US-Geheimdienste überzeugt Putin befahl die Hacker-Attacke

Russlands Präsident Wladimir Putin soll persönlich eine Kampagne angeordnet haben, die Donald Trump zum Wahlsieg verhalf. Dies besagt ein Bericht von mehreren US-Geheimdiensten.

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Hat Wladimir Putin die Wahl-Beeinflussung persönlich angeordnet? Davon sind die US-Geheimdienste überzeugt. AP

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Der russische Präsident Wladimir Putin hat nach Einschätzung der US-Geheimdienste eine Kampagne angeordnet, um den Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahl zu beeinflussen. Zu dieser Einschätzung kommen CIA, FBI und NSA in einem Bericht, der am Freitag in Auszügen veröffentlicht wurde.

«Die Ziele Russlands waren es, das öffentliche Vertrauen in den demokratischen Prozess in den USA zu untergraben, Hillary Clinton zu verunglimpfen und ihren Wahlchancen sowie ihrer potenziellen Präsidentschaft Schaden zuzufügen», heisst es im Bericht zusammenfassend. Das Papier basiert auf Informationen der Geheimdienste CIA und NSA sowie der Bundespolizei FBI. 

Putin habe diese Kampagne in Auftrag gegeben. «Putin wollte Frau Clinton sehr wahrscheinlich diskreditieren, denn er wirft ihr seit 2011 öffentlich vor, die grossen Demonstrationen gegen seine Herrschaft Ende 2011 und Anfang 2012 initiiert zu haben», heisst es in dem Bericht. Clinton war damals US-Aussenministerin.

Russische Propaganda aus der Troll-Fabrik

Ausserdem habe Putin «viele positive Erfahrungen» mit westlichen Politikern gemacht, «deren geschäftliche Interessen sie geneigter machten, mit Russland zu handeln, wie der frühere italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi und der frühere deutsche Kanzler Gerhard Schröder».

Der Bericht warnt zudem vor ähnlichen Beeinflussungsversuchen des Kreml in Ländern, die mit den USA verbündet sind. Moskau werde seine Erfahrungen «auch gegen Verbündete der USA und ihren Wahlprozess» nutzen.

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte während des US-Präsidentschaftswahlkampf E-Mails der Demokratischen Partei und von Clintons Wahlkampfmanager John Podesta veröffentlicht. 

Der Geheimdienstbericht kritisierte auch russische «Propaganda» mithilfe einer sogenannten Troll-Fabrik, die die Stimmung in sozialen Online-Netzwerken gezielt beeinflusst. Sieben Seiten des Berichts sind dem russischen Staatssender Russia Today, kurz RT, gewidmet, der «konstant negativ» über Clinton berichtet habe.

Trump: «Keine Auswirkungen auf das Wahlresultat»

Der Öffentlichkeit legten die Geheimdienste nur eine gekürzte 25-seitige Fassung des Untersuchungsberichts vor. Die Originalversion ist doppelt so umfangreich und enthält vertrauliche Geheimdienstinformationen. Die Geheimdienste hatten diesen Bericht am Donnerstag Obama und am Freitag Trump vorgestellt.

Die drei Dienste stufen ihre Informationen selbst unterschiedlich glaubwürdig ein. Während FBI und CIA eine hohe Wahrscheinlichkeit zugrundelegen, dass die Informationen stimmen, stuft die für elektronische Überwachung zuständige NSA diese nur als moderat ein. Unabhängig lassen sich die US-Informationen, von denen nicht klar ist, wie sie erlangt wurden, nicht überprüfen.

Nach seiner Unterrichtung durch die Geheimdienste räumte Trump ein, dass die USA Zielscheibe ständiger Cyberangriffe seien, die von Russland, aber auch «China, anderen Ländern, Gruppen und Leuten von aussen» verübt würden. 

«Es gab absolut keine Auswirkungen auf das Ergebnis der Wahl», betonte Trump zugleich. In einem Telefoninterview mit der «New York Times» warf er den Medien in der Angelegenheit eine «politische Hexenjagd» vor.

