Das meint BLICK-Chefredaktorin Iris Mayer Amerikas Albtraum

Trump zieht ins Weisse Haus ein, weil er Misstrauen und Wut verkörpert. Er hat sich die Ängste der einfachen Menschen nicht einfach nur zunutze gemacht, er hat sie auch entfesselt und geschürt.

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Iris Mayer, Chefredaktorin

Ein Tellerwäscher kann Millionär werden – das ist der amerikanische Traum. Und ein irrer Rassist kann Präsident werden – das ist der amerikanische Albtraum. Gestern ist er Wirklichkeit geworden. Die älteste Demokratie der Welt schickt einen frauenverachtenden Hassprediger ins Weisse Haus. Sie überträgt einem Steuertrickser die Kontrolle über die grösste Volkswirtschaft der Welt. Sie überlässt einem Mann, dessen Temperament nur bedingt twittertauglich ist, den Code für die Atomwaffen.

Trumps Triumph haben die wenigsten für möglich gehalten, und die meisten würden ihn lieber noch immer nicht wahrhaben. Auch BLICK war sich sicher und prophezeite in der Dienstagausgabe mit Blick auf Hillary Clinton: «Frau gewinnt, Frauen verlieren». Nun dürfte allein der zweite Teil dieses Satzes in Erfüllung gehen.

Barack Obama zog vor acht Jahren ins Weisse Haus ein, weil er die Hoffnung verkörperte. Trump zieht ins Weisse Haus ein, weil er Misstrauen und Wut verkörpert. Er hat sich die Ängste der einfachen Menschen nicht einfach nur zunutze gemacht, er hat sie auch entfesselt und geschürt. Er hat das Land tief gespalten, gegen Minderheiten gehetzt, im Einwanderungsland Stimmung gegen Ausländer gemacht, immer wieder die Apokalypse heraufbeschworen. Jetzt ist sie da – in Gestalt eines zornigen Populisten, der Amerikas Verbündete in aller Welt auf eine harte Probe stellen wird.

Trumps Wahl zum 45. Präsidenten der USA ist ein Einschnitt für Amerika, und sie ist ein Fanal für die freie Welt. Amerika war lange Weltpolizist – egal, ob geliebt oder verhasst. Aber wie will Washington Weltpolizist spielen, wenn der mächtigste Mann nur Verachtung für Recht und Ordnung übrig hat? Amerika kann selbst für Freunde nicht mehr das Mass sein, wenn ein Massloser regiert.

Und dennoch gibt es auch Hoffnung. Amerika mag zwar einem Unzurechnungsfähigen zur Macht verholfen haben, aber seinen Mächtigen hat es immer genau auf die Finger geschaut. Für den Präsidenten Trump gelten die Regeln der Verfassung, nicht die selbst gewählten Grenzen von Scheusal Donald.

Publiziert am 10.11.2016 | Aktualisiert am 11.11.2016
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66 Kommentare
  • Bert  Steinegger aus Zürich
    10.11.2016
    Ich verstehe absolut, wie man Angst vor Benachteiligung und vor Armut haben kann. Nur verstehe ich nicht, wieso dann ausgerechnet ein Donald Trump der Retter der Armen und Abgehängten sein soll? Ein Multimilliardär, der keine Steuern bezahlt, Privatschulen und Eliteunis besuch hat, soll sich mit dem kleinen Mann identifizieren?

    Hätten dann nicht all diese Leute eher für einen Bernie Sanders stimmen müssen, der sich für mehr Bildung und Minderung der Klassenunterschiede einsetzt?
    • Sarah  Keller 10.11.2016
      Glauben Sie wirklich, der "White Trash" sei durch zu wenig Bildung entstanden? Haben also die ganzen früher in den betroffenen Industriezweigen Arbeitenden zu wenig Bildung mitgebracht, und niemandem ist das aufgefallen? Wohl kaum. Genauso wenig, wie diejenigen Leute zu wenig Bildung mitbrachten, die diese Industrien allesamt Gewinn "optimierend" in Billig-Produktionsländer verschoben haben und damit eine neue, weisse Schicht geschaffen haben, die nun im Auto oder aus dem Einkaufwagen lebt.
    • Bert  Steinegger aus Zürich
      10.11.2016
      @ S. Keller
      Fakt ist, dass es v.a. im Zentrum der USA viele Menschen gibt, die keine Arbeit finden. Natürlich hat das viel damit zu tun, dass in den letzten Jahren ganze Industriezweige weggebrochen sind.

