5 Jahre danach USA gedenken der Opfer des Hurrikans «Katrina»

  • Publiziert: 30.08.2010, Aktualisiert: 20.01.2012

NEW ORLEANS - Vor fünf Jahren wütete der Hurrikan «Katrina» in mehreren US-Bundesstaaten. Mehr als 1800 Menschen starben. Gestern gedachten die Amerikaner der Opfer der Katastrophe.

Zahlreiche hochrangige Politiker, Würdenträger und Stars reisten rund um das traurige Datum in die von der Jahrhundertflut betroffene Region am Golf von Mexiko. Als Höhepunkt der Gedenkfeierlichkeiten galt die Rede von US-Präsident Barack Obama an der Xavier University in New Orleans.

Darin versprach der Stadt weitere Unterstützung beim Wiederaufbau. «Meine Regierung wird euch beistehen und an eurer Seite kämpfen bis der Job erledigt ist», sagte Obama. In über 170 Projekten würden derzeit Milliarden Dollar in den Aufbau von Schulen, Strassen, Kanalisationen, Spitälern und anderen öffentlichen Einrichtungen investiert.

Zudem werde ein neues System aus Schutzwällen New Orleans ab 2011 vor dem nächsten Jahrhundertsturm schützen. «Wir sollten nicht in jeder Hurrikan-Saison wieder Russisches Roulette spielen», sagte Obama.

Obama: «Beschämendes Versagen»

Durch den gewaltigen Sturm und die nachfolgenden Überflutungen am Golf von Mexiko waren im Sommer 2005 mehr als 1800 Menschen ums Leben gekommen. Fast die Hälfte der Todesopfer in New Orleans lebte im Stadtviertel Lower Ninth Ward, dessen Bewohner überwiegend arm und schwarz sind.

Obama bezeichnete die Folgen von «Katrina» nicht nur als Naturkatastrophe, sondern als «ein beschämendes Versagen der Regierung, die unzählige Männer, Frauen und Kinder in Stich gelassen hat.»

Er verwies damit auf die heftige Kritik an dem Krisenmanagement von damals – es war bemängelt worden, dass Evakuierungen zu zögerlich verliefen und Behörden chaotisch gehandelt hätten. 2005 war Obamas Vorgänger George W. Bush im Amt.

New Orleans habe in den vergangenen Jahren bedeutende Fortschritte gemacht, sagte Obama weiter. Die Stadt sei trotz vieler ungeheilter Wunden und unwiederbringlicher Verluste mittlerweile ein «Symbol für Widerstandsfähigkeit, Gemeinschaft und Verantwortung füreinander».

New Orleans hat heute etwa 355000 Einwohner. Die Altstadt mit ihrer französisch und spanisch beeinflussten Architektur zieht wieder Hunderttausende Touristen an. Doch für viele Bürger sind die Folgen bis heute nicht überwunden: Lower Ninth Ward ist fünf Jahre nach dem Sturm erst wieder zu 25 Prozent bewohnt.

Zahlreiche Gedenkfeiern

Die Woche ganze über hatte Amerika bereits auf die schrecklichen Ereignisse um den Hurrikan zurückgeblickt. Wie bereits in den vergangenen Tagen berichteten alle grossen Fernsehsender in Sondersendungen über den Jahrestag.

In der Stadt selbst gab es wie in den Vortagen Gottesdienste, Podiumsdiskussionen und Touren durch die teils noch immer verwüsteten Strassen. Doch auch mit betont optimistischen Musikfestivals erinnerte die lebensfrohe Jazzmetropole an die Katastrophe.

Neben dem Präsidenten hatten sich auch Hollywoodstars in New Orleans angesagt. Der Schauspieler Brad Pitt schaute sich Öko-Häuser an, deren Bau er mit seiner «Make it right»-Stiftung finanziert hatte.

Oscar-Preisträgerin Sandra Bullock wurde gestern zur Eröffnung eines neuen Spitals erwartet, das sie mit Spenden unterstützt hatte. Country-Star Faith Hill hatte am Dienstag ein Konzert gegeben, dessen Einnahmen in Projekte zum Wiederaufbau der Stadt fliessen sollen. (SDA/gca)

Muslim-Gerücht

US-Präsident Barack Obama hat ein «Netzwerk für Falschinformation» für die anhaltenden Gerüchte über seine Religionszugehörigkeit verantwortlich gemacht.

Dank der neuen Medien lasse sich die falsche Behauptung, er sei Muslim, stetig reproduzieren, sagte Obama gestern dem US-Sender NBC. Er kümmere sich nicht um diese Gerüchte, «sonst würde ich kaum noch zu etwas anderem kommen», sagte Obama.

Obwohl der US-Präsident gläubiger Christ und regelmässiger Kirchgänger ist, hält sich im Internet hartnäckig die Behauptung, er sei Muslim.

Obamas Parteinahme im Streit um den geplanten Bau eines islamischen Gemeindezentrums in der Nähe von Manhattans Ground Zero hat den Gerüchten neuen Auftrieb gegeben – etwa jeder fünfte US-Bürger denkt inzwischen, Obama sei muslimischen Glaubens.

Obama hatte sich vor kurzem im Namen der Religionsfreiheit für den Bau des Zentrums eingesetzt. Nach heftiger Kritik auch von Opfern der Terroranschläge vom 11. September 2001 ruderte er jedoch wieder ein Stück weit zurück.

In dem NBC-Interview wiederholte Obama sein ursprüngliches Plädoyer: «Wenn man dort eine Kirche bauen kann, eine Synagoge oder einen Hindu-Tempel, dann dürfen wir Menschen islamischen Glaubens, die US-Bürger sind, nicht anders behandeln», sagte er. «Das ist ein Grundwert unserer Verfassung. Und es ist meine Aufgabe als Präsident darüber zu wachen, dass wir unsere Verfassung achten.»

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