Das meint BLICK zurTrump-Wahl Die Strafe für Nachlässigkeit

Die Wahl von Donald Trump ist der Preis dafür, dass die US-Medien nicht nur seine Talente, sondern auch seine Skandale nicht ernst genommen haben.

Donald Trump ist Präsident: Ist das die Strafe für Nachlässigkeit? play
Grosse Überraschung: Donald Trump spricht nach dem Wahlsieg in New York vor seinen Anhängern. KEYSTONE/EPA/SHAWN THEW

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Wie konnte es so weit kommen?

Es ist die wichtigste Frage in diesen Stunden. Nicht nur in den USA, sondern in der ganzen westlichen Welt. Denn auch wenn wir in unserem Bedürfnis nach Normalität dazu neigen, Katastrophen zu Missgeschicken umzudeuten und Scharlatane zu verkannten Talenten – im mächtigsten Land der Welt ist nicht nur ein Unfall passiert. Eine Reihe teils jahrhundertealter Sicherungen sind durchgebrannt. 

Mit Donald Trump ist genau der Mann Präsident geworden, vor dem die Väter der amerikanischen Verfassung immer Angst hatten: der hemmungslose Populist ohne Sinn für Ausgleich und Bürgertugenden. Jetzt wird sich zeigen, ob das Check-System, das den amerikanischen Präsidenten einengt, wirklich halten wird.

Die Aussichten sind schlecht. Trump selber ist ein rachsüchtiger Mann, der seine Kandidatur wohl überhaupt erst begann, weil er von Barack Obama am Dinner der Korrespondenten vor vier Jahren so brutal verspottet wurde. Dass er zuvor dem ersten schwarzen Präsidenten die Legitimität abgesprochen hatte, spielte für ihn keine Rolle. So funktioniert er, und das konnten alle wissen, die es wollten.

Jetzt aber hat Trump nicht nur das mächtigste Amt der Welt zur Verfügung, er hat an seiner Seite auch eine republikanische Parlamentsmehrheit samt einer konservativen Hälfte des Obersten Gerichts, die seit Jahren beweist, dass Parteilichkeit ihr weit wichtiger ist als die Interessen des Landes.

Trump wird zunächst im Gericht eine rechte Mehrheit einrichten und danach freie Hand haben für ein Programm, das selbst Konservative für gefährlich halten.

  • Steuersenkungen für die Superreichen, die das Land ruinieren werden.
     
  • Die Rückkehr eines Protektionismus aus dem 19. Jahrhundert.
     
  • Ein Stopp aller Massnahmen für den Klimaschutz.
     
  • Der Versuch, Millionen von illegalen Einwanderern auszuschaffen.
     
  • Die Mauer an der Grenze zu Mexiko, die er so lange versprochen hat.

Es ist ein Katalog, der bei den Wählern im Südosten und im Rostgürtel der USA offenbar verfangen hat.

Gewiss, es war Arroganz, diesen Mann und seine so begeisterten Anhänger so krass zu unterschätzen. Es war aber auch echte und ehrliche Zurückweisung dieses Programms. «Das ist nicht Amerika», sagte nicht nur die grosse Mehrheit der Kommentatoren, sondern auch – das darf man nicht vergessen – ein grosser Teil der republikanischen Partei.

Zahlreiche konservative Meinungsmacher, die ihren Präsidenten, den beiden George Bushs und schon Ronald Reagan, stets loyal zur Seite standen, haben sich deutlich von Trump distanziert. Sie werden nicht einfach zu ihm zurückkehren können.

Wie also konnte es so weit kommen?

Womöglich hat diese breite Ablehnung gegen Trump, sein Programm und seine oberflächliche Art des Politisierens zu falscher Sicherheit geführt. Die US-Medien haben ihn und seine Vergangenheit – die Betrügereien, die zweifelhaften Konkurse, die Verachtung für Frauen und Minderheiten – links liegen lassen und stattdessen eine Wahl wie üblich geführt.

Wie sie es aus der Zeit Bill Clintons gewohnt waren: mit zwei absurd überzeichneten Skandalen um Hillary Clintons Server und Tausende letztlich unerheblicher E-Mails sowie um schlicht erfundene Bereicherungsvorwürfe gegen die Clinton-Stiftung und ihre humanitäre Arbeit.

