Deutschland im Obama-Fieber

BERLIN - Man könnte meinen, der «Börliner» kehrt heim. Ganz Deutschland schaut gebannt nach Berlin - und empfängt Barack Obama wie einst John F. Kennedy.

  • Publiziert: 24.07.2008, Aktualisiert: 14.01.2012

Über 700 Polizisten stehen bereit. Berlin ist im Ausnahmezustand. Und alles nur wegen eines einzigen Gastes: Barack Obama.

Auf seiner Auslandstour macht der US-Präsidentschaftskandidat der Demokraten nach seiner Reise durch den Nahen Osten nun in Deutschland Halt. Dort wird er empfangen wie ein Superstar – von den Offiziellen wie vom Volk.

Unmittelbar nach seiner Landung mit der «Obama One» (eine Boeing 757-200) im Berlin Flughafen Tegel gehts für ihn zum Bundeskanzleramt. Dort empfängt ihn eine gut gelaunte Angela Merkel.

Höhepunkt seiner Deutschland-Visite wird Obamas Rede vor der Siegessäule in Berlin sein – wohlgemerkt die einzige öffentliche Rede auf der Europatour des Amerikaners. Laut «Bild.de» werden dazu über 100000 Menschen erwartet. Hunderte von Fernsehstationen tragen das Bild hinaus in die Welt. Danach reist Obama weiter nach Paris und London.

Die bevorstehende Rede hat mindestens für Deutschland einen hohen Symbolcharakter. Viele bringen sie mit dem legendären «Ich bin ein Berliner»-Auftritt von John F. Kennedy im Juni 1963 in Verbindung.

Der Vergleich ist nicht zufällig. Wahltaktisch klug wird Obama öfters mit dem Mythos JFK verglichen: Obama ist wie JFK jung (46), steht für ein gerechteres Amerika, predigt eine bessere, friedlichere Zukunft, verbreitet Hoffnung.

Jetzt hoffen Deutschland und der Rest Europas darauf, dass sich mit einem möglichen US-Präsidenten Obama auch die angeschlagenen Beziehungen zu den USA verbessern werden. Die Politik des jetzigen US-Präsidenten George W. Bush hat vor allem auch im grossen Kanton zu einer merklichen Abkühlung der Kontakte zur Weltmacht Amerika gesorgt.

Wie der glamuröse Empfang in Deutschland zeigt, hat Europa seinen Lieblingskandidaten fürs Weisse Haus bereits gekürt: Barack Obama. (ent)

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Austausch mit Merkel und Steinmeier

Beim rund einstündigen Gespräch von Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel ging es vor allem um die internationalen Krisenherde: Der Iran, die Lage in Afghanistan, Pakistan und der Nahost-Friedensprozess waren Themen. Die beiden thematisierten aber auch die Fortführung der transatlantischen Wirtschaftspartnerschaft und sprachen über den Umweltschutz und die Energiepolitik.
«Es war ein sehr offenes Gespräch mit Senator Obama», sagte ein Regierungssprecher. Beim anschliessenden Treffen im deutschen Aussenministerium begrüsste Minister Steinmeier den Senator mit offenen Armen. Auch er sei sehr zufrieden mit dem Gespräch, «weil wir eine Übereinstimmung über unser Engagement in den wichtigen Krisenregionen haben», sagte Steinmeier nach seinem Treffen mit Obama.
play Herzlich empfängt Bundeskanzlerin Angela Merkel den US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama. (AP/Reuters)

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