      Aber diese Zweige sind nun mal weg und werden so schnell nicht wieder erblühen, da hilft alles fluchen und schimpfen nicht. Also muss man den Leuten (oder zumindest ihren Kindern) doch neue Perspektiven bieten. Und dafür ist eine angemessene Bildung und Ausbildung sicher wichtig.
    • Sarah  Keller 10.11.2016
      Gut und recht, Herr Steinegger, aber diese drastische Verschlechterung ist ja eben gerade unter der demokratischen Regierung für mehr Bildung und Minderung der Klassenunterschiede eingetreten! Da kann man es einem durchschnittlich ausgestatteten Wähler-Denkapparat nicht verübeln, dass er jetzt erst mal genug gesehen hat und das Gegenteil wählt. Das auch nicht besser sein wird, wohlverstanden (Pest oder Cholera behalten für mich auch nach der Wahl nach wie vor ihre Gültigkeit.)
    • Bert  Steinegger aus Zürich
      10.11.2016
      So wie Sie es darstellen, kann ich eine Wahl Trumps (teilweise) nachvollziehen. Da es für besagte Bevölkerungsschicht ohnehin schwierig wird in Zukunft, kann man theoretisch eh jeden wählen (eben Pest oder Cholera).

      Nur verstehe ich immer noch nicht, wie viele dieser Leute voll Feuer und Flamme Trump wählen (also eben nicht Pest oder Cholera). Dann müsste man doch fast eher einen (aus US-Sicht) Sozialisten wie Sanders wählen, dem vielleicht wirklich etw. an den Arbeitern liegt.
    • Bert  Steinegger aus Zürich
      10.11.2016
      So wie Sie es darstellen, kann ich eine Wahl Trumps (teilweise) nachvollziehen. Da es für besagte Bevölkerungsschicht ohnehin schwierig wird in Zukunft, kann man theoretisch eh jeden wählen (eben Pest oder Cholera).

      Nur verstehe ich immer noch nicht, wie viele dieser Leute voll Feuer und Flamme Trump wählen (also eben nicht Pest oder Cholera). Dann müsste man doch fast eher einen (aus US-Sicht) Sozialisten wie Sanders wählen, dem vielleicht wirklich etw. an den Arbeitern liegt.
    • Bert  Steinegger aus Zürich
      10.11.2016
      Im Übrigen, Frau Keller, finde ich sehr angenehm, dass mit Ihnen offenbar trotz unterschiedlicher Ansichten ein gesitteter Austausch möglich ist. Das ist hier leider viel zu selten der Fall. Wird doch üblicherweise einfach (die hier vorherrschende Meinung) gebrüllt und behauptet und gar nicht darauf geachtet, ob auch ein anderer allenfalls einen interessanten Punkt erwähnt haben könnte.
  • Rolf  Gurtner aus Münsingen
    10.11.2016
    Was hat unsere Presse im Wahlkampf nicht alles geboten? Das erinnerte stark an die Reagan-Aera. Da spottete man auch über den Cowboy und B-Klasse Schauspieler. Auch bei Trump sahen wir nur die schlechtesten Bilder und was wurde ihm nicht alles unterstellt. Dabei vergass unsere abgehobenen Sozi-Presse einmal mehr, wer denn da wählt. Wer weiss, wie die Amis ticken, kannte das Resultat. So einfach. Ich wurde ausgelacht, als ich es voraussagte...
    • Bert  Steinegger aus Zürich
      10.11.2016
      Naja, es war ja sehr knapp, die Mehrheit der Menschen hat ja sogar für Clinton gewählt. Von daher kann doch keine Rede davon sein, "wie die Amis ticken". Die Wahl zeigte ein ziemlich gespaltenes Land. Die Küstenstaaten umd Kalfornien und New York mehrheitlich blau und der Rest rot.
  • Peter  Beutler aus Beatenberg
    10.11.2016
    Herzlichen Dank für diesen mutigen Beitrag. Sie, Frau Mayer, haben den Nagel auf den Kopf getroffen.
  • Andreas  Marty , via Facebook 10.11.2016
    Frau Mayer hat leider absolut recht. Und leider haben es die US Medien während dem Wahlkampf verpasst, diesen Trump als das zu bezeichnen, was er ist: eben ein Rassist und tobender Egoist. Ich bin ziemlich besorgt.
    • Bert  Steinegger aus Zürich
      10.11.2016
      Aber, aber, Ängste und Sorgen, haben doch nur die Wutbürger, die von der gemeinen Welt übergangen werden!

      Wo kämen wir denn hin, wenn Sie und ich plötzlich auch Sorgen äussern könnten, die nicht genug ernst genommen werden? Dann hätten die Geiferer und Parolenbrüller ja gar kein Alleinstellungsmerkmal mehr.
  • Michael  Koch 10.11.2016
    Sehr peinlich für eine Chefredakteurin, in unterster, beleidigender Boulevardmanier ihren Frust abzubauen. Vielmehr sollte es zu Denken geben warum Trump gewinnen konnte, warum offenbar die Hälfte der Amerikaner unzufrieden sind mit der aktuellen Politik.
    Aber Selbstreflektion ist der in Politik offenbar nicht üblich und so muss man sich auch nicht wundern, dass Trump, LePen die AfD etc. einen derartigen Aufwind haben, wenn all die abgehobenen Parteien weder Ängste noch Sorgen des Volkes kennen!