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Dabei ist Joe Biden, der neue US-Vizepräsident, ein politisches Schwergewicht, dessen Handschrift in der künftigen Politik erkennbar werden dürfte.
Biden ist ein respektierter Experte für Aussenpolitik, ein für Witz und Schlagfertigkeit gefürchteter Redner – und als Vizepräsident ist er «nur einen Herzschlag entfernt von der Präsidentschaft": Der 66-Jährige wird automatisch ins Präsidentenamt aufrücken, falls dem Amtsinhaber etwas zustösst.
Aussenpolitische Erfahrung
Biden bringt einiges in den inneren Machtzirkel mit, was dem künftigen Präsidenten noch fehlt. Seine aussenpolitische Erfahrung ist in Jahrzehnten gewachsen.
Als Vorsitzender des Aussenausschusses im Senat traf er mit mehr ausländischen Staatsmännern zusammen als Obama, erst vergangene Woche war er im Irak und in Afghanistan.
In seinen 36 Jahren im Senat hat sich Biden intime Kenntnisse als Strippenzieher im Washingtoner Kongress angeeignet, er könnte als Obamas Kontaktmann zum Parlament eine Schlüsselrolle im Machtgetriebe spielen.
Bidens Lebensgeschichte ist eine jener Aufsteiger-Biografien, wie sie die USA lieben. Seine Jugend war geprägt von ständiger Finanznot der Eltern und von der Scham über sein Stotter-Leiden. 1972 wurde er mit 29 Jahren zum jüngsten Senator gewählt.
Dem Triumph folgte die Tragödie: Wenige Wochen später starben seine Frau und seine kleine Tochter bei einem Autounfall, die zwei Söhne wurden schwer verletzt.
Den Kindern zuliebe blieb er in seinem Heimatstaat Delaware wohnen und pendelte jeden Morgen zwei Stunden mit dem Zug in die Hauptstadt. Inzwischen ist Biden in zweiter Ehe verheiratet.
«Ehrwürdiger Schlussstein»
Bereits zwei Mal hat Biden selbst Anlauf aufs Präsidentenamt genommen, war dabei aber jeweils früh in den Vorwahlen gescheitert. Diese Ambitionen hat er aufgegeben. Das Vize-Amt sieht er als «ehrwürdigen Schlussstein meiner Karriere», sagte er vor einigen Tagen der «New York Times».
Traditionell haben Vizepräsidenten in den USA oft selbst das Weisse Haus im Auge, sie nutzen ihr Amt zur Positionierung für die nächste Wahl. Biden aber hat bereits klar gemacht, dass sich sein Ehrgeiz darauf beschränken wird, Obamas Präsidentschaft zum Erfolg zu machen. Danach will er sich zur Ruhe setzen.
Die US-Verfassung räumt dem Vizepräsidenten eigentlich wenig Macht ein. Legendär ist die frustrierte Klage von Franklin D. Roosevelts Stellvertreter John Nance Garner, demzufolge das Vizeamt «nicht mehr wert ist als ein Eimer warme Spucke».
Am Regierungsgeschäft beteiligt
Obama will Biden aber am Regierungsgeschäft beteiligen. Er betraute ihn mit dem Vorsitz eines Beirats zur Förderung der Mittelschicht und will in aussenpolitischen Fragen seinen Rat einholen.
Und offenbar suchte Biden sich das Amt selber aus und hätte auch den Posten des Aussenministers haben können, wie seine Frau Jill in einer Fernsehsendung ausplauderte. Demnach überliess Biden Hillary Clinton den Vortritt, um nicht zu viel unterwegs zu sein.
In der Diplomatie will Biden den Kurswechsel. Dem konfrontativen Stil von George W. Bush konnte er wenig abgewinnen. (SDA)