
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Sie ist die erste Amtshandlung eines frisch vereidigten Präsidenten: die Ansprache zur Amtseinführung – die Inaugurations-Rede, wie die Amis sagen.
Und manche Präsidenten lieferten schon in den ersten Amtsminuten jene Sätze, die sie unsterblich machten. Etwa diesen: «Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst.» Das sagte Franklin Delano Roosevelt am 4. März 1933 zu einer verzweifelten Nation. Einem Land, das unter der Grossen Depression litt – und das endlich wieder Mut schöpfen wollte. Im Grunde genauso wie die USA von heute.
Doch Barack Obama muss an diesem Dienstag nicht nur seinen Landsleuten Mut machen. Heute, um 18 Uhr Schweizer Zeit ist die Westfront des Kapitols in Washington Mittelpunkt der ganzen Welt. Mehr als eine Milliarde Menschen werden zusehen, wie Barack Obama den Amtseid leistet.
Und sie werden ihm zuhören, was er danach zu sagen hat. Vielleicht liefert auch er Worte, die ihn unsterblich machen. Obwohl – das hat er ja bereits: «Yes, we can!» Und eine Legende ist Obama eigentlich auch schon.
Ein anderer Präsident musste erst zu einer solchen werden: John F. Kennedy, deram20. Januar 1961 antrat, nachdem er nur haarscharf, mit 0,2 Prozent Vorsprung gegen Richard Nixon gewonnen hatte. Am ersten Amtstag schrieb er seinen Landsleuten ins Stammbuch: «Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt.»
Ein mutiger Satz nach so einer knappen Wahl. Aber die Worte hatten Bestand. Vielleicht auch, weil der junge Präsident schon drei Jahre später erschossen wurde.
Obama wird wohl an Roosevelt und Kennedy erinnern. Eher jedenfalls als an einen weiteren berühmten Amtseinführungs-Satz: «Der Staat ist nicht die Lösung unserer Probleme – der Staat ist das Problem.» Das sagte Ronald Reagan, als er am 20. Januar 1981 das Ruder übernahm.
Fast 30 Jahre später wirkt Reagans Spruch ramponiert. Denn auf den Staat hoffen inzwischen selbst die freiheitsliebenden Amis. Und vielleicht wird Obama, der Riesen-Hoffnungsträger, sogar vor zu grossen Erwartungen warnen.
Es wäre eine Besinnung auf die Gründerväter: Denn ausgerechnet der erste Präsident George Washington entschuldigte sich 1789 erst einmal, dass er sich überhaupt an das Amt wage: «Ich bin mir meiner Mängel sehr wohl bewusst.»
Und Thomas Jefferson, immerhin einer der US-Verfassungsväter, sagte 1801 schlicht: «Diese Aufgabe übersteigt meine Talente.» George W. Bush traute sich da mehr zu. Am 20. Januar 2001 versprach er, er werde «führen» – und «das öffentliche Wohl mutig fördern, für mehr Gerechtigkeit und Mitgefühl kämpfen und mehr Verantwortung einfordern».
Es kam dann etwas anders. Doch auf das, was ihr Bush da vor acht Jahren versprach, hoffen die USA und die Welt noch immer. Die Hoffnung hat nun einen anderen Namen: Barack Obama.