vom Artikel begeistert.

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Der Kennedy-Artikel: «Möchten Sie, dass Ihre Tochter einmal Präsidentin wird?»

Goldwater-Girl
1964, als 16-Jährige, ist sie immer noch Republikanerin. Und besucht Reden von Barry Goldwater, dem republikanischen Kandidaten in jenem Jahr. Goldwater ist gegen die Bürgerrechtsreform und steht auch sonst am rechten Flügel seiner Partei. Schülerin Hillary würde ihn wohl trotzdem wählen, wäre sie schon 21. Wenige Jahre darauf wird sie zur Demokratin.

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Hillary besucht Reden von Barry Goldwater. AFP PHOTO

Kriegsgegnerin
1969 schliesst sie am Mädchen-College von Wellesley in Massachusetts in Politologie ab. Sie ist die erste Studentin überhaupt, die beim Abschluss sprechen darf: Sie redet für sozialen Wandel und gegen den Vietnamkrieg – und erhält minutenlangen Applaus. Ihre Rede wird national bekannt. Es ist der Beginn ihrer Politkarriere.

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1969 schliesst Hillary am Mädchen-College von Wellesley in Massachusetts in Politologie ab. Bloomberg

Yale und Bill
Ab 1970 studiert Hillary Recht an der Elite-Uni Yale. Sie engagiert sich in der rebellischen Studentenzeitung, spezialisiert sich auf Bürgerrechte – und lernt einen Kommilitonen kennen, der bald nicht nur Liebespartner ist, sondern Verbündeter: Bill Clinton.

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Ab 1970 studiert Hillary Recht an der Elite-Uni Yale und lernt einen Kommilitonen kennen, der bald nicht nur Liebespartner ist, sondern Verbündeter: Bill Clinton. Bloomberg

Watergate
1973 kommt Hillary nach Washington: Sie wird ins 44-köpfige Team berufen, das die Amtsenthebung von Präsident Richard Nixon vorbereiten soll. Hier entsteht auch die erste Hillary-Legende: Sie sei entlassen worden. Die Wahrheit ist undramatischer – wie künftig so oft: Ihre Arbeit geht vorzeitig zu Ende, weil Nixon seiner Enthebung zuvorkommt und zurücktritt.

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1973 kommt Hillary nach Washington: Sie wird ins 44-köpfige Team berufen, das die Amtsenthebung von Präsident Richard Nixon vorbereiten soll. Bloomberg

Mrs. Rodham Clinton
Sie schlägt die Karrieremöglichkeiten aus, die Washington bietet, und geht 1974 in die Provinz: in den Südstaat Arkansas zu Bill. Zwei Mal muss er um ihre Hand anhalten, den dritten Antrag nimmt sie an und wird Hillary Rodham Clinton. Dass sie ihren Mädchennamen behält, passt im stockkonservativen Arkansas nicht allen.

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Zwei Mal muss Bill um ihre Hand anhalten, den dritten Antrag nimmt Hillary an und wird Hillary Rodham Clinton. Bloomberg

First Lady in Arkansas
1978 wird Bill mit 32 zum jüngsten Gouverneur der USA gewählt. Er will das Bildungswesen reformieren, das entsprechende Komitee leitet seine Frau Hillary. Nach nur zwei Jahren verliert das Team Clinton die Wiederwahl. Der Schock macht aus den beiden Revoluzzern vorsichtige Pragmatiker. Nach wiederum zwei Jahren wird Bill wiedergewählt.

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1978 wird Bill mit 32 zum jüngsten Gouverneur der USA gewählt. Nach nur zwei Jahren verliert das Team Clinton die Wiederwahl. Bloomberg

Walmart
Von 1986 bis 1992 ist sie die erste Frau im Vorstand der grössten US-Firma, der Ladenkette Walmart. Hillary setzt sich für mehr Frauen im Management ein, für eine umweltfreundlichere Geschäftspolitik. Zum gewerkschaftsfeindlichen Kurs von Walmart habe sie geschwiegen, heisst es später. Ob sie ihren Walmart-Job als Erfolg oder Fehlschlag sieht, weiss man nicht so recht. Weil sie kaum je darüber spricht.

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Von 1986 bis 1992 ist sie die erste Frau im Vorstand der grössten US-Firma, der Ladenkette Walmart. Bloomberg

First Lady in Washington
1992 wird Bill zum Präsidenten gewählt. Wie schon in Arkansas betraut er seine Frau mit seinem wichtigsten Reformdossier. Diesmal ist es die Gesundheitsreform. Es wird Hillarys grösste Niederlage. Zwar beeindruckt sie 1993 alle als Leiterin der entsprechenden Taskforce. Aber der Kongress, obwohl von den Demokraten beherrscht, lässt sie brutal auflaufen. Das Projekt wird schubladisiert.

Die Weltbühne
1995 sagt sie ihren wohl berühmtesten Satz: «Menschenrechte sind Frauenrechte, und Frauenrechte sind Menschenrechte, ein für alle Male.» Es geht um die Misshandlung und Ermordung von Frauen in aller Welt. Sie ist in Peking, an einer Uno-Konferenz über Frauengesundheit. Das Weisse Haus und China sind sauer, dass sich Hillary nicht diplomatischer ausdrückt. Dafür gewinnt sie Bewundererinnen in der ganzen Welt.

