Die Republikaner haben ein Problem: Palin

WASHINGTON – Wie eine Dosis politisches Viagara wirkte die Ernennung der jungen Senatorin aus Alaska auf den Wahlkampf von John McCain. Doch jetzt hat sich Katerstimmung eingeschlichen – und Angst.

  • Publiziert: 29.09.2008, Aktualisiert: 19.01.2012

Nach der Euphorie über die Ernennung von Sarah Palin als republikanische Vize-Kandidatin hat sich inzwischen Ernüchterung in den Reihen der Republikaner breitgemacht. Analysten zufolge schwindet die Unterstützung der Senatorin, die erst so erfrischend auf den Wahlkampf der Republikaner gewirkt hatte.

Dabei ist auch das Alter von John McCain ausschlaggebend. Sollte er als gewählter Präsident abtreten müssen, würde Palin folgen. «Viele denken aber mittlerweile, dass Palin für das Amt der Präsidentin nicht bereit ist», erklärt die Politologin Sherry Bebitch Jeffe.

Dass Sarah Palin den Eindruck erweckt, dem Präsidentenamt kaum genügen würde, hat sie ihren drei öffentlichen TV-Auftritten zu verdanken. Hier wirkte sie alles andere als kompetent. Letzte Woche sass sie bei CBS vor der Kamera.

Und liess gleich eine Menge unqualifizierte Sätze von sich: Statt sich von ihrem Schnitzer beim ABC-Interview zu distanzieren, unterstrich Palin noch einmal, dass die geografische Nähe Alaskas zu Russland ihr nützliche aussenpolitische Erfahrung verliehen habe (siehe Video). Oder dass die US-Truppen den «Sieg» im Irak gesichert hätten. Oder dass Amerika ein «Licht ist, das durch die Welt gebraucht wird.»

Gut kam das alles nicht gerade an.«Palin war ein interessantes neues Gesicht in einer Politik, die sich vermehrt nach Berühmtheiten, Status und Aufmerksamkeit ausrichtet. Doch jetzt hat der Glamour abgenommen. Der Fokus richtet sich darauf, was Palin weiss – und was nicht. Vor allem vor dem Hintergrund der Finanzkrise, die die Menschen ängstigt und alarmiert», sagt Politanalyst Jack Critin von der Universität Berkeley.

Kein Blatt vor den Mund nimmt die prominente Kolumnisten Kathleen Parker. Sie schrieb im «National Review»: «Palin ist eine solche Schande für die Partei, dass sie zurücktreten sollte.»

Auf Palins erste Debatte mit dem politisch sehr erfahrenen Vize-Kandidaten der Demokraten, Senator Joe Biden, darf man am nächsten Donnerstag also gespannt sein. (gux)

play Sarah Palin: «Eine Schande für die Partei.» (Reuters)

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