«Republikaner liessen Hacker-Angriff zu»

Es habe auch Hackerangriffe auf die Republikanische Partei gegeben, aber seine Partei habe starke Schutzmassnahmen ergriffen und die Attacken abgewehrt, erklärte Trump. Die Geheimdienste kamen dagegen zum Schluss, dass Russland auch die Republikaner gehackt habe, das Material aber nicht verbreitet habe.

In einem Tweet erklärte Trump, die demokratische Partei habe wegen fahrlässiger Nachlässigkeit einen Hacker-Angriff zugelassen, während die Republikaner eine starke Verteidigung hatten.


Der republikanische Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Paul Ryan, erklärte, offenbar habe Russland versucht, «sich in unser politisches System einzumischen». Der Geheimdienstbericht dürfe allerdings nicht dazu missbraucht werden, «den Sieg des gewählten Präsidenten zu delegitimieren».

Trump kündigte an, nach seiner Vereidigung am 20. Januar ein Sofortprogramm zur Abwehr von Cyberangriffen umsetzen. Dies solle in den ersten 90 Tagen seiner Amtszeit geschehen. Einzelheiten wolle er nicht öffentlich nennen, «weil das denjenigen nutzen würde, die uns schaden wollen». (SDA)

Publiziert am 06.01.2017 | Aktualisiert am 07.01.2017
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41 Kommentare
  • Hubertus  Frankenstein aus Wohlen
    08.01.2017
    Es wird langsam so etwas von blamabel: Wenn genau jenes Land, welches alle anderen mit seinem NSA aushorcht, nicht einmal die Wahl des eigenen Präsidenten angemessen vor Hackern zu schützen vermag, sollte man doch einfach still sein und sich schämen. Es ist wirklich lächerlich, dass jetzt Putin auch noch schuld sein soll für die offenbar nicht wunschgemässe Präsidentenwahl.
  • Renato  Tivoli aus Luzern
    07.01.2017
    Ich weiss nicht. Bin kein Putin-Fan und betrachte mich einfach als neutraler Bürger. Aber Putin ist definitiv nicht die grössere Gefahr für die Welt als die USA. Wenn ich mir zurechtlege, wie viel die Amis nur schon im Nahen Osten durcheinander gebracht haben. Und wo sie überall Einfluss nehmen und Ausbeutung betreiben. Das übersteigt jenes um ein Vielfältiges im Verhältnis zu den Russen tun. Und das insbesondere auch unter demokratischer Führung.
  • Heinrich  Zimmermann aus Fulenbach
    07.01.2017
    Was die Geheimdienste der USA in vergangen Zeiten berichtet haben und zu welchen Desaster ihre Informationen geführt haben ist jedem einigermaßen denkend könnendem Menschen geläufig. Dieser Geheimdienst in Sachen Manipulation ist ein eine gefährliches Instrument vor dem wir uns in Acht nehmen müssen.
  • Robert  Mosimann 07.01.2017
    Unsere Medien übernehmen Überprüfung jede Nachricht aus den USA. Die USA merken langsam, dass sie die Führung als Weltmacht mit ihrer Scheindemokratie die nur Kriege anzettelt und unterstützt, verlieren werden. Man will mit allen Mitteln im Westen das negative Bild der vergangenen UDSSR bzw. der "bösen Russen" am Leben erhalten. Nach negativen Erfahrungen mit der NATO, unter Führung von Putin hat sich Russland in allen Bereichen mehr oder weniger positiv entwickelt inkl. Syrien.
    • Wolfgang  Tully 07.01.2017
      Können Sie einmal die positive Entwicklung von Russland erläutern?
  • Martin  Baumann 07.01.2017
    Dir. Clapper, oberster Geheimdienstler in den USA, meinte wörtlich:
    "Es gibt keine Beweise, dass Russland das Wahlresultat aktiv manipuliert hat, aber Sanktionen sind dennoch gerechtfertigt".
    Es kann also höchstens von einer indirekten Einflussnahme ausgegangen werden. Aber das machen die USA ja auch, siehe Ukraine und andere Länder wo Regierungen von der USA unterstützt, oder eben auch gestürzt worden sind. Alles in allem also eher "Business as usual" in den Spionagetätigkeiten der Supermächte.