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1995 sagt sie ihren wohl berühmtesten Satz: «Menschenrechte sind Frauenrechte, und Frauenrechte sind Menschenrechte, ein für alle Male.» AP Photo

Lewinsky-Affäre
Es ist wohl Hillarys schlimmstes Jahr. Bills Lügen, dann sein Geständnis der Affäre mit Monica Lewinsky erniedrigen sie vor aller Welt. Während Wochen ist Tochter Chelsea das Einzige, was die Clintons noch verbindet (Bild). Und doch: Nie war Hillary beliebter als 1998. Die Amerikaner beginnen zu ahnen, was diese Frau aushält. Am Tag, als die Amtsenthebung des Präsidenten abgelehnt wird, sitzt sie mit Vertrauten im Büro. Thema der Sitzung: Wie machen wir Hillary in den Wahlen von 2000 zur Senatorin? Jetzt ist sie an der Reihe.

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1998 ist wohl Hillarys schlimmstes Jahr. Getty Images

Sieg, Niederlage, Comeback
Als Bill abtritt, wird Hillary Senatorin von New York. Sie erlebt den 11. September, sie stimmt für Bushs Kriege, sie kann es gut mit der Wallstreet. Zu gut, finden viele in ihrer Partei. So kommt es, dass sie nach Jahren im Zentrum der Macht nicht mehr als Hoffnungsträgerin gilt. Sie muss zusehen, wie ein charismatischer schwarzer Senator aus Illinois ihr die sicher geglaubte Präsidentschaftskandidatur entwindet. Am Ende reiht sich Hillary ein und wird Barack Obamas Aussenministerin. Diese Loyalität vergessen ihr die Demokraten nicht.

Die Unvermeidliche
Als Aussenministerin ist sie wieder beliebt. Als sie 2012 abtritt, finden viele die hölzerne Hillary sogar richtig cool. Berühmt wird das Foto mit Sonnenbrille und Blackberry im Militärflugzeug. Bittere Ironie: Genau aufgrund dieses Fotos gibt es erste Fragen, woher die E-Mails eigentlich kommen, die sie da empfängt. Es sind die ersten Vorboten des langen Wahlkampfs 2016.

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Als sie 2012 abtritt, finden viele die hölzerne Hillary sogar richtig cool. AP Photo
Publiziert am 28.10.2016 | Aktualisiert am 31.10.2016
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27 Kommentare
  • Rolf  Gerber aus Zürich
    29.10.2016
    Um aber die aktuelle HC besser kennen zu lernen und zur Vervollständigung des HC-Bildes sollte jeder Restweltbürger auf YouTube mal den ARD Beitrag - Falkin im Weißen Haus? - ansehen und gut zuhören. Wir sollten hier nicht wie Amerikaner in den USA denken. Wir sollten auf den Einfluss, ja auch der Wirtschaft, auf Europa im Auge haben. Die US-Bürger sind zweitrangig und es tut mir ja leid, dass ich sie genau aus diesem Grund mit Trump "bestraft" sehen will. Ist einfach besser für Europa/Restwelt
  • Larry  Kaufmann 28.10.2016
    Ihre Aemter verdankt Hillary weitgehend Bill. Ja, sie hat viele politische Jobs durchlaufen, aber die Meisten nur für relativ kurze Zeit. Und am Schluss zählen Leistung und Erfolg in jedem Job, und da sieht Hillary schlecht aus. Als Aussenministerin währen da Libyen, der miese Iran-Deal, der verpennte Aufstieg der IS im Machtvakuum von Nordirak nach dem politisch motivierten schnellen US-Abzug, und Nordkorea zu erwähnen. Und dann ist noch die wichtige Frage der Ethik und Ehrlichkeit...
  • German  Schnyder , via Facebook 28.10.2016
    neu Besen kehren immer besser
    warum muss das präsidenten amt in der familie Clinton bleiben
    das ist nie gut wenn ein familien clan
    lange zeit die oberhand gewinnt
    es gibt beispiele genug auf der welt
  • Jsa  Sigron aus Schangnau
    28.10.2016
    Hoffentlich keiner der beiden wird Präsident. Beide tun weder Amerika noch dem Resten der Welt gut.
    • Rolf  Gerber aus Zürich
      29.10.2016
      Da dies eine Wunschvorstellung ist, muss Europa lediglich schauen, bei welchem Kandidaten die Kosten, die es bei beiden geben wird, kleiner sind. Da sehe ich Trump vorne, da in 4 Jahren nicht so viel kapput gehen kann wie bei 8 Jahren (durch die Verbindungen sehr wahrscheinlich) Aussenpolitik von HC. Diese Aussenpolitik wird noch viele Jahre nach HC noch belastend sein.
  • Annemarie   Setz 28.10.2016
    Klar gibt es jetzt kurz vor Schluss noch einen kräftigen Tritt gegen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, werden auch da noch tief in den Boden gegraben, um Unangenehmes hervorzubuddeln. Es soll ja nicht an "Ausgewogenheit in der Zeitung" fehlen, sonst schadet man ja dem "Gutmenschen" Trump, der es für die USA zum Besten richten will.