Aber alles hatte so für die grossen Medientitel des Landes eine gewisse wohlige Vertrautheit. Es erinnerte an die alten Zeiten, an die 90er-Jahre, an Monica Lewinsky und dergleichen. Und dieser extremistische Wirrkopf, der da nebenbei noch Lärm schlug an den Versammlungen seiner Fans? Den überliess man den Komödianten und Late-Night-Shows. Denn letztlich war Donald Trump doch bloss eine Witzfigur, nicht?

Nun ist diese Witzfigur Präsident.

Der Welt ist das Lachen schlagartig vergangen. Eine Mehrheit der US-Wähler wird begeistert sein und sich bestätigt fühlen, und das ist ihr gutes Recht. Es wird sich zeigen, wie lange diese Begeisterung anhält.

Vielleicht wächst ihr Held ja im Amt und belehrt seine Kritiker abermals eines Besseren. Vielen von denen – einschliesslich dem Schreibenden – wäre das lieber, als dass ihre Befürchtungen wahr werden.

Wie kam es so weit? Vielleicht wäre die US-Wahl 2016 anders herausgekommen, hätten die Trump-Skandale dieselbe Aufmerksamkeit erhalten wie die Arbeits-Mails einer Aussenministerin. Eine Pflichtvergessenheit, deren Folgen nun die ganze Welt trägt.

Blick.ch berichtet rund um die Uhr live: Verfolgen Sie die Wahl im Live-Ticker zur US-Wahl .

Publiziert am 09.11.2016 | Aktualisiert am 09.11.2016
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60 Kommentare
  • Meyer  Roman aus Aarau
    09.11.2016
    Blick und alle anderen Medien, wollten das Volk beeinflussen und Trump verhindern.

    Voll fehlgeschlagen, die Medien haben keine Macht oder Einfluss auf das Volk.

    Das Volk Entscheidet immer Richtig, und die Medien fast immer Falsch.

    Warum ist das so, warum glaubt man den Medien nichts.

    Ronald Regan haben die Medien 1 Jahr lang Negativ geschrieben, und das Volk hat ihn Gewählt.
    Er hat Frieden in Europa gebracht, DDR aufgelöst usw.











  • Albert  Inglin 09.11.2016
    Thomas Ley@: Mir haben beide Kandidaten nicht überzeugt. Ich als eher Rechtswähler hätte trotzdem die Stimme Clinton gegeben. Warum sind jetzt alle so überrascht (ich übrigens auch)? Ich habe mich auf die vorwiegend linksdenkende Berichterstattung der Medien verlassen (müssen), die Trump k(l)eine Chance eingeräumt hat. Die Realität sieht nun anders aus. Vielleicht sollten sich die Medien ob ihrer oberflächlichen Berichterstattung hintersinnen?
  • Arnold  Husy 09.11.2016
    Trump blieb über den ganzen Wahlkampf sich selbst - ob das gefiel oder nicht ist gar nicht die Frage.
    Clinton wirkte falsch, verlogen, unehrlich und vor allem dazu noch überheblich.

    So hatten die Wähler gar keine Wahl mehr. Mit Trump weiß man was man hat - so einfach ist das!
  • Daniel  Grünenfelder 09.11.2016
    Scheint so, als hätte Trump eben den Nerv der "Normalos" getroffen, was Clinton offensichtlich verpasst hat. Oder vielleicht war es bei vielen Wählern auch banaler, nämlich das Auftreten von Clinton, je näher die Wahlen kamen. Kaum mehr ein Statement in vernünftigem Tonfall, wo sie hinkam, sich aufführte und feiern liess wie eine Sportlerin, die soeben wieder einen Fabel-Weltrekord aufgestellt hat. Gut möglich, dass viele genug von diesem hysterischen Geschrei und sich selber feiern hatten.
  • Stefan  Huser aus Kriens
    09.11.2016
    Seht mal wie all diese hochstudierten meinungsmacher ihre meinung wieder wechseln. sie alle haben versagt. dass schlimme ist, wie die presse/medien millionen von menschen manipulierten. mit trump, alles wird gut werden. bin froh dass hillary saglich verloren hat. gut für amerika.