WASHINGTON – Obama liegt vor McCain. Das dürfte sich auch in der heutigen TV-Debatte bemerkbar machen. Aber die Amerikaner sind sich schon so einiges gewohnt. Schauen Sie drei denkwürdige Debatten-Momente in der US-Geschichte!
John McCain und Barack Obama treffen heute zum zweiten Mal aufeinander. Dabei hat McCain diese Woche einen deutlich aggressiveren Ton angeschlagen. Gestern warf er Obama bei einem Wahlkampfauftritt in New Mexico so Einiges vor: Obama sei ein Lügner, ein unehrenhafter, ja sogar gefährlicher Politiker, der aus dem Nichts aufgetaucht sei.
Die aggressive Flucht nach vorne hängt auch mit dem grösser werdenden Rückstand der Republikaner zusammen: Gemäss «CNN» liegt Obama acht Prozentpunkte vor McCain. Das heisst, 53 Prozent der Befragten wollen am 4. November für Obama stimmen, 45 Prozent für McCain. Auch in den täglichen Erhebungen des Gallup-Instituts liegt Obama mit 50 Prozent vor McCain (42 Prozent).
Angesicht dieser Zahlen darf man gespannt sein, wie sich McCain heute Abend in der Debatte geben wird. Die Amerikaner sind sich allerdings schon so einiges von den Wortgefechten der Präsidentschaftskandidaten gewohnt: Mal gaben die Politiker unglaubliche Dummheiten von sich, mal waren sie überraschend witzig, mal überschätzten sie sich grossartig. Überzeugen Sie sich selbst!
<b>«Sowjetunion hat keinen Einfluss auf Osteuropa»</b>
Die TV-Debatte der Präsidentschaftskandidaten Gerald Ford und Jimmy Carter 1976. Sie bleibt dank der Aussage des Republikaners Ford in Erinnerung. Dieser behauptet nämlich: «Es gibt keine sowjetische Dominanz über Osteuropa». Moderator Max Frankel von der «New York Times» kann nur ungläubig nachfragen, ob Ford dies wirklich ernst gemeint habe. Doch der beharrt darauf: Polen, Rumänien und Jugoslawien werden von den Sowjets nicht unterdrückt. Diese Falsch-Behauptung kostete Ford schliesslich den Wahlkampf.
<b>Reagan nimmts mit Humor</b>
Ronald Reagan und Walter Mondale, Wahlkampf 1984. Danach gefragt, ob er mit 73 Jahren nicht zu alt für das Präsidentenamt sei, antwortete Reagan: «Ich werde die Jugendlichkeit und Unerfahrenheit meines Gegners nicht aus politischen Gründen ausnützen». Reagan hatte die Lacher auf seiner Seite – immerhin war Mondale mit seinen 60 Jahren ebenfalls nicht mehr der Jüngste. Humor war eine der Stärken Reagans. Er wurde zum zweiten Mal US-Präsident.
<b>Dan Quayle vergleicht sich mit Kennedy</b>
Der Republikaner Dan Quayle in der Debatte der Vize-Präsidenten 1988. Quayle ist so anmassend, sich mit John «Jack» F. Kennedy zu vergleichen. Der Demokratische Konkurrent Lloyd Bentsen daraufhin: «Ich habe mit Jack Kennedy gedient. Ich kannte Jack Kennedy. Jack Kennedy war ein Freund von mir. Senator, Sie sind nicht Jack Kennedy». Quayle konnte wegen des lauten Gelächters im Saal nicht weitersprechen. Doch trotz dieser Blamage und weiterer Schnitzer von Vize Dan Qualye gewann George H. Bush das Rennen ums Weisse